Bericht des US-Vizepräsidenten Nordkorea ließ Treffen mit Mike Pence platzen

Für die Olympischen Winterspiele reiste der amerikanische Vizepräsident nach Südkorea. Dort hätte er sich mit hochrangigen Vertretern aus Nordkorea treffen sollen - doch die sagten laut US-Seite kurzfristig ab.

Mike Pence vor Kim Yong Nam (l.) und Kim Yo Jong
REUTERS

Mike Pence vor Kim Yong Nam (l.) und Kim Yo Jong


Hochrangige Vertreter des Regimes in Nordkorea haben offenbar ein geplantes Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence kurzfristig abgesagt. Das berichtet das Büro des Politikers. Pence war für die Olympischen Winterspiele nach Südkorea gereist. Dort hätte er sich den Angaben zufolge mit zwei Vertretern aus Nordkorea treffen sollen: mit Kim Yo Jong, der jüngeren Schwester von Machthaber Kim Jong Un, sowie mit Kim Yong Nam, dem protokollarischen Staatsoberhaupt Nordkoreas.

Doch zwei Stunden, bevor das Treffen am 10. Februar hätte stattfinden sollen, ließ die nordkoreanische Seite es platzen. Hintergrund waren laut Pences Stabschef Nick Ayers Äußerungen, die der Vizepräsident kurz zuvor gemacht hatte: Pence hatte das Regime für seine Verstöße gegen Menschenrechte verurteilt und angekündigt, neue Wirtschaftssanktionen gegen Pjöngjang anzustreben.

In Ayers Erklärung heißt es, Nordkorea habe das angekündigte Treffen auf hoher Ebene als Köder benutzt, in der Hoffnung, dass der Vize-Präsident seine Position abmildern werde. Dies wäre ein Propagandaerfolg für das kommunistische Land gewesen. "Sie haben das Treffen abgesagt oder vielleicht hatten sie auch nie ernsthaft vor, sich an einen Tisch zu setzen."

Die US-Regierung bedauere, dass Nordkorea "diese Chance" nicht genutzt habe, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Heather Nauert. Pence sei bereit gewesen, die Möglichkeit zu einem Treffen mit Vertretern aus Pjöngjang zu nutzen, "um die Notwendigkeit zu untermauern, dass Nordkorea seine illegalen Raketen- und Atomprogramme aufgeben muss". Pjöngjang habe das Treffen abgesagt, nachdem Pence dem "mörderischen Regime" Missbrauch vorgeworfen habe.

Pence war Anfang Februar für fünf Tage nach Südkorea und Japan gereist. Die Olympischen Winterspiele wurden am 9. Februar in Pyeongchang eröffnet. Bei der Feier saßen Pence und seine Ehefrau neben dem südkoreanischen Präsidentenpaar in der ersten Reihe auf der Ehrentribüne. Hinter dem südkoreanischen Paar saßen die beiden Spitzenvertreter Nordkoreas.

Nach seiner Abreise hatte Pence gesagt, die USA seien zu direkten Gesprächen mit Nordkorea bereit. Er stellte keine Vorbedingungen, schloss aber eine Abmilderung der Sanktionen für eine Aufnahme der Gespräche aus. Mit Südkoreas Präsident hatte er sich nach eigenen Angaben in Seoul darauf geeinigt, eine Strategie des "maximalen Drucks und des Dialogs zur gleichen Zeit" zu verfolgen.

Kurz zuvor hatte Kim Jong Un durch seine Schwester den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In zu Gesprächen nach Pjöngjang eingeladen. Moon sagte später, die Zeit für ein Gipfeltreffen mit Kim sei noch nicht reif. Erst müsse es Gespräche zwischen den USA und Nordkorea geben.

Nordkorea - Die Chronik des Konflikts

aar/AFP/Reuters

insgesamt 17 Beiträge
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gandhiforever 21.02.2018
1. Moeglich
Es ist durechaus moeglich, dass die Nordkoreaner haben Pence abblitzen lassen. Wenn ich aber zurueckblicke, daran denke, wie Pence sich am Freitag vor seiner Reise geaeussert hat, wie er in Korea zu einem Empfang so spaet erschien, dass es keinen freien Stuhl mehr gab, Wenn ich dann beruecksichtige, wie die Trump Administration nachtraeglich die Dinge zu ihrem Vorteil verdreht, dann wuerde es mich nicht ueberraschen, wenn mit dieser Darstellung das klaegliche Auftreten von Pence so hingestellt werden soll, als seien die Nordkoreaner diejenigen, die nicht wollten.
dereuropaeer 21.02.2018
2.
Typisch amerikanische Diplomatie. Ein Treffen vereinbaren und dann gleich Sanktionen androhen. Die US Regierung will garnicht mit Nordkorea‘s Regierung sprechen, die suchen immer nur einen Grund den Schwarzen Peter anderen in die Schuhe zu schieben
naive is beautiful 21.02.2018
3. Trump, Pence & Co sind Amateure - Kim hat dagegen nichts zu verlieren
Irgendwie fühlt es sich schlecht an mitzuerleben, wie sich amateurhaft agierende, ignorante und naive US ‚Spitzendiplomaten‘ von höchst durchsichtigen Manövern der Kim-Administration so offensichtlich am Nasenring durch die Manege führen lässt. Wovor fürchten wir Europäer eigentlich...?
sven2016 21.02.2018
4.
Man gewinnt den Eindruck, dass keine der drei Parteien Interesse an einer Veränderung der Lage in Korea hat. Diplomatie ist nicht gerade eine Kernkompetenz der Trump-Regierung, aber die öffentlichen Sprüche kurz vor dem Treffen waren schon dumm - falls man wirklich hätte sprechen wollen.
wiescheid 21.02.2018
5. Vor einem solchen ersten diplomatischen Gespräch...
...eine Verschärfung der Sanktionen anzukündigen, halte ich aber irgendwie auch nicht für die fertig englische Art. Zumindest wenn die wenigen Informationen hier im Artikel stimmen und das alle Fakten sind, kann ich Nordkorea diesmal sogar irgendwie verstehen.
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