Technologie-Test: Nordkorea startet Langstreckenrakete

Trotz internationaler Warnungen hat Nordkorea eine Langstreckenrakete gestartet. Der Flugkörper wurde von der Westküste des Landes abgefeuert, Trümmerteile gingen östlich der Philippinen nieder. Südkorea und Japan beriefen Dringlichkeitssitzungen ihrer Sicherheitskabinette ein.

Satellitenfoto der nordkoreanischen Militärbasis Sohae: Raketenstart um 9.51 Uhr Zur Großansicht
AP

Satellitenfoto der nordkoreanischen Militärbasis Sohae: Raketenstart um 9.51 Uhr

Pjöngjang - Nordkorea hat am Mittwoch gegen internationale Kritik zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Langstreckenrakete gestartet. Die Rakete hob nach südkoreanischen Angaben kurz vor 10 Uhr Ortszeit ab und flog über die japanische Insel Okinawa.

Die Regierung in Tokio teilte mit, die Rakete sei von der Westküste Nordkoreas aus in südliche Richtung abgefeuert worden. Das südkoreanische Militär bestätigte den Start.

Kurz nach dem Abheben der Rakete berichtete der japanische Fernsehsender NHK, ihre zweite Stufe sei wie geplant vor der Küste der Philippinen ins Meer gestürzt. Es war zunächst nicht klar, ob die dritte Raketenstufe, die den Satelliten trägt, das Weltall erreicht hat.

Nordkorea äußerte sich zunächst nicht zu dem Raketenstart. Nach früheren nordkoreanischen Angaben soll die Rakete einen Satelliten ins All befördern, der lediglich friedlichen Zwecken dient.

Die japanische Regierung protestierte umgehend gegen den Raketenstart. Japan und Südkorea beriefen Dringlichkeitssitzungen ihrer Sicherheitskabinette ein.

Die Raketenpläne der Regierung in Pjöngjang sind unter anderem in Japan, den USA und Südkorea auf scharfe Kritik gestoßen. Die Länder werfen Nordkorea vor, nach Langstreckenraketen zu streben, die Atomsprengköpfe transportieren können. UN-Resolutionen untersagen Nordkorea die Nutzung von Waffentechnologie in der Raumfahrt. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea Interkontinental-Raketen entwickelt, die eine Reichweite von mehr 6700 Kilometern haben und die USA treffen könnten.

Der Start am Mittwoch erfolgte überraschend - in den vergangenen Tagen war über mögliche Pannen und Verzögerungen berichtet worden. Nachdem zunächst auf Satellitenbildern zu erkennen gewesen war, dass die drei Stufen der Unha-3-Rakete in eine Montagehalle am Startplatz Sohae an der Westküste Nordkoreas gebracht worden waren, wurde sie wieder von der Startrampe geholt.

Zuvor hatte das staatliche Komitee für Raumfahrttechnologie mitgeteilt, der mögliche Zeitraum für den Start sei aufgrund eines Fehlers um eine Woche bis zum 29. Dezember verlängert worden.

Im April war eine Unha-3-Rakete kurz nach dem Start explodiert. Der Uno-Sicherheitsrat hatte den Test aufs Schärfste kritisiert.

pad/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Und wenn Nordkorea die Supernova-Energie beherrscht...
dreistein03 12.12.2012
Und wenn Nordkorea erst die Supernova-Energie Technologie beherrscht, dann fliegen sie an jeden Punkt der Welt - ohne Raketenstreibstoff. Das ist ein Hinweis für die Atomstreitkräfte, die die neuartige Energie-Technik bisher verschlafen haben.
2. Alles nur ein Spiel
mrmoody2010 12.12.2012
Ob der Raketentest ein Erfolg ist oder nicht, dass entscheidet doch nicht die Lage am Himmel. Vielmehr geht es doch darum dem Westen billigen Schnaps und grau Anzüge abzupressen, um die eigenen Generäle ruhig zu halten
3. Nk3
grafwagner 12.12.2012
Auf das Schärfste Kritik bei anderen Ländern ausüben und sich selbst global alle militärischen Rechte herausnehmen und Optionen vorbehalten. Selbstverständlich dem anderen Land das aktuell schlimmste Kriegs-Szenario zusprechen. Wenn in diesem Jahrhundert Atombomben zum Einsatz kommen sollten, dann mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von NK gezündet.
4. Geheimdienste?
manschu 12.12.2012
Da haben wohl die Geheimdienste mit ihren Spezialteams versagt. Ich schätze, der letzte Start wurde noch erfolgreich sabotiert. Wäre jedenfalls dumm, wenn Keiner eine Sabotage versucht hätte. Schade, dass es diesmal nicht geklappt hat, denn ich kann das nordkoreanische Regime nicht leiden.
5. Raketenstart Nird Korea
canadaboy70 12.12.2012
Nord Korea haelt sich mal wieder nicht an UNO resolution, da kann man nur alle Hilfen stoppen, vielleicht bringt das die Diktatur zum gemaessigten Handeln. Rationales Denken ist denen komplett fremd! Das arme, hungernde Volk kann einem nur Leid tun!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Nordkorea
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 15 Kommentare

Fotostrecke
Nordkorea: Alltag in einem abgeschottetem Land

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon

Fotostrecke
Nordkorea: Knuffiger Kim