Krise in Fernost: USA erwarten neuen Raketentest in Nordkorea

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DPA/ KCNA

Raketenabschuss in Nordkorea (Archiv): Steht ein neuer Test bevor?

In der Korea-Krise überschlagen sich die Ereignisse. Der Norden rät den Botschaften in Pjöngjang zur Evakuierung. Der Süden schickt Zerstörer vor seine Küsten. Nun erklärt das Weiße Haus, es wäre nicht überrascht über einen weiteren Raketentest des Regimes.

Washington - Die US-Regierung rechnet offenbar mit einem weiteren Raketentest in Nordkorea. Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, sagte am Freitag, ein solcher Test "würde uns nicht überraschen". Nordkorea habe bereits in der Vergangenheit Raketen abgeschossen.

Ein solcher Schritt würde zur derzeitigen kriegerischen Rhetorik des kommunistischen Regimes passen. Man arbeite eng mit China und Russland zusammen, um auf Nordkorea Einfluss zu nehmen, fügte Carney hinzu. Das kommunistische Regime solle seinen internationalen Verpflichtungen nachkommen.

Gleichzeitig mühen sich die USA, weiterhin gelassen auf die Drohungen Nordkoreas zu reagieren. Den jüngsten Schachzug von Pjöngjang, mehreren Ländern den Abzug ihrer Diplomaten aus der nordkoreanischen Hauptstadt zu empfehlen, bezeichnete das Außenministerium als Krieg der Worte. "Das ist nur eine eskalierende Serie rhetorischer Stellungnahmen", sagte Sprecherin Viktoria Nuland dazu. Sie fügte allerdings hinzu: "Die Frage ist, mit welchem Ende."

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union beriefen für Montag ein Sondertreffen ihrer EU-Botschafter über die sich zuspitzende Lage in Nordkorea ein. Das Treffen sei für 11.00 Uhr in Brüssel geplant, sagte ein EU-Diplomat am Freitag.

Pjöngjang hatte mehreren Ländern erklärt, dass die Sicherheit ihrer Botschaftsmitarbeiter ab dem 10. April im Konfliktfall nicht mehr garantiert werden könne. Die Bedeutung dieses Datums blieb zunächst unklar. Außer Deutschland und Großbritannien haben noch die EU-Länder Schweden, Polen, Rumänien, Bulgarien und Tschechien Botschaften in Nordkorea. Betroffen von dem Evakuierungsappell ist auch Russland.

"In einer Situation wie dieser sprechen die Botschafter vor Ort ständig miteinander", sagte der Diplomat. Die Botschafter wurden demnach am Freitag gemeinsam vom nordkoreanischen Außenministerium einberufen, um sie über die Fristsetzung zu informieren. Frankreich unterhält den Angaben zufolge keine diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea, hat aber einen Vertreter im Land.

"Die Botschaften vor Ort stehen in ständigem Kontakt und bewerten die Lage", sagte auch eine Vertreterin der Europäischen Union. Sie nahm nicht zu Berichten Stellung, wonach sich die Leiter der Botschaften in Pjöngjang an diesem Samstag treffen wollen. Die EU stehe in engem Kontakt mit ihren internationalen Partnern wegen der Krise, insbesondere mit Südkorea, China, Japan und den USA, hieß es. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton nimmt in der kommenden Woche an einem Außenministertreffen der G-8-Länder teil, bei dem Nordkorea auf der Tagesordnung stehen soll.

Selbst Castro mahnt Kim

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als extrem gespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von Uno-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt. Am Samstag rief Pjöngjang den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea aus. Seit den fünfziger Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.

Als weitere Eskalationsstufe drohte das kommunistische Regime den USA offiziell mit einem Atomschlag. Allerdings bezweifeln Experten, dass das Land auf Jahre hinaus in der Lage sein wird, das US-Festland mit einer Atomrakete zu treffen.

Nordkoreas Militär verlegte am Freitag eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste des Landes, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Bereits am Vortag hatte das südkoreanische Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass Nordkorea eine Mittelstreckenrakete an die Ostküste verlegt habe. Die Flugkörper haben eine Reichweite von bis zu 4000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine US-Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen. Südkorea schickte daraufhin am Freitag zwei Zerstörer mit Raketenabwehrsystemen vor seine Küsten.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte das Regime in Pjöngjang zur Mäßigung und einem Kurswechsel auf. Er zeigte sich besorgt, ließ aber über einen Sprecher mitteilen, dass die Uno-Mitarbeiter in Nordkorea ihre Arbeit fortsetzen würden.

Am Freitag äußerte sich auch der frühere kubanische Staatschef Fidel Castro zu der Krise. Er mahnte die nordkoreanische Führung zur Zurückhaltung. Dies sage er als Freund, schrieb er in staatlichen Medien. Nordkorea habe seine Tapferkeit demonstriert. Jetzt sei es an der Zeit, sich an die Pflichten zu erinnern, die es anderen gegenüber habe. Die Gefahr einer atomaren Vernichtung sei so groß wie seit der Kuba-Krise nicht mehr.

ler/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 105 Beiträge
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1. Man kann das alles nicht ignorieren
Isix 05.04.2013
Man kann das Verhalten Nordkoreas nicht ignorieren, das wäre das falsche Signal. Zugeständnisse wären auch nicht das richtige Signal. Ruhe bewahren, Verteitigungsbereitschaft aufrechterhalten und für den Notfall, den keiner Will schon mal die Neutronenbombe aus dem Keller holen. Nur zur Sicherheit.
2. Die USA ...
monolithos 05.04.2013
... haben auch schon mal Raketen abgeschossen (sogar auf iranische Passagierflugzeuge)! Und besitzen auch Atomwaffen. Klar, alles nicht schön, aber was ermächtigt die USA moralisch zu ihrer derzeitigen Vorgehensweise gegen einen anderen souveränen Staat?
3. Überwachungstechnik
Blaugurke 05.04.2013
In Nordkorea dürfte doch die Luft vor lauter Radarstrahlung nur so surren. Wenn die USA nun verkünden, man erwarte einen Raketenstart, ist doch vermutlich schon eine gesicherte Erkenntnis vorhanden. Die Radar"bohr"insel vor Koreas Küste kann doch laut SPON Objekte der Größe eines Baseballs erkennen, Kims Mittelstreckenraketen dürften größer sein. Und im Zweifel wird wohl auch der ein oder andere Satellit geostationär über der koreanischen Halbinsel sein...
4. Also...
kappesstepp 05.04.2013
"Frankreich unterhält den Angaben zufolge keine diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea, hat aber einen Vertreter im Land." --den Angaben zufolge-- ... kann man das nicht recherchieren, als Nachrichtenmagazin? Muss man da raten?
5. Man trifft sich in Brüssel zum Kaffeeklatsch
thorsten wulff 05.04.2013
Dem Kim steht schon der Angstschweiß auf der Stirn. Bekanntlich fackelt die EU bei Krisen ja nicht lange und greift hart durch.
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Industriepark Kaesong in Nordkorea: Lange geöffnet, jetzt geschlossen

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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