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Spekulationen bestätigt: Nordkorea meldet erfolgreichen Test einer Wasserstoffbombe

Nordkorea hat eigenen Angaben zufolge erstmals eine Wasserstoffbombe getestet. Damit bestätigte das Regime in Pjöngjang die Spekulationen mehrerer Länder. Japan und Südkorea drohen bereits mit Konsequenzen.

Die Regierung in Pjöngjang hatte eine "größere Mitteilung" angekündigt - nun ist klar, was damit gemeint war: Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoffbombe getestet. Der Test sei "erfolgreich" verlaufen, verkündete am Mittwoch ein Nachrichtensprecher im staatlichen Fernsehen. Auch die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet darüber und beruft sich auf nordkoreanische Staatsmedien.

"Das ist eine ernste Bedrohung für die Sicherheit unseres Landes", sagte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe. Das Vorgehen Nordkoreas sei absolut nicht hinnehmbar. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo zitierte einen Regierungsbeamten, wonach Japan weitere Sanktionen gegen das Nachbarregime verhängen könnte.

Südkoreas Verteidigungsministerium kündigte an, das Militär werde Nordkorea nun noch intensiver beobachten. Präsidentin Park Geun Hye rief ein Treffen des Nationalen Sicherheitsrats ein und sagte, Nordkorea werde den Preis für den jüngsten Nukleartest zahlen. Ob es sich allerdings tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handle, sei noch unklar, hieß es vom Geheimdienst.

Die US-Regierung konnte den Bombentest eigenen Angaben zufolge bisher nicht bestätigen. Man verurteile jedoch jeden Verstoß gegen Uno-Resolutionen und fordere Nordkorea dazu auf, sich an seine internationalen Verpflichtungen und Absprachen zu halten, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats. Amerika werde auch weiterhin seine Verbündeten in der Region beschützen und verteidigen und "angemessen auf sämtliche Provokationen Nordkoreas reagieren".

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Nordkorea: "Erfolgreicher" Test einer Wasserstoffbombe
Großbritanniens Außenminister Philip Hammond schrieb via Twitter von einer "Provokation, die ich ohne Einschränkung verurteile":

Hammonds Amtskollegin aus Australien, Julie Bishop, veröffentlichte unter anderem via Twitter eine Erklärung, in der sie Nordkorea als "Schurkenstaat" und als "anhaltende Bedrohung für den internationalen Frieden" bezeichnete:

Erdbeben löste Spekulationen aus

Kurz vor der Mitteilung aus Nordkorea war in der Nähe des Atomtestgeländes Punggye Ri im Nordosten des Landes ein leichtes Erdbeben gemessen worden. Laut US-Messungen hatte es die Stärke 5,1. Die Erdstöße lösten sofort Spekulationen aus, ob es sich möglicherweise um einen weiteren Atomtest Nordkoreas gehandelt haben könnte: Die Regierungen in Südkorea und Japan äußerten entsprechende Vermutungen. Auch von der chinesischen Erdbebenwarte hieß es, das Beben sei vermutlich künstlich ausgelöst worden.

Atombomben werden mit Plutonium oder Uran hergestellt. Bei einer Wasserstoffbombe verschmelzen unter anderem Deuterium und Tritium, schwere Isotope des Wasserstoffs, zu Helium. Eine Wasserstoffbombe bezieht den Großteil ihrer Energie aus Kernfusion. Ihre Sprengkraft ist um ein Vielfaches höher als die einer Atombombe, die auf Kernspaltung basiert, wie sie in Hiroshima eingesetzt wurde.

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un hatte erst im Dezember erstmals angedeutet, dass sein Land eine Wasserstoffbombe besitze. Er sagte laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA, Nordkorea sei "ein mächtiger Atomstaat, der bereit ist, eine selbstständige Atombombe und eine Wasserstoffbombe zu zünden, um seine Souveränität zu verteidigen".

Kims Äußerung war der erste explizite Hinweis auf eine Wasserstoffbombe, seine Aussagen wurden aber von internationalen Experten mit Skepsis aufgenommen. Am Mittwoch nun hieß es in der Erklärung aus Pjöngjang, man werde das Nuklearprogramm weiter ausbauen, um sich gegen die "feindliche Politik" Amerikas zu verteidigen. "Wir sind jetzt eine Atommacht, die ebenfalls eine Wasserstoffbombe hat."

Sollten die Angaben Nordkoreas stimmen, hätte die Atomwaffenentwicklung des Landes eine neue Dimension erreicht. In der Vergangenheit führte das Regime bereits drei Atomtests durch, alle fanden auf dem Testgelände Punggye Ri statt. Der Uno-Sicherheitsrat reagierte jeweils mit Sanktionen gegen das kommunistische Regime:

aar/dpa/Reuters/AP/AFP

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insgesamt 17 Beiträge
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1. UN-Resolution und USA?
ocean_max 06.01.2016
Wann halten sich denn bitte die USA an Resolutionen? Wer darf welche Bombe haben ist eine sonderbare Frage. Warum gibt es keine Resolution dass KEINER Bomben haben darf? So ist diese Resolution nur die Stärkung einer elitären Machtclique. Und zum Thema Menschenrechte: Waren es nicht die selbsternannten Weltpolizisten aus den USA, die bereits 2 Atombomben auf ZIVILE Ziele warfen und heute URAN-Munition verwenden? Wir, d.h. die Menschen, brauchen keine Atombomben und Kriege.
2. wer braucht
argonaut-10 06.01.2016
noch einen Atomstaat? Dieser feiste Mops aus Nordkoreo verhält sich wie ein Leinkind, das mit hochgefährlichen Waffen zündelt. Ansonsten ist natürlich die Anmerkung des ersten Kommentars vollkommen richtig. Atomwaffen braucht niemand mehr, es sei denn, wir wollen mal wieder in der Steinzeit anfangen. Und wie stellt sich dieser Kasper das denn so vor? Erst mal sein insgesamt kleines Land mit Tests verseuchen und dann ein paar Bomben in Südkorea abwerfen? Wo sollen denn dann bitteschön überhaupt noch Koreaner leben?
3. Einst sagte Einstein:
ken-stumich 06.01.2016
Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg wird mit Knüppeln und Steinen gekämpft. Nicht jeder Entwicklung bedeutet automatisch ein Schritt nach vorne.
4. Fusion?
xc6lx45 06.01.2016
Der Artikel schreibt, die Wasserstoffbombe würde den Grossteil der Energie durch Fusion erzeugen, aber das stimmt im Regelfall nicht. Die Fusion setzt Neutronen frei, die dann den Uranmantel der Bombe durch Spaltung "verheizen". Dies kann man z.B. in Wikipedia unter "Castle Bravo" nachlesen. Kurioserweise wurde dies durch Zufall entdeckt, als beim Testen plötzlich die Bunkertür aus den Angeln flog. Ausnahmen sind Neutronenbomben und "saubere" Wasserstoffbomben, die zu Sovietzeiten gelegentlich zur Landschaftsgestaltung genutzt wurden.
5. Adenauer ?
cum infamia 06.01.2016
Sind Sie ein Freund von Konrad Adenauer ? Nur der hat zur Sowjetunion immer "Sovietunion " gesagt. Ist aber -leider- schon lange tot. Heute haben wir Chaos und Nieten im Kanzleramt, leider..
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Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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