Nukleare Abrüstung in Nordkorea Pompeo ist optimistisch, die Uno nicht

Hat Nordkorea sein Atomprogramm eingestellt? Nein, sag die Uno, der US-Außenminister ist da zuversichtlicher. Präsident Donald Trump setzt derweil auf regen Briefkontakt mit Diktator Kim Jong Un.

US-Außenminister Pompeo, Nordkoreas Außenminister Ri
AFP

US-Außenminister Pompeo, Nordkoreas Außenminister Ri


Der US-amerikanische Außenminister Mike Pompeo hat sich dafür ausgesprochen, die Sanktionen gegen Nordkorea strikt umzusetzen. Es sei wichtig, den Druck auf Nordkorea aufrechtzuerhalten, um dessen "endgültige, vollständig überprüfte Denuklearisierung" zustande zu bringen.

Pompeo gab sich zugleich zuversichtlich, dass Nordkorea wie zugesagt atomar abrüste. Es sei bekannt, dass die Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel Zeit in Anspruch nehme, sagte er bei der Asean-Regionalforums in Singapur. Die Arbeit habe aber begonnen. "Ich bin optimistisch, dass wir das im Zeitrahmen hinbekommen."

Einem vertraulichen Bericht der Vereinten Nationen zufolge dürfte Pompeos Optimismus aber unberechtigt sein. Nach einer sechsmonatigen Untersuchung kamen unabhängige Experten laut Nachrichtenagentur Reuters zu dem Schluss, dass Nordkorea sein Atom- und Raketenprogramm nicht eingestellt hat. Die Uno äußerte sich dazu nicht.

In dem 62 Seiten langen Bericht an den Uno-Sicherheitsrat heißt es laut Nachrichtenagentur AFP, dass Nordkorea zudem durch die "massive Steigerung" illegaler Importe von Ölprodukten von Schiff zu Schiff über nordkoreanische Tanker weiterhin gegen die Resolutionen verstoße. Die Experten verwiesen außerdem auf Verletzungen des Verbots zur Ausfuhr von Kohle, Eisen und anderen Waren, wodurch die Regierung von Kim Jong Un mehrere Millionen Dollar eingenommen habe. Die im vergangenen Jahr verabschiedeten Sanktionen seien so "unwirksam" geblieben.

Trump schickt Kim einen Brief

US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatten vor zwei Monaten bei ihrem historischen Treffen in Singapur ein gemeinsames Abkommen unterzeichnet. Darin bekannte sich der Nordkoreaner zur kompletten nuklearen Abrüstung. Allerdings hatte Kim das Gleiche schon Monate zuvor zugesagt. Zudem einigten sich Kim und Trump auf Verhandlungen auf Arbeitsebene. (Lesen Sie hier, was das Gipfeltreffen gebracht hat.

In diesen Verhandlungen spielt Pompeo eine große Rolle. In den vergangenen Monaten war er mehrmals nach Nordkorea gereist. Auch am Rande der Asean-Konferenz kam es nun zu einem kurzen Treffen zwischen dem US-Außenminister und seinem nordkoreanischen Amtskollegen Ri Yong Ho. Die beiden gaben sich am Samstag die Hände, lächelten und redeten kurz miteinander. "Wir sollten uns bald wieder treffen", soll Pompeo nach Angaben einer US-Sprecherin zu Ri gesagt. Dieser habe entgegnet, dass es noch viele produktive Gespräche geben solle.

Auf ein weiteres Treffen mit Nordkorea setzt auch Trump. Nachdem nordkoreanische Vertreter den USA 55 Särge mit sterblichen Überresten von mutmaßlich im Koreakrieg gefallenen US-Soldaten übergeben hatte, richtete sich der US-Präsident auf Twitter in einer Nachricht an Kim. Darin bedankte er sich, dass Kim Wortgehalten habe - und für einen Brief des Machthabers an ihn.

Nun schickte er noch eine schriftliche Antwort hinterher: Die US-Delegation habe Ri in Singapur einen Brief des amerikanischen Präsidenten an den nordkoreanischen Machthaber übergeben. Der Inhalt wurde zunächst nicht bekannt gegeben.

brk/Reuters/AFP

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