Bericht aus China Nordkoreanisches Nuklear-Testgebiet soll schwer beschädigt sein

Was steckt hinter dem Zugeständnis Nordkoreas, seine Atomtests vorerst auszusetzen? Chinesische Geologen sagen: In einem der wichtigsten Areale wären diese zurzeit ohnehin nicht möglich.

Erdbebengebiet nahe Mantapsan in Nordkorea
AP

Erdbebengebiet nahe Mantapsan in Nordkorea


Vor dem gesamtkoreanischen Friedensgipfel am Freitag hatte eine Nachricht auf ein Entgegenkommen des nordkoreanischen Regimes im Friedensprozess hoffen lassen: Machthaber Kim Jong Un verkündete, seine Atomtests vorerst auszusetzen. Zu der Entscheidung könnte allerdings ein bislang unbekannter Faktor entscheidend beigetragen haben: Chinesischen Geologen zufolge ist in einem der wichtigsten Testgebiete Nordkoreas ein Berg instabil geworden und zum Teil kollabiert.

Damit seien weitere Tests zu unsicher, folgern die Geologen. Zudem müsse nun untersucht werden, ob in dem Areal radioaktive Strahlung ausgetreten sei. Die Ergebnisse der chinesischen Wissenschaftler sollen vom Fachmagazin "Geophysical Research Letters" veröffentlicht werden. Ursächlich für den Kollaps könnte der große Nukleartest im September gewesen sein. Chinesische Behörden haben bislang keine erhöhte Strahlung im Grenzbereich zu Nordkorea festgestellt.

Nach dem Test im September hatten die Wissenschaftler deutliche Erdbeben aufgezeichnet. Die hätten nicht nur den Berg Mantapsan betroffen, sondern auch noch zu weiteren ähnlichen Vorfällen in der Region geführt. Eines der Erdbeben soll achteinhalb Minuten lang angehalten haben. Es war der stärkste Test des Regimes bisher.

Ausweichmöglichkeiten für Tests

Es gibt aber auch Zweifel an der Darstellung. Jeffrey Lewis vom kalifornischen Middlebury Institute of Strategic Studies etwa schrieb bei Twitter, der Berg Mantap auf dem Testgelände im Nordosten des Landes sei "nicht eingestürzt und es gibt keinen Beweis, dass er unbenutzbar ist". Selbst wenn Teile des für Atomtests genutzten Tunnelsystems in dem Berg eingestürzt seien, gebe es Ausweichmöglichkeiten in anderen Bergen. Kim habe wegen der Gipfeltreffen eingewilligt, die Atomtests auszusetzen, "nicht weil sein nuklearer Testberg kollabiert ist", erklärte Lewis.

Auch die renommierte Website "38 North" zweifelte an dem Bericht der Chinesen. Es gebe keine Basis für die Schlussfolgerung, dass das Testgelände nicht länger für Atomtest zu gebrauchen sei, hieß es auf der Website.

Versöhnliche Töne aus Washington

Bei dem anstehenden Treffen mit Machthaber Kim wollen sich der südkoreanische Präsident Moon Jae In und der japanische Premier Shinzo Abe geschlossen zeigen - und gemeinsam Druck auf Kim ausüben, damit Nordkorea sein Nuklearwaffenprogramm vollständig beendet. Wie der Vorsitzende des Vorbereitungskomitees, Im Jong Seok, berichtete, ist noch unklar, mit welcher Art von Vereinbarung das Treffen enden wird. Bei der Entnuklearisierung sei es schwer vorherzusagen, auf welcher Ebene eine Einigung erreicht werden könne.

Dem offiziellen Plan zufolge wird Moon den nordkoreanischen Diktator am Freitag gegen 02.30 Uhr (MESZ) in Empfang nehmen, wenn dieser eine militärische Demarkationslinie zum Süden überschreitet. Von dort aus werden die beiden Staatsoberhäupter von der südkoreanischen Ehrengarde in den Grenzort Panmunjom geleitet.

Dem Treffen zwischen Moon und Kim soll im Mai oder im Juni noch ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator folgen. Auch deshalb sind die Töne aus Washington zuletzt deutlich versöhnlicher geworden.

vks/dpa/AFP



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