Lage der Menschenrechte Nordkorea nennt US-Kritik "lächerlich"

Pjöngjang hat verärgert auf Kritik aus den USA reagiert. Die Vorwürfe der Menschenrechtsverletzungen seien nur ein Vorwand, um politischen Druck auszuüben.

Kim Jong Un
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Kim Jong Un


Nordkorea hat die Kritik der USA an der Situation der Menschenrechte in dem international isolierten Land als "lächerlich" zurückgewiesen. Der Menschenrechtsbericht der US-Regierung sei "üble Nachrede", erklärte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA.

In dem vergangene Woche veröffentlichten US-Bericht waren dem autoritären Staat "ungeheuerliche Menschenrechtsverletzungen" von öffentlichen Hinrichtungen bis hin zu weitverbreiteter Überwachung vorgeworfen worden. Es gebe außerdem Informationen über zahlreiche Gefangene, die wegen Folter Krankheit und Hunger gestorben seien.

Viele Gefangene sitzen demnach in Arbeitslagern fest. Laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International waren im Jahr 2016 bis zu 120.000 Personen in den Straflagern inhaftiert. Viele von ihnen sind politische Gefangene.

Washington erkläre sich zum "Menschenrechtsrichter", teilte die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA nun mit. "Das ist wirklich lächerlich und erinnert an einen Dieb, der ruft 'haltet den Dieb'." Mit den Anschuldigungen solle ein "Vorwand für politische, militärische und wirtschaftliche Aggression und Druck" geschaffen werden. Nordkorea sei vielmehr die "Wiege des wahren Arbeiterlebens", hieß es.

Menschenrechte bei koreanischem Gipfeltreffen kein Thema

Rund um die Situation der Menschenrechte in Nordkorea hatte vor allem der Fall Otto Warmbier für Streit zwischen Washington und Pjöngjang gesorgt. Der US-Student war als Tourist in Nordkorea festgenommen und zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Ein gutes Jahr später wurde er freigelassen, starb aber kurz darauf in den USA in Folge einer schweren Hirnverletzung. Die USA warfen Nordkorea Folter vor, Pjöngjang wies die Anschuldigungen zurück.

Die Reaktion auf den US-Bericht erfolgte nun wenige Tage vor einem Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In. Bei den Gesprächen am Freitag soll es vorrangig um einen Abbau der militärischen Spannungen zwischen den Nachbarländern gehen, außerdem soll Kim überzeugt werden, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben.

Kim und Moon könnten zudem über Wege zu einem möglichen Friedensabkommen beraten. Seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53) besteht auf der Halbinsel lediglich ein Waffenstillstand, beide Staaten befinden sich offiziell noch immer im Kriegszustand.

Das Thema Menschenrechte soll nach Angaben des südkoreanischen Außenministers Kang Kyung Wha nicht angesprochen werden. Die in den USA ansässige Organisation Human Rights Watch forderte Seoul auf, dies zu "überdenken". Der Gipfel sei "ein wichtiger Moment" für "das seit langem leidende Volk Nordkoreas".

aev/AFP



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