Raketentest in Nordkorea Großbritannien besorgt, USA gelassen

Die USA reagieren zurückhaltend auf den gescheiterten Raketentest Nordkoreas. Mit der Aktion sei zu rechnen gewesen. Andere Staaten zeigen sich besorgt. Südkorea berief den Nationalen Sicherheitsrat ein.


Die britische Regierung verfolge die Situation sehr aufmerksam, erklärte das Außenministerium von Großbritannien am Sonntag in London. Nach dem gescheiterten Raketentest Nordkoreas vom Sonntag forderte der britische Außenminister Boris Johnson das asiatische Land auf, sein Atomwaffenprogramm zu beenden und Uno-Resolutionen zu befolgen, die zur Sicherung von "Frieden und Stabilität" in der Region beschlossen worden seien. Diese untersagen Nordkorea unter anderem den Abschuss ballistischer Raketen.

Nordkorea hatte am Sonntag wie befürchtet eine Rakete getestet, die nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums jedoch unmittelbar nach dem Start explodierte. Der Raketentest erfolgte nur einen Tag nach einer gigantischen Militärparade in Pjöngjang anlässlich des 105. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung und nur wenige Stunden vor der Ankunft von US-Vizepräsident Mike Pence in Südkorea.

USA bleiben gelassen

Die US-Regierung reagierte zurückhaltend auf den jüngsten Raketentest Nordkoreas. Mit dem Test sei zu rechnen gewesen, sagte ein Berater von Vize-Präsident Mike Pence am Sonntag. Er sei nicht überraschend gekommen und ebenso fehlgeschlagen wie der vorherige Test. "Wir müssen nicht mehr Ressourcen dagegen aufwenden", sagte der Berater, der namentlich nicht genannt werden wollte und Pence bei seinem Südkorea-Besuch begleitet. Pence selbst sagte nach seiner Ankunft in Südkorea, dass die Verbindung mit Südkorea nie stärker gewesen sei.

US-Außenminister Rex Tillerson telefonierte der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge wegen des Vorfalls mit der chinesischen Führung. Zum Inhalt des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt. Der Verbündete Nordkoreas hatte das Land zuletzt ermahnt, die Lage nicht weiter eskalieren zu lassen.

Auch Südkorea hat auf das Vorgehen seines Nachbarstaates reagiert. Unmittelbar nach dem gescheiterten Raketentest Nordkoreas hat die Regierung eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates einberufen. Man werde "entschieden" gegen weitere nordkoreanische Provokationen reagieren, hieß es in einer Stellungnahme aus dem Präsidentenamt.

Das südkoreanische Außenministerium hat Nordkoreas gescheiterten Raketentest "scharf verurteilt". Sollte Nordkorea einen weiteren Nukleartest oder anderweitige Provokationen unternehmen, würde man mit "ernsthaften Strafmaßnahmen" reagieren.

Spekulationen über Raketentyp

Welche Art von Rakete Nordkorea genau getestet hat, wird derzeit noch geprüft. Experten spekulieren, dass es sich bei dem Geschoss um eine Mittelstreckenrakete vom Modell KN-15 handeln könnte. Denselben Raketentypus feuerte die nordkoreanische Armee bei einem Test am 5. April von der Küstenstadt Sinpo ab. Das Geschoss flog 60 Kilometer, bevor es im Japanischen Meer versank.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un - ein Enkel Kim Il Sungs - hatte allein im vergangenen Jahr zwei Atomwaffentests vornehmen lassen. Gleichzeitig arbeitet die nordkoreanische Führung an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten. Das stalinistisch geführte Land verstößt damit gegen mehrere Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats.

Seit das US-Militär kürzlich mit Luftschlägen in Syrien und Afghanistan eingegriffen hat, wuchsen Sorgen, Präsident Donald Trump könnte ähnliche Pläne für Nordkorea und dessen Atom- und Raketen-Programm hegen. Nachdem ein US-Flottenverband in die Region geschickt wurde, drohte die Führung in Pjöngjang den USA mit einem Atomschlag.

jme/Reuters/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.