Trotz Absage an Kim Trump schickt Team zu Gesprächen an nordkoreanische Grenze

Kommt das Treffen zwischen Kim Jong Un und Donald Trump doch noch zustande? Das Weiße Haus hat den Gipfel zwar abgesagt, entsendet aber - sicher ist sicher - eine Delegation zu Gesprächen an die nordkoreanische Grenze.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump


Die USA senden - ungeachtet ihrer eigenen Absage - eine Delegation zur Vorbereitung eines Gipfeltreffens zwischen Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un an die nordkoreanische Grenze, nach Panmunjom.

Dort führte das US-Verhandlungsteam unter Leitung des erfahrenen Korea-Experten und früheren Atomunterhändlers Sung Kim am Sonntag direkte Gespräche mit Vertretern Nordkoreas.

"Unser US-Team ist in Nordkorea angekommen, um Vorbereitungen für den Gipfel zwischen Kim Jong Un und mir zu treffen", twitterte Trump am Sonntagabend. "Ich bin davon überzeugt, dass Nordkorea ein großartiges Potenzial hat und eines Tages eine große wirtschaftliche und finanziell starke Nation sein wird. Kim Jong Un hat mir darin zugestimmt. Es wird passieren!", schrieb er weiter.

Zuvor hatte das US-Außenministerium die Gespräche zwischen der US-Delegation und Nordkorea bestätigt.

Zunächst war lediglich von Reise nach Singapur die Rede

Am Samstag hatte es lediglich geheißen, das eine US-Delegation wie geplant zu Vorbereitungen nach Singapur reisen werde. Das hatte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, in Washington mitgeteilt. "Das Vorbereitungsteam des Weißen Hauses wird wie geplant abreisen, um den Gipfel vorzubereiten, sollte er stattfinden", sagte Sanders. Erwartet wird, dass die Delegation am Sonntag nach Singapur fliegt.

Trump hatte unter der Woche das für den 12. Juni angesetzte Gipfeltreffen zunächst abgesagt - am Freitag dann aber erklärt, er halte einen Gipfel mit Kim weiter für möglich, sogar an dem genannten Datum.

Das Hin- und Her hat Spekulationen ausgelöst, im Weißen Haus existierten möglicherweise Unstimmigkeiten über den Korea-Kurs. Präsident Trump meldete sich prompt via Twitter zu Wort - und dementierte einen entsprechenden Bericht der "New York Times". Es gebe "NULL Meinungsverschiedenheiten", so der Präsident.

Unterdessen gingen die diplomatischen Kontakte auf der Koreanischen Halbinsel weiter: Nordkoreas Führer Kim hat überraschend Südkoreas Präsidenten Moon Jae-In zu einem persönlichen Gespräch getroffen.

Moon hat für Sonntag ein Statement angekündigt. Der Staatschef ist Verfechter einer Entspannungspolitik mit dem Norden.

