Militärgespräche Südkorea will mit Nordkorea reden

Die Situation auf der koreanischen Halbinsel ist angespannt: Der Norden provoziert mit Raketentests, der Süden reagiert mit Drohungen. Doch nun will Seoul es mit deeskalierenden Gesprächen versuchen.


Die Regierung in Südkorea hat Nordkorea vorgeschlagen, die Militärgespräche wiederaufzunehmen und so die Spannungen zwischen den verfeindeten Ländern abzubauen. Die Verhandlungen könnten am kommenden Freitag auf nordkoreanischer Seite des Grenzortes Panmunjom stattfinden, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul mit. Ziel sei es, alle "feindseligen Handlungen" entlang der militärischen Demarkationslinie zwischen beiden Ländern einzustellen.

Es wäre das erste Mal seit drei Jahren, dass Vertreter des Militärs beider Länder miteinander sprechen. Bislang habe sich Nordkorea noch nicht zu dem Vorschlag geäußert, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums.

Die Situation auf der koreanischen Halbinsel ist seit anderthalb Jahren noch angespannter als ohnehin schon. Nordkorea hatte die Nachbarn im Süden und die westlichen Verbündeten mit zahlreiche Raketentests provoziert. Zuletzt hatte das Regime von Diktator Kim Jong Un am 4. Juli trotz internationaler Sanktionen und Warnungen nach eigenen Angaben erstmals eine Interkontinentalrakete getestet. Die USA kündigten daraufhin "härtere Maßnahmen" gegen Nordkorea an.

Ungeachtet der Spannungen hatte Südkoreas Präsident Moon Jae In erklärt, wieder stärker auf die international isolierte Führung in Pjöngjang zugehen zu wollen. Unklar ist, worüber genau gesprochen werden soll. Möglich wäre, dass Südkorea dem Nachbarn vorschlägt, die Lautsprecher-Propaganda beider Seiten an der gemeinsamen Grenze einzustellen. Süd- und Nordkorea sind durch eine vier Kilometer breite Pufferzone voneinander getrennt. Auf beiden Seiten sind große Lautsprecher aufgebaut, über die Propaganda verbreitet wird.

Die Führung in Pjöngjang arbeitet trotz scharfer internationaler Proteste seit Jahren an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten. Experten zweifeln aber an der Fähigkeit Nordkoreas, tatsächlich die nötige Technologie für einen solchen Angriff zu entwickeln.

brk/dpa

insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
e-dirk 17.07.2017
1. Endlich!
Vorausgeschickt: Ich glaube das "der Dicke", wie er hier im Westen oft tituliert wird, schon lange nicht mehr der Herr im eigenen Haus ist, sondern "nur" ein Marionette des nordkoreanischen Militärs. Endlich ein Schritt in die richtige Richtung. Man kann nur hoffen, das das Militär das gesprächsangebot annimmt. Auf jeden Fall darf der Südkorea ( und der Westen) die Gespräche, so sie denn stattfinden, nicht im Vornherein mit Maximalforderungen zu torpedieren. Hier ist Diplomatie in höchste Vollendung gefragt.
stadtberger 17.07.2017
2.
@ e-Dirk Auf jeden Fall kann man sich am "kleinen Dicken" gut reiben, egal was er gesagt oder getan haben (soll)
Atheist_Crusader 17.07.2017
3.
Zitat von e-dirkVorausgeschickt: Ich glaube das "der Dicke", wie er hier im Westen oft tituliert wird, schon lange nicht mehr der Herr im eigenen Haus ist, sondern "nur" ein Marionette des nordkoreanischen Militärs. Endlich ein Schritt in die richtige Richtung. Man kann nur hoffen, das das Militär das gesprächsangebot annimmt. Auf jeden Fall darf der Südkorea ( und der Westen) die Gespräche, so sie denn stattfinden, nicht im Vornherein mit Maximalforderungen zu torpedieren. Hier ist Diplomatie in höchste Vollendung gefragt.
Sie lassen das so klingen, als ob es vorher nie Gespräche gegeben hätte. Als ob Nordkorea ein Ausbund an Vernunft sei und bisher einfach nur Niemand mit ihnen reden wollte.
stefan.martens.75 17.07.2017
4. Bahnbrechende Strategie
Reden! Wer hätte das gedacht, dass diese uralte Strategie zur Konfliktbewältigung tatsächlich eine Wiedergeburt erfährt. :-) Könnte selbst die USA mal drüber nachdenken. Reden ist kein Zeichen von Schwäche und keine Kapitulation. Aber lieber einen Atomkrieg riskieren bevor man sich die Blöße von Gesprächen gibt ist eindeutig ein Zeichen von arroganter Dummheit.
rainer_daeschler 17.07.2017
5. Wechselwirkung
Zitat von e-dirkVorausgeschickt: Ich glaube das "der Dicke", wie er hier im Westen oft tituliert wird, schon lange nicht mehr der Herr im eigenen Haus ist, sondern "nur" ein Marionette des nordkoreanischen Militärs. Endlich ein Schritt in die richtige Richtung. Man kann nur hoffen, das das Militär das gesprächsangebot annimmt. Auf jeden Fall darf der Südkorea ( und der Westen) die Gespräche, so sie denn stattfinden, nicht im Vornherein mit Maximalforderungen zu torpedieren. Hier ist Diplomatie in höchste Vollendung gefragt.
Das ist zu einfach gedacht. Das Militär ist die zentrale Macht um Nordkorea zu regieren. Kim Jong-un braucht es um als "Oberster Führer" an der Spitze zu bleiben und das Militär und die Oberschicht brauchen ihn, um ihre Position und Privilegien zu behaupten.
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