Vor Olympia Nordkorea sagt Kulturveranstaltung mit Südkorea ab

Rückschlag auf der koreanischen Halbinsel? Vor Olympia wollten Nord- und Südkorea ein Kulturprogramm abhalten. Der Norden hat das jetzt abgesagt - wegen "diffamierender" südkoreanischer Medienberichte.

Sonnenuntergang im olympischen Gelände
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Sonnenuntergang im olympischen Gelände


Nordkorea hat überraschend eine geplante gemeinsame Kulturveranstaltung mit Südkorea zur Feier der bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) abgesagt. Die nordkoreanische Seite habe südkoreanischen Medien vorgeworfen, voreingenommen und diffamierend über Nordkoreas "ernsthafte" Maßnahