US-Soldaten in Südkorea: "Wegen Kim schiebt hier niemand Panik"

Aus Seoul berichtet Heike Sonnberger

US-Armee in Südkorea: Entspannt trotz Atomkriegsdrohungen Fotos
DPA

Sollte Nordkoreas Regime eine Atomrakete gegen Amerika abfeuern, müssten die in Südkorea stationierten US-Truppen sofort eingreifen. Doch von erhöhter Alarmbereitschaft ist in Seoul noch nichts zu spüren: Die Soldaten strotzen vor Selbstbewusstsein.

Vorige Woche rief sie ein Freund an, ein US-Soldat, der in einer der kleineren Kasernen in Südkorea stationiert ist. "Hey, ich bin gerade in Seoul", sagte er. Englischlehrerin Taryn Blake, 35, horchte auf. Zieht die Army ihre Truppen im Hauptquartier in der südkoreanischen Metropole zusammen? Nein, nein, beruhigte sie ihr Freund. Ich muss nur zum Arzt, habe mich am Ellbogen verletzt.

"Wegen Kim Jong Un schiebt hier niemand Panik", sagt Blake aus Virginia, die seit fünf Jahren in Südkorea lebt. Die Tiraden aus dem Norden seien für die Medien gedacht, das US-Militär lasse sich davon nicht beeindrucken.

Ein Bild, das sich auch bei einem Ausflug zum Hauptsitz der amerikanischen Streitkräfte in Südkorea bestätigt. Die Garnison Yongsan liegt mitten in Seoul. Ein Schleier aus Regen verdeckt den Eingang. Hinein kommt man nur mit persönlicher Einladung. Der koreanische Wachmann am Tor 3 notiert die Telefonnummer der Pressestelle auf einen Zeitungsschnipsel. "Montag ab neun Uhr wieder", sagt er und zieht sich zurück in sein Wachhäuschen.

Aus dem Drehkreuz vor seinem Fenster eilen Gestalten, ihre Gesichter sind unter Schirmen und Baseballkappen versteckt. Ein Marinesoldat, dunkelblonde Stoppelhaare, beigefarbene Softshell-Jacke, hält kurz an. "Keine erhöhte Sicherheitsstufe, kein emotionaler Druck." Er habe sich schon in Afghanistan und im Irak im Dreck gerollt, doch das hier sei ein anderer Krieg. "Wir planen nur", sagt er, zuckt mit den Schultern und eilt weiter.

Was die Amerikaner planen, würde der kommunistische Diktator auf der anderen Seite der Grenze, der den USA mit einem Atomschlag droht, wohl nur zu gerne wissen. 28.500 US-Soldaten sind in Südkorea stationiert, seit dem Korea-Krieg in den fünfziger Jahren sind die fremden Truppen schon hier. Sie führen regelmäßig Militärübungen mit der südkoreanischen Armee durch, die der Norden als Provokation auffasst.

Nur ohne Drohungen wäre etwas faul

Dass das Regime von Kim Jong Un jedoch ernsthaft einen Angriff auf die USA oder den Nachbarn im Süden plant, glaubt kaum ein Amerikaner in Seoul. Die US-Botschaft hat am Freitag eine Mail an ihre Staatsbürger gesendet. Trotz der politischen Spannungen gebe es keine Anhaltspunkte für eine unmittelbare Bedrohung. US-Bürger müssten keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen treffen, heißt es darin.

"Wenn die Botschaften ihre Leute nach Hause schicken, dann würde ich mir Sorgen machen", sagt US-Soldat Tim aus Kentucky, der im hippen Viertel Itaewon in Seoul in einem Buchladen stöbert. Doch selbst die ausländischen Vertretungen in Pjöngjang, denen das nordkoreanische Regime eine Evakuierung nahegelegt hat, ignorieren das Gebaren der dortigen Herrscher.

