Nordkoreas Diktator Kim Jong Uns Tante lebt heimlich in den USA

Ihr Neffe will die USA am liebsten mit Atomwaffen angreifen, sie arbeitet heimlich in New York. Kim Jong Uns Tante spricht erstmals über ihre Flucht aus Nordkorea - und verrät Details aus seinem Privatleben.

AP/ Kyodo News

Der Erzfeind half mit. Finanziell unterstützt vom US-Geheimdienst CIA hat sich die Tante des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un eine neue Identität aufgebaut. Sie lebt seit 18 Jahren in den USA und betreibt in New York eine Reinigung. Der "Washington Post" hat sie die Geschichte ihrer Flucht und ihrer Familie erzählt.

Ko Yong Suk, so hieß die 60-Jährige früher. Längst hat sie einen neuen Namen. Mit der CIA arbeitet sie noch immer zusammen, doch Geheimnisse könne sie nicht preisgeben, sagt sie. Dafür aber Details aus der Kindheit ihres berühmten wie gefürchteten Neffen, der sein Privatleben und sein Land stark abschottet.

Demnach wurde Kim Jong Un 1984 geboren, was bislang nicht als gesichert galt. Seit seinem achten Geburtstag habe er gewusst, dass er einmal die Führung des Landes übernehmen werde. Damals habe er eine Generaluniform geschenkt bekommen und die oberste Militärriege des Landes habe begonnen, sich vor ihm zu verbeugen.

Ko hat drei Kinder, ein Sohn ist genauso alt wie Kim. "Sie waren von Geburt an Spielkameraden", erzählt sie der Zeitung. "Ich habe ihnen beiden die Windel gewechselt."

Kim sei ein aufbrausendes Kind gewesen. "Wenn ihn seine Mutter gebeten hat, nicht mehr mit seinen Spielsachen zu spielen und stattdessen etwas zu lernen, hat er nicht widersprochen. Er protestierte auf andere Weise, etwa, indem er in Hungerstreik trat."

Sein größtes Interesse sei Basketball gewesen. "Er war besessen", sagt seine Tante. Er sei sogar mit seinem Basketball ins Bett gegangen.

"Wir leben den amerikanischen Traum"

Ko Yong Suk ist die Schwester der mittlerweile verstorbenen Mutter des nordkoreanischen Machthabers. Dem Bericht zufolge lief Ko über, als sie sich in Bern in der Schweiz aufhielt. Dort ging Kim Jong Un Ende der Neunzigerjahre zur Schule, die Tante kümmerte sich damals um ihn und andere Familienmitglieder. 1998 kam der Bruch - Ko und ihr Ehemann wollten zum Feind überlaufen. Die "Washington Post" beschreibt, zu dieser Zeit hätten beide realisiert, dass sie nicht mehr lange gebraucht würden vom Regime und befürchteten wohl, ihren privilegierten Status zu verlieren. Kim Jong Un war demnach 14 Jahre, sein Bruder 17 Jahre alt.

1998 floh das Paar in die Schweizer US-Botschaft und erhielt schließlich politisches Asyl in den USA. Aus den Nordkoreanern der obersten Schicht des Landes wurden Mittelklasse-Amerikaner. Ihr Mann sagte den Journalisten der "Washington Post" während der Interviews, die sie in New York sowie in ihrem einige Autostunden entfernten Haus führten: "Ich glaube, wir leben den amerikanischen Traum."

Frühere Vertraute werden verbannt oder hingerichtet

Immer wieder gibt es Berichte, dass Kim Jong Un Verwandte und frühere Vertraute verbannen oder töten lässt. Unklar ist etwa das Schicksal seiner Tante Kim Kyung Hee. Sie war die einzige Tochter von Staatsgründer Kim Il Sung und gehörte jahrelang zum engsten Führungszirkel des Landes. Es gibt Berichte, dass Kim Jong Un ihre Ermordung angeordnet haben soll. Ihr Ehemann Jan Song Thaek wurde 2013 hingerichtet, weil Kim Jong Un ihn verdächtigt haben soll, einen Putsch zu planen.

Das kommunistische Nordkorea gehört zu den am strengsten abgeschotteten Staaten der Welt. Nur äußerst selten gelingt Bürgern die Flucht aus dem Land.

Die Führung in Pjöngjang provoziert die internationale Gemeinschaft - und besonders die USA - immer wieder. In Propagandavideos werden etwa Angriffe auf amerikanische Städte simuliert, zuletzt Ende März.

Das Atomprogramm des Landes beunruhigt seit vielen Jahren. Bisher führte das Regime vier Atomtests durch. Experten sind sich einig, dass Nordkorea über einige Atomsprengköpfe verfügt; umstritten ist allerdings, ob das Land auch in der Lage ist, diese auf Raketen aufzubringen. Regelmäßig testet das Land Raketen mit kurzer Reichweite. Anfang März hatte der Uno-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Pjöngjang erneut verschärft.

kgp/dpa/AFP

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