US-Außenminister in Pjöngjang Nordkorea nennt Atomgespräche "bedauerlich"

US-Außenminister Pompeo und Geheimdienstchef Kim haben sich zum "klärenden Gespräch" über Nordkoreas atomare Abrüstung getroffen. War das ein Erfolg? Das sehen beide Seiten ganz verschieden.

Mike Pompeo und Kim Yong Chol
REUTERS

Mike Pompeo und Kim Yong Chol


War es nun ein Erfolg oder war es keiner? US-Außenminister Mike Pompeo hatte sich am Samstag in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang mit Geheimdienstchef Kim Yong Chol getroffen, um eine mögliche atomare Abrüstung Nordkoreas zu besprechen.

Das Ziel war es, die von US-Präsident Donald Trump und Machthaber Kim Jong Un ausgehandelte Übereinkunft zur nuklearen Entwaffnung zu konkretisieren.

Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA teilte mit, "die Entschlossenheit zur nuklearen Abrüstung" könne nach den Gesprächen mit Pompeo "ins Wanken geraten". Und: Die Gespräche seien "bedauerlich" verlaufen.

US-Außenminister Pompeo und General Kim Yong Chol am Verhandlungstisch
DPA

US-Außenminister Pompeo und General Kim Yong Chol am Verhandlungstisch

Laut südkoreanischer Nachrichtenagentur Yonhap erklärte das Außenministerium Nordkoreas, die US-Delegation habe eine "extrem bedauerliche" Haltung gezeigt und bei den Unterredungen am Freitag und Samstag "gierige Forderungen" gestellt.

Die Aussagen stehen im Widerspruch zu einem ersten Statement der US-amerikanischen Delegation. Diese hatte erklärt, man habe Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung des Landes erzielt, ohne Einzelheiten zu nennen. Die Rede war von Arbeitsgruppen, die eingesetzt worden seien und die die Details etwa zur Überprüfung der Schritte zur Denuklearisierung ausarbeiten sollten.

Nordkoreas Machthaber Kim hatte im Juni bei einem historischen Gipfeltreffen mit US-Präsident Trump die vollständige Denuklearisierung seines Landes zugesagt. Genauere Definitionen, ein Zeitplan oder Kontrollmaßnahmen wurden jedoch nicht genannt, weshalb die Vereinbarung als zu vage kritisiert wurde.

cht/AP/Reuters/AFP

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matijas 07.07.2018
1. gute Basis
Mitten im Trump-Jubel über den "großartigen" Deal am 13.06. hatte ich geschrieben: Beide haben jetzt schon mal eine Basis geschaffen, den anderen künftig als Falschspieler "entlarven" zu können. Die vagen Absichtserklärungen bieten dazu alle Möglichkeiten. Und genau so wird es weitergehen.
ollydk 07.07.2018
2. Wer sagt die Wahrheit?
Ich möchte Nordkorea hier auch nicht zu sehr über den Weg trauen, allerdings passt das Attribut "gierig" doch sehr gut zur Trump-Administration. Von daher möchte ich die glaubwürdige Aussage hier doch eher auf Seiten Nordkoreas sehen.
Atheist_Crusader 07.07.2018
3.
Der bedauerliche Part aus Sicht Nordkoreas war wahrscheinlich, dass die USA feste Zusagen, feste Zeitpläne und Möglichkeiten zur Überprüfung wollten die man nicht zu geben bereit war. Das würde sich zumindest mit den Einschätzung zahlloser Nordkorea-Experten decken. Aber wer braucht die schon, wenn es sich für die kameras zu inszenieren und Gedenkmünzen zu vermarkten gilt?
bigroyaleddi 07.07.2018
4. Meine Skepsis
hier am 12.6. geschrieben, hat sich definitiv bestätigt. Das wird nichts. Außer großem Trumgequatsche mit szenewirksamem Schulterklopfen kommt da nichts. Meines Erachtens wird das auch nichts. Dieser Präsident, welcher glaubt, alles und jeden dealmäßig in seine Tasche stecken zu können, ist bei diesem genauso merkwürdigen Diktator voll auf Grund gelaufen. Eine Lösung habe ich nicht anzubieten. Das müssen die POTUS-Schergen schon selber besorgen.
dwg 07.07.2018
5. Nicht wirklich überraschend...
Angesichts - vorsichtig formuliert - der Skepsis der Trump Administration gegenüber Erfahrung und Expertise mögen hier auch einfach kulturelle Differenzen eine entscheidende Rolle spielen. So findet das unkonditionierte "Nein" in traditionellen asiatischen Gesellschaften praktisch nicht statt und wird gerne durch ein dann wortreich eingeschränktes "Ja" ersetzt. Selbst ein "Ja, aber" hört man kaum und ein "that can become difficult" heißt übersetzt "never ever in my lifetime". Ist es überhaupt möglich mit und insbesondere zwischen Autokraten, die sich nur mit Lakaien und Claqueuren umgeben, diplomatische Vereinbarungen zu treffen?
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