Gespräche zwischen Nord und Süd Koreanische Friedensspiele

Bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea sollen auch Sportler aus dem Norden dabei sein. Die Einigung lässt auf eine Entspannung in der Region hoffen - und Trumps Kriegsrhetorik vorerst ins Leere laufen.

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Panmunjom liegt inmitten der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea. Erst vor wenigen Wochen geriet der Grenzort in die internationalen Nachrichten, als dort ein nordkoreanischer Soldat über die Grenze flüchtete. Fünf Mal trafen ihn Kugeln seiner Kameraden, noch immer wird er im Süden behandelt.

Nun sind genau dort wieder Nordkoreaner über die Grenze gekommen, diesmal in hochoffizieller Absicht. Sie trafen auf der südkoreanischen Seite in einer Baracke mit Regierungsvertretern aus Seoul zusammen. Es ging vordergründig um die Teilnahme nordkoreanischer Sportler an den diesjährigen Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Es sind die ersten innerkoreanischen Gespräche seit zwei Jahren - und ihre Bedeutung reicht über die sportliche Dimension hinaus; sie sind ein tatsächliches Zeichen für eine Entspannung auf der Halbinsel, zumindest ein erster Schritt dorthin.

Bei den Verhandlungen am Dienstag bot der Norden an, eine hochrangige Delegation zu den Spielen zu schicken, die aus Athleten, Vertretern des Nationalen Olympischen Komitees, Künstlern, einer Fangruppe, Beobachtern, einem Taekwondo-Showteam und Journalisten bestehen soll. Südkorea schlug seinerseits vor, die Sportler gemeinsam zum Auftakt ins Stadion einlaufen zu lassen. Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon bot an, für die Zeit der Olympischen Spiele Sanktionen zu lockern.

In den Verhandlungen ging es außerdem um Zusammenführungen von getrennten Familien aus dem Norden und Süden. In einer gemeinsamen Stellungnahme kündigten beide Länder an, sich für eine Reduzierung der militärischen Spannungen einzusetzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Diktator Kim Jong Un während der Spiele mit neuen Atomtests die Weltgemeinschaft provozieren will, ist mit der Teilnahme seiner Sportler deutlich geringer geworden.

Woher die Kehrtwende?

Vor wenigen Wochen sah es noch ganz anders aus. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In hatte dem Nachbarland angeboten, an dem Sportevent teilzunehmen, doch Kim nahm die Einladung nicht an. Zwar hatten sich die Eiskunstlauf-Paarläufer Ryom Tae Ok und Kim Ju Sik sportlich qualifiziert; die Anmeldefrist ließ das Regime jedoch verstreichen. Stattdessen schien der Streit mit den USA eine friedliche Lösung des Koreakonflikts fast unmöglich zu machen.

Nordkorea - Die Chronik des Konflikts

Doch in seiner Neujahrsansprache wetterte Diktator Kim zwar wieder gegen die seiner Meinung nach feindliche amerikanische Übermacht, er schlug unerwartet aber auch die Sportlerteilnahme in Pyeongchang vor. Woher die Kehrtwende kommt, ist nicht eindeutig zu sagen. Vermutlich kommen drei Aspekte zusammen:

  • Die Sanktionen gegen das Regime, die zuletzt im Dezember vom Uno-Sicherheitsrat noch einmal verschärft wurden, scheinen das Regime tatsächlich in Bedrängnis zu bringen. Zwar wird China vorgeworfen, Nordkorea trotz Strafmaßnahmen weiter Öl zu liefern. US-Außenminister Rex Tillerson behauptete aber, die legalen Einnahmen Nordkoreas seien mehr als deutlich zurückgegangen.
  • In Südkorea ist mit dem linksliberalen Moon ein Präsident an der Macht, der von Anfang an den Kontakt zum Regime im Norden gesucht hat. Viele Südkoreaner wünschen sich Umfragen zufolge eine Aussöhnung mit dem Norden. Dem stand seine Vorgängerin Park Geun Hye mit einem konfrontativen Kurs noch entgegen.
  • Die Gespräche mit dem Süden lassen US-Präsident Donald Trump relativ machtlos dastehen. Er sprach sich immer wieder gegen eine Annäherung aus, solange Kim nicht auf sein Atommachtstreben verzichtet. Das war bei den Olympia-Gesprächen nun aber gar kein Thema.

Treibt Kim so einen Keil zwischen Seoul und Washington? Ein Sprecher des US-Außenministeriums ließ wissen, dass die Trump-Regierung die innerkoreanischen Gespräche begrüße. Eine andere Möglichkeit bleibt ihr allerdings auch kaum; verurteilen sie das Entgegenkommen, könnte sich Südkorea noch weiter entfernen und das nordkoreanische Narrativ - die USA als wahrer Kriegstreiber - würde bestätigt. Das rationale Kalkül der nordkoreanischen Regierung scheint aufzugehen.

Wirklich freuen kann sich am Ende wieder China. Der wichtigste Verbündete Nordkoreas will den Kollaps des Regimes verhindern; noch wichtiger aber ist der Regierung in Peking, dass die USA in der Region nicht weiter an Macht gewinnen.

insgesamt 13 Beiträge
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ww3 09.01.2018
1. Dass ganze kann 3 Ursachen haben...
...1) "Little Rocket Man" ist zur Vernunft gekommen, eher unwahrscheinlich... bleiben noch 2) "Little Rocket Man" hat erreicht was er wollte und hat seine Atombombe 3) Trump hat es geschafft, den Chinesen Druck zu machen...
zoon.politicon 09.01.2018
2.
Vielleicht führt auch die aussenpolitische Schwäche der USA bei Trumps Präsidentschaft und die gemeinsame Angst aller Koreaner, die USA könnte einen Krieg in Korea anzetteln, zu dieser Annäherung. So könnte Trumps Kriegsrethorik das Gegenteil von dem bewirken, was Trump will, nämlich ein Zusammenrücken von Nord- und Südkorea.
hugahuga 09.01.2018
3.
Wie schon des öfteren vermutet: Liesse man die Koreaner unter sich das aushandeln, was auszuhandeln ist, dann gäbe es sicher auch ein Licht am Ende des Tunnels. Nun - die Gespräche sind erst einmal wieder aufgenommen worden, was auf jeden Fall ein Fortschritt ist. Natürlich müssen die Amis jetzt erst einmal gute Miene machen - aber letztlich wird sich herausstellen, dass sie es sind, die der weiteren Annäherung beider Korea im Wege stehen werden. Ganz allein deshalb, weil sie in letzter Konsequenz ihre Militärbasen in Südkorea würden aufgeben müssen. Deshalb ist zu erwarten, dass das - vorerst verschobene Frühjahrs-Militärmanöver - um so energischer angegangen werden wird. Was sicher nicht geschehen wird, ist, dass die Nordkoreaner den Besitz der A-waffen aufgeben wserden, denn das wäre gleichbedeutend mit Selbstmord. Man sieht nach Iran und verhält sich entsprechend.
hugahuga 09.01.2018
4.
"Viele Südkoreaner wünschen sich Umfragen zufolge eine Aussöhnung mit dem Norden." Das und nur das sollte den Asschlag geben. Nicht das, was die US Amerikaner an der koreanischen Halbinsel interessiert. Es ist allein die Sache der Koreaner einen gangbaren Wweg zu finden und sollten sie Hilfe von aussen benötigen, dann werden sie sich sicher melden. Also - nicht von aussen störend eingreifen.
spiegkom 09.01.2018
5. Fakten verdrehen
"- und Trumps Kriegsrhetorik vorerst ins Leere laufen" Du meine Güte, wie man die Fakten verdrehen kann. Trumps Kriegsrethorik war immer nur eine Antowrt auf Nordkoreas Kriegsrethorik. Man kann es auch anders deuten: Weil Trump immer scharf geantwortet hat, kommt man in Nordkorea langsam zu gewissen Einsichten.
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