beb/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Heinrich52 26.05.2018
1. Abwarten
Es kann Unstimmigkeiten geben aber die Entscheidung liegt allein bei Trump. Er entscheidet. Aber das Zusammentreffen ist noch nicht sicher. Beide können sich das nochmals überlegen. Es kommt auf Herr Kim an was er möchte. Er steht unter Druck, weil sein Volk hungert. Die Sanktionen greifen die wirtschaft liegt danieder. Will er Frieden muss er auf die Bedingungen Trumps eingehen. Trump fühlt sich von Nordkorea bedroht durch die balistischen Raketen die Kim hat und dadurch die USA erereichen kann, aber auch die Nachbarn China, Japan und Australien sehen Herrn Kim als Gefahr. Herr Moon steht auch unter Druck, denn nächstes Jahr sollen Wahlen sein, die Opposition ist gegen einen Friedensvertrag mit Herrn Kim. Er braucht diesen Erfolg um seine Position zu sichern. Den Ton wird Herr Trump geben, ohne ihn läuft nichts aber auch gar nichts. Japan, China und Australien schauen was dabei rauskommt. Es wird natürlich ein Geschäft gemacht, für Trump ein lohnendes Geschäft. Wenn Herr kim nicht das atomare Lager entsorgt kann es sein, dass Atomköpfe in Korea und Japan aufgestellt werden um sich gegen Nordkorea evtl. zu verteidigen.Aber da möchte natürlich China nicht.
dunnhaupt 26.05.2018
2. Trump braucht diese Seite in den Geschichtsbüchern
Die großen multinationalen Konferenzen seit Metternich verfolgten immer dasselbe Ziel: Die oft grundverschiedenen Anliegen sämtlicher Konferenzteilnehmer nach Möglichkeit zu befriedigen. Die Koreaner wollen den endlosen Krieg beenden und getrennte Familien zusammen führen, der chinesische Hegemon will die nuklearen Drohungen vor seiner Haustür endlich loswerden, auch die Nachbarn Russland und Japan sind interessierte Parteien, und alle wollen den Abzug amerikanischer Truppen aus Asien. Für Kim Jong Un wie auch Trump persönlich bedeutet es eine historische Tat, die kein einziger ihrer Vorgänger in vierzig Jahren fertig gebracht hat.
Rahvin 26.05.2018
3.
@Heinrich52: Wie kommen Sie darauf, dass das Volk hungert, dass die Sanktionen tatsächlich greifen, etc.? Anders als sein Vater hat Kim Jong-Un es geschafft, die Ernährungssituation der Bevölkerung zu stabilisieren. Warum muss man Nordkorea (Gleiches gilt auch für den Iran) wirtschaftlich sanktionieren und den Konflikt so weiter am Leben halten? Weil Trump Südkorea braucht als Truppenstützpunkt. Weil er die Hegemonie der Chinesen im asiatischen Raum verhindern will. Es ist ein Trauerspiel, was der Mann anstellt: Jetzt wollte niemand mit ihm spielen, sogar Kim Jong-Un beweist mehr Stil als der Sabbler, und dann muss er sich doch noch das Hintertürchen offen halten, nachdem die Koreaner sich (wahrscheinlich mit Druck und Wohlwollen aus Peking) einfach mal ohne die Amerikaner getroffen haben. Es wäre doch einmal interessant zu sehen, was möglich ist, wenn man die Amerikaner mal komplett vom Verhandlungstisch weg ließe.
Sofinski 27.05.2018
4.
Im Moment tun mir am meisten die Mitglieder der amerikanischen Delegation leid. die jetzt nach Singapur reisen, denn egal was sie dort aushandeln, sie können zumindest zu 50 Prozent davon ausgehen, dass ihr Präsident sich dann doch wieder anders verhält.
furanku 27.05.2018
5.
Zitat von Heinrich52Es kann Unstimmigkeiten geben aber die Entscheidung liegt allein bei Trump. Er entscheidet. Aber das Zusammentreffen ist noch nicht sicher. Beide können sich das nochmals überlegen. Es kommt auf Herr Kim an was er möchte. Er steht unter Druck, weil sein Volk hungert. Die Sanktionen greifen die wirtschaft liegt danieder. Will er Frieden muss er auf die Bedingungen Trumps eingehen. Trump fühlt sich von Nordkorea bedroht durch die balistischen Raketen die Kim hat und dadurch die USA erereichen kann, aber auch die Nachbarn China, Japan und Australien sehen Herrn Kim als Gefahr. Herr Moon steht auch unter Druck, denn nächstes Jahr sollen Wahlen sein, die Opposition ist gegen einen Friedensvertrag mit Herrn Kim. Er braucht diesen Erfolg um seine Position zu sichern. Den Ton wird Herr Trump geben, ohne ihn läuft nichts aber auch gar nichts. Japan, China und Australien schauen was dabei rauskommt. Es wird natürlich ein Geschäft gemacht, für Trump ein lohnendes Geschäft. Wenn Herr kim nicht das atomare Lager entsorgt kann es sein, dass Atomköpfe in Korea und Japan aufgestellt werden um sich gegen Nordkorea evtl. zu verteidigen.Aber da möchte natürlich China nicht.
Entschuldigung, aber das halte ich für Unsinn. Kim steht besser da als je zuvor: Die Ernährungssituation hat sich leicht entspannt, Importe werden reduziert, er hat die Atombombe und Trump hat die Beziehungen zu China erheblich verschlechtert und sich damit seines Einfluss auf den wichtigsten Verbündeten beim Durchsetzen der Sanktionen weitestgehend beraubt. Die Nordkoreaner haben Jahrzehnte Erfahrung im Umgang mit dem Überleben unter diesen Umständen und nichts zu verlieren, Trump braucht hingegen einen aussenpolitischen Erfolg um nicht selber unter Druck zu kommen und hat dazu noch im Vorfeld den Mund mal wieder zu voll genommen. Nur -- er lernt nicht und hört weder auf seine Berater noch auf Experten. Und so wird er auch wieder vollkommen unvorbereitet mit den typischen Trump'schen "Knallkopf-Forderungen" in die Verhandlungen gehen, so sie denn zustande kommen. Das kann aber nur in die Hose gehen. Und so kann Trump nur entweder unter lautem Getöse die Verhandlungen abbrechen, dann ist sein Ruf als "Dealmaker" endgültig dahin und Kim kann (diesmal sogar zu recht) behaupten "Wir haben alles getan, aber mit dem Mann ist nicht zu reden", oder er muss nehmen, was Kim ihm bietet, was weniger sein wird als der Iran-Deal, den er ja unter ebenso lauten Getöse und internationalem Protest gekippt hat. Trump ist mal wieder, sich selbst vollkommmen überschätzend und ohne jeglichen Plan in eine Situation gestolpert, die ihm nun über den Kopf wächst. Das ist doch ein nur allzubekanntes Verhalten seiner Präsidentschaft.
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