Flughafen für Pjöngjang Kim lässt neue Landebahn bauen - von Hand

In aller Eile will Nordkoreas Diktator Kim Jong Un sein Land attraktiver für Touristen machen - deren Geld kann der arme Staat gut brauchen. Da soll ein neuer Großflughafen helfen, Tausende Arbeiter schuften in "Korea-Geschwindigkeit".

Von Christoph Asche

AP

Hamburg - Sie tragen olivfarbene Uniformen, haben einfachste Werkzeuge bei sich, knien in einer gigantischen Betonlandschaft. Tausende Soldaten arbeiten derzeit am neuen Wunschprojekt von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un: dem Ausbau des Hauptstadtflughafens in Pjöngjang. Das berichtet ein Journalist der Nachrichtenagentur AP, dessen Aufnahmen tatsächlich die Fertigstellung einer neuen Fluglandebahn zu zeigen scheinen.

Auf den Bildern sind zahlreiche Wachleute zu sehen, die die Arbeiter kontrollieren und ihnen Anweisungen zu geben scheinen. Laut AP sind "riesige Schilder" an der Baustelle angebracht, die die Arbeiter auffordern, in "Korea-Geschwindigkeit" zu arbeiten.

Ein Großteil des modernisierten Flughafens sei bereits fertig, nur noch die neue Landebahn sowie Entwässerungskanäle seien noch nicht komplett. Schon im Sommer hatte Diktator Kim stolz den Rohbau eines Terminals besichtigt. Nun steht der Airport möglicherweise schon bald vor der Fertigstellung.

Dafür zieht das Regime alle Register, wie der AP-Mitarbeiter berichtet. Aus Lautsprechern dröhne auf der Baustelle patriotische Musik, die die Arbeiter vermutlich motivieren soll. Der Bau sei "die jüngste der sogenannten Tempo-Aktionen" Nordkoreas, um das politisch isolierte Land attraktiver für Touristen zu machen.

"Das Land muss Geld verdienen. Der Tourismus ist ein Weg, das zu erreichen", sagte Rüdiger Frank SPIEGEL ONLINE. Der Ostasien-Experte der Universität Wien war selbst bereits mehrfach in Nordkorea. Er beobachtet den Flughafenausbau in Pjöngjang genau. Für ihn ist er "die logische Konsequenz der jüngsten Öffnung des Landes gegenüber Besuchern".

Kim Jong Un will Nordkorea für Besucher öffnen

Tatsächlich bemüht sich Machthaber Kim seit Jahren, sein für Lebensmittelnöte und Atomprogramme verrufenes Land für ausgewählte Gäste zu öffnen. Zahlungskräftige Besucher könnte der isolierte und von Sanktionen gebeutelte Staat gut brauchen. Im vergangenen Jahr eröffnete Kim im Osten des Landes sogar ein Luxus-Skiresort mit Seilbahnen und modernen Hotels.

Kernstück dieser neuen Touristen-Taktik dürfte der Hauptstadtflughafen werden. Bisher gab es lediglich ein provisorisches Terminal in der Größe einer Lagerhalle. Darin: ein Gepäckband, ein winziger Duty-free-Shop und ein Souvenirladen. Bislang fliegen nur wenige ausländische Airlines Pjöngjang an, die meisten kommen aus China, wenige aus Russland. Mit dem Umbauarbeiten soll nun alles anders werden.

Bis vor einigen Jahren warb das völlig verarmte Nordkorea hauptsächlich um chinesische Investoren, von denen viele Interesse an den riesigen Rohstoffvorkommen im Land haben. Für viele Chinesen sei ein Besuch in Nordkorea zudem so etwas wie eine Art Statussymbol, sagt Frank. Jetzt wirbt Kim auch um westliche Besucher. Eine Million Gäste pro Jahr sollen künftig ins Land einreisen dürfen - gern auch Europäer und Amerikaner. Eine absurd hohe Zahl, bisher dürften die Besucherzahlen eher im Tausenderbereich liegen.

Ob eines Tages einmal so viele Touristen kommen, ist angesichts Nordkoreas Umgang mit einigen Besuchern zweifelhaft - schicker Flughafen hin oder her. Erst kürzlich hat das kommunistische Regime den seit fünf Monaten gefangenen US-Bürger Jeffrey Fowle freigelassen. Fowle hatte während eines Aufenthalts in einem Hotel seine Bibel zurückgelassen - nach Ansicht der nordkoreanischen Regierung eine feindselige Handlung. Zudem sollen die Grenzen für ausländische Touristen von Freitag an ohnehin erst einmal geschlossen bleiben. Nach Angaben einer chinesischen Reiseagentur will Nordkorea zum Schutz vor Ebola ausländische Besucher vorerst nicht ins Land lassen. Aus Pjöngjang gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

Mit Material von AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
sound67 23.10.2014
1. Wird bestimmt schneller fertig als der BER!
Man sollte den demnächst arbeitslosen Party-Bürgermeister Klaus Wowereit als Spion in Nordkorea einschleusen, um die Fertigstellung des Flughafens auf Jahrzehnte zu verhindern!
Joshua Philgarlic 23.10.2014
2.
Die sind schneller fertig als der Flughafen in Berlin, wetten ;) ?
caronaborealis 23.10.2014
3.
Deutschland sollte eine Delegation dahin schicken um zu lernen wie man einen Flughafen baut.
bloub 23.10.2014
4.
sieht aus, als wenn die kleinere unebenheiten beseitigen. ist jetzt nicht ungewöhnlich, das per hand zu machen.
ruediger 23.10.2014
5.
Ich bin sicher der Flughafen geht in Pjöngjang in Betrieb bevor wir überhaupt wissen wann BER dass tut. Und das alte Terminal in Pjöngjang mag kein Schmuckstück sein, aber für die Passagiere ist es effektiver als das Gegenstück in Frankfurt und München: Man läuft nicht 20 Minuten vom Flieger durch irgendwelche Shops, die eigentlich kein Fluggast braucht zum Auto (und wartet auch keine halbe Stunde auf's Gepäck).
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