Nordkorea-Konflikt Russland mahnt USA zur Zurückhaltung

Nach dem neuen Raketentest in Nordkorea verkünden die USA das Ende ihrer "strategischen Geduld". Russland warnt vor einem Alleingang der Amerikaner. Moskau und Peking entsenden Kriegsschiffe in die Region.

Sergej Lawrow (im März 2017)
AP

Sergej Lawrow (im März 2017)


Russland warnt die USA vor einem militärischen Eingreifen gegen Nordkorea. "Ich hoffe, dass es keine einseitigen Schritte der USA wie in Syrien geben wird", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Er betonte, dass US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf versprochen habe, militärische Interventionen zu unterlassen.

Im kommunistischen Nordkorea arbeitet die Führung weiter an ihrem Atomprogramm, auch wenn ein Raketentest am Ostersonntag gescheitert ist. Trump hat angekündigt, die Aufrüstung zu verhindern. Wenn die USA im Alleingang Gewalt einsetzen wollten, sei das "ein sehr riskanter Weg", sagte Lawrow der Agentur Interfax zufolge. Moskau verurteile aber auch das Verhalten Nordkoreas.

China und Russland schicken Schiffe Richtung Nordkorea

Zuvor hatten die USA Nordkorea vor neuen Provokationen oder gar einem Angriff gewarnt. Die Zeit der Geduld sei vorbei und die USA würden "jeden Einsatz konventioneller oder atomarer Waffen mit einer überwältigenden und effektiven Antwort" zurückschlagen, sagte US-Vizepräsident Mike Pence in Seoul.

Der Sicherheitsberater von Trump, Herbert Raymond McMaster, nannte den Raketentest einen neuen Beweis für Nordkoreas "destabilisierendes und bedrohliches" Verhalten. "Das ist eine Situation, die nicht weitergehen kann", sagte er dem Sender ABC.

Um den Druck auf Nordkorea zu erhöhen, entsandten die USA als Demonstration militärischer Stärke bereits Anfang April einen Flottenverband mit dem US-Flugzeugträger "USS Carl Vinson" in Gewässer nahe der koreanischen Halbinsel. Laut einem Medienbericht haben nun auch China und Russland Militärschiffe in die Region geschickt - offenbar um das Vorgehen der USA zu beobachten.

Auch China mahnt zur Zurückhaltung

Ungeachtet des Fehlschlags löste der neue Raketentest Nordkoreas nur wenige Stunden vor dem Eintreffen des US-Vizepräsidenten in Südkorea am Sonntag weltweit Empörung aus. Uno-Resolutionen untersagen Nordkorea den Abschuss ballistischer Raketen.

Der große Nachbar China warnte vor einer "sehr heiklen und gefährlichen Lage" und rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe mahnte diplomatische Bemühungen sowie Druck an, um Nordkorea zu einem ernsthaften Dialog zu bewegen. Er bestätigte, dass Tokio an Krisenplänen für eine Evakuierung der schätzungsweise 57.000 Japaner in Südkorea arbeitet.

Seit 1992 arbeiteten die USA und ihre Verbündeten an einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel. Die koreanische Führung strebt dagegen trotz internationaler Ächtung den Bau von Atomwaffen und Raketen mit großer Reichweite an.

jme/dpa



insgesamt 257 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
radamriese 17.04.2017
1. Usa wieder am Kriegsweg
schlimm.
Meckerameise 17.04.2017
2.
Wenn China und auch Russland so bedacht wären, die Lage nicht eskalieren zu lassen, sollten sie vielleicht auch mal Kontakt zu Nordkorea aufnehmen. Es reicht irgendwann nicht mehr, denjenigen zur Besonnenheit aufzurufen, dessen Sitz im Flugzeug permanent von der Blage dahinter getreten wird. Irgendwann sollte man auch dem Kind eindeutig klar machen, dass er damit langsam aufhören sollte.
Jimbofeider 1 17.04.2017
3. Spitze
Das sieht jetzt aber gar nicht gut aus, offensichtlich sind alle Protagonisten bereit den Konflikt auf die Spitze zu treiben und es drauf ankommen zu lassen. Das undenkbare rückt immer mehr ins Wahrscheinliche, hoffentlich siegt am Ende des Tages doch noch die Vernunft.
tailspin 17.04.2017
4. Es ist ganz einfach
Wenn die Chinesen es schaffen, ihren aufsaessigen Pudel wieder einzufangen, dann ist jeder happy (ausser Kim natuerlich). Die Motivation dafuer ist gegeben. China hat inzwischen wirtschaftlich und ideologisch mehr mit Suedkorea gmeinsam als mit dem Norden. Diesesmal gibts auch keine weiteren Konzession oder Hilfslieferungen von Seiten der USA an Nordkorea bei Fuegsamkeit. Der kleine Dicke muss aus reiner Freundlichkeit nachgeben. Er hat vielleicht eine Woche Zeit, wobei Trump darueber keine definitive Ansage macht. Wir wissen nur, dass Trump nicht geduldig ist und Gruende zum Eingreifen lax handhabt. Euphemistische Spekulationen ueber eine kinetische Bewegung machen derzeit die Runde. Andererseits, wenn es Kim il Jong nicht gaebe, muesste man ihn erfinden. Auswelchem Grund sollte die 7. US Flotte sonst in den Gewaessern des Gelben Meeres rumschwimmen? Um China, den groessten Kreditgeber der USA, zu bedrohen?
demiurg666 17.04.2017
5. @1
Ja, die pösen Purschen aus Amerika. Nordkorea macht ja nichts pöses, sondern nur ein bisschen Feuerwerk...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.