Personalrochade in Nordkorea Kim Jong Un befördert Schwester auf Position im Politbüro

Nordkoreas Diktator im Jong Un baut seine Machtbasis aus: Die Schwester des Machthabers sitzt künftig im wichtigsten Entscheidungsgremium des Landes.

Kim Yo Jong
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Kim Yo Jong


Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat einige personelle Veränderungen im einflussreichen Politbüro vorgenommen. Ein neues Gesicht in dem Gremium ist Kim Yo Jong, Schwester des Diktators. Sie wurde zum stellvertretenden Mitglied ernannt. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA.

Kims jüngere Schwester wurde demnach bei einer Sitzung am Samstag zusammen mit Dutzenden anderen ranghohen Parteikadern befördert. Kim Yo Jong begleitet ihren Bruder häufig auf Reisen; sie arbeitete bislang in der Propagandaabteilung der Partei.

Das Politbüro ist das wichtigste Entscheidungsgremium des Landes; Kim Jong Un ist der Vorsitzende. Beobachter gehen angesichts des Personalwechsels davon aus, dass es sich um einen Schritt des Diktators handelt, seine Macht zu konsolidieren.

Kim Yo Jong bei einem Termin mit Kim Jong Un und Militärs s(undatierte Aufnahme)
AFP/ KCNA VIA KNS

Kim Yo Jong bei einem Termin mit Kim Jong Un und Militärs s(undatierte Aufnahme)

Die 28-jährige Kim Yo Jong steht offenbar als Ersatz für Kim Jon Uns Tante Kim Kyong Hui bereit. Diese war unter der Herrschaft des ehemaligen Machthaber Kim Jong Il eine wichtige Figur im Machtgefüge. Das US-Finanzministerium hatte Kim Yo Jong im Januar zusammen mit anderen nordkoreanischen Offiziellen auf eine schwarze Liste gesetzt - wegen schwerwiegender Menschenrechtsverstöße.

Außenminister steigt auch ins Politbüro auf

Weitere Neumitglieder im Politbüro sind Kim Jong Sik und Ri Pyong Chol, zwei Top-Leute hinter dem Raketenprogramm des Machthabers. Außenminister Ri Yong Ho wurde ebenfalls zum Mitglied des Gremiums ernannt. Er hatte Donald Trump in einer Rede bei den Vereinten Nationen als "President Evil" bezeichnet.

In Südkorea wird die Personalrochade als Reaktion auf die zunehmende Isolation Nordkoreas gewertet. Es zeige sich, "dass Kim Jong Un die aktuelle Lage ernstnimmt, und dass er nach einem Durchbruch sucht, indem er eine neue Generation von Politikern befördert", hieß es aus dem südkoreanischen Vereinigungsministerium.

Bei einem Treffen des Politbüros verteidigte der Machthaber das nordkoreanische Atomwaffenprogramm. Die Atomwaffen seien ein "wertvolles Schwert", um Nordkorea vor einem Angriff zu schützen und angesichts der "atomaren Drohungen der US-Imperialisten" die Souveränität des Landes zu verteidigen, sagte Kim laut KCNA.

US-Präsident Donald Trump hatte sich am Samstag erneut gegen diplomatische Bemühungen zur Beilegung des Atomstreits mit Nordkorea ausgesprochen. Seit 25 Jahren werde ohne Erfolg mit Nordkorea verhandelt, schrieb Trump bei Twitter. "Sorry, aber nur eins wird funktionieren", fügte der US-Präsident hinzu. Was das genau bedeuten soll, führte er allerdings nicht aus.

Die USA haben in der Vergangenheit wiederholt betont, dass sie im Atomstreit mit Pjöngjang auch ein militärisches Vorgehen nicht ausschließen. Trump hatte bei seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen im September sogar gedroht, die USA würden Nordkorea "völlig zerstören", sollte Pjöngjang im Konflikt um sein Atom- und Raketenprogramm nicht einlenken.

Nordkorea - Die Chronik des Konflikts

ulz/AFP/Reuters

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