Die Drohungen aus Kim Jong Uns Machtzirkel seien im Moment zwar lauter, aber nicht viel aggressiver als sonst, sagt eine Amerikanerin, die in Südkorea seit drei Jahren für eine Nachrichtenagentur arbeitet und ihren Namen lieber nicht nennen will. "Wenn sie plötzlich still wären, dann wäre etwas faul." Doch die Kims würden nichts unternehmen, was ihre Macht gefährden könnte. Und einen Krieg, so glaubt sie, würde das Regime nicht überstehen.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Nun, wegen Kim braucht auch niemand nervös werden …
Dr.pol.Emik 07.04.2013
… man könnte tatsächlich meinen, das der kleine Kim zum Glücksschwein für den Westen mutiert, wie hier beschrieben: *Kim Jong Un, des Westens jüngstes Glücksschwein* (http://qpress.de/2013/04/07/kim-jong-un-des-westens-jungstes-glucksschwein/) … ob wir allerdings die ganzen Hintergründe zu erfahren bekommen, da mag man dann etwas skeptischer herangehen. Die eigentliche Gefahr könnte auch eine andere sein und dabei weiß gar nicht so sehr, welche Einflüsterer dahinter stehen. In jedem Falle hat er sich damit die Aufmerksamkeit erschlichen und sollte etwa tatsächlich auch noch die Erstürmung des Iran auf der Agenda stehen, dann könnte auch ein konventioneller Konflikt in Korea auch eine Supermacht in die enge treiben. Also, wer spielt jetzt mit wem? Das von der einen ungetesteten Langstreckenrakete Nordkoreas keine Gefahr ausgeht, das wird allen klar sein, auch eine Invasion der USA muss scheitern. Zu Fuß kommt er halt nur bis nach Südkorea … (°!°)
2. Hoffentlich täuschen sich die Amerikaner nicht
hornberg1 07.04.2013
dieser nordkoreanischen Führung traue ich nicht über den Weg. Dieser Kim Jong Un kann doch mit seinen 30 Jahren überhaupt nicht die erforderliche Erfahrung haben. Kurzschlussreaktionen sind m. E. doch jederzeit möglich, zumal den Leuten scheinbar das Wasser am Hals steht.
3. Was neu ist!
spon-facebook-1729956998 08.04.2013
Viele sagen, ach was, die Nordkoreaner haben schon immer gedroht. Doch etwas ist neu an der derzeitigen Drohung und das ist die schleichende Rückkehr des Kalten Krieges und die komplizierter gewordene Weltlage, dessen sind sich die Nordkoreaner offenbar sehr bewusst. Diese anhaltende Kriegstreiberei von Kim Jong-un ist ungewöhnlich. Würde er jetzt zurückstecken, wäre es ein persönlicher Gesichtsverlust für ihn und das könnte ihm persönlich schaden. Er ist es und keine Militärs, die man notfalls zurück pfeifen könnte, der das Kriegsgeheul immer wieder neu anstimmt und sich damit selbst psychologisch unter Druck setzt. Der schleichende Kalte Krieg zwischen den Großmächten USA, Russland und China dagegen ermutigt ihn, weiter zu machen. Denn die Okkupation Südkoreas ist fixes Programm, ererbt von Vater und Großvater, eine Familienpflicht sozusagen. Denen war es in den Jahrzehnten zuvor nicht möglich den Schritt zu wagen, weil keiner dieser drei Mächte es zugelassen hätte. Man hätte dem Spuk schnell ein Ende gesetzt und eine Teilung Nordkoreas ausgehandelt, wegen diesem kleinen unbedeutenden Staat hätte keiner einen Atomkrieg riskiert. Inzwischen aber hat die militärische Übermacht der USA und die zunehmende Anspannung und das Misstrauen Chinas und Russlands, die Lage scheinbar zu Gunsten der Nordkoreaner verschoben. Man rechnet kühl, dass die Amerikaner sich wirtschaftlich übernommen haben, mit Irak und Afghanistan und dass China und Russland sich nicht einmischen werden, sondern zusehen werden, wie sich die USA erneut in einem militärischen Konflikt die Zähne aus beißen. Das ist die neue Lage, die den Ausbruch des Krieges wahrscheinlicher macht denn je. Klar steht China nicht mehr hinter Nordkorea. Aber dieses Fehlen eines Verbündeten, der einem auch sagen kann, was er nicht möchte, ermöglicht ein freieres Handeln, ohne Rücksichten. Das ist es was neu ist.
4. optional
blubb87 08.04.2013
Also die Usa haben doch schon seit ewigkeiten 37000 Soldaten dort stationiert. 28500 sind es auf jedenfall nicht.
5. AMOKLAUF mit Ankündigung
gasverbrenner 08.04.2013
Ich selbst war mit einer (Süd-)Koreanerin verheiratet und habe 1,5 Jahre in Südkorea gelebt und kenne mich sehr gut mit der koreanischen Denke aus. (auch durch eigene Fettnäpfchen). Unabhängig von allem kann ich mir sehr gut vorstellen dass NK sich ernsthaft bedroht fühlt (damit will ich keineswegs NK, bzw. deren tun irgendwie schön reden.) Ich kann jedem den es interessiert empfehlen mal bei Wikipedia unter dem Begriff Singijeon nachzuschauen und sich fragen wie Korea über Jahrhunderte seine Unabhängigkeit bewahrt hat. Durch ABSCHRECKUNG mit Massenvernichtungswaffen. Der Norden betreibt leider noch immer diese Art der Außenpolitik. NK will Gespräche mit den USA und hat dies in den Monaten vor der Wahl in Süd-Korea wiederholt klargemacht. Jetzt drohen sie leider von der Klippe zu springen, weil sie komplett ins Abseits gedrängt wurden. Wäre nicht das erste Land, das Amok läuft... Ich hoffe NICHT recht zu haben.
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Fläche: 99.646 km²

Bevölkerung: 48,184 Mio.

Hauptstadt: Seoul

Staatsoberhaupt:
Park Geun Hye

Regierungschef: Chung Hong Won

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Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)