Erkenntnisse der US-Geheimdienste Nordkorea produziert offenbar wieder Plutonium

Nordkoreas Regime hat nach Geheimdiensterkenntnissen der USA den Atomreaktor Yongbyon wieder hochgefahren. In wenigen Monaten könne Pjöngjang waffenfähiges Plutonium herstellen.

Atomkomplex Yongbyon: "Eine ernsthafte Bedrohung von US-Interessen"
REUTERS

Atomkomplex Yongbyon: "Eine ernsthafte Bedrohung von US-Interessen"


Das Regime in Nordkorea hat nach Erkenntnissen der US-Geheimdienste beschlossen, eine Atomrakete zu entwickeln, mit der die USA direkt bedroht werden soll. Das sagte US-Geheimdienstkoordinator James Clapper vor dem Kongress in Washington.

Zu diesem Zweck habe Diktator Kim Jong Un den Atomreaktor Yongbyon wieder hochgefahren. "Wir gehen davon aus, dass Nordkorea seinen Reaktor hinreichend lange betreibt, um in den kommenden Wochen oder Monaten das Plutonium zu gewinnen", heißt es in Clappers Jahresbericht zur weltweiten Gefahrenlage.

Die von Nordkorea vorgesehene Trägerrakete vom Typ KN-08 sei bereits in der Öffentlichkeit vorgeführt, aber noch nicht im Flug getestet worden.

Clapper ist der wichtigste Berater von US-Präsident Barack Obama in Geheimdienstfragen. Er kommt in seinem Bericht zu der Einschätzung, dass Nordkorea nach den jüngsten Tests "eine ernsthafte Bedrohung von US-Interessen" darstelle.

Die Staatsführung Nordkoreas hatte den Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, im Dezember 2002 enthüllt. Einige Jahre später wurde der Reaktorkomplex wieder dichtgemacht. Im Sommer 2013 zeigten aber Satellitenfotos, dass Nordkorea die Atomanlage wieder hochgefahren hatte. In Yongbyon können nach Experteneinschätzung bei voller Auslastung sechs Kilogramm Plutonium pro Jahr produziert werden - was für eine Atombombe ausreichen würde.

Obama sprach am Montag in zwei getrennten Telefonaten mit der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye und dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe über weitere Sanktionsmöglichkeiten gegen Nordkorea. Obama sei sich mit Abe und Park darüber einig, dass es eine "starke und einige internationale Antwort auf die Provokationen Nordkoreas" geben müsse, teilte das Weiße Haus mit.

Nach dem jüngsten nordkoreanischen Raketentest am Sonntag plant das US-Militär die Stationierung eines Raketenabwehrsystems in Südkorea. Eine Einheit des mobilen THAAD-Systems solle "so schnell wie möglich" nach Südkorea verlegt werden, sagte Pentagon-Sprecher Peter Cook. Das System feuert Abfangraketen ab, die feindliche Geschosse in der Luft zerstören. China lehnt die Stationierung des Waffensystems auf der koreanischen Halbinsel ab.

Der Atomreaktor Yongbyon befindet sich in der wichtigsten Atomanlage Nordkoreas. Nach Expertenangaben besteht der Komplex rund hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Pjöngjang aus einem fünf Megawatt starken Forschungsreaktor sowie Zentren zur Aufbereitung von Plutonium und Brennstäben.

In Yongbyon wurde Plutonium hergestellt, das Nordkorea für seinen ersten Atomwaffentest im Oktober 2006 nutzte. Im Zuge von Verhandlungen über das Ende seines Atomprogramms sicherte Pjöngjang 2007 zu, die Plutonium produzierende Anlage abzuschalten.

syd/AFP/AP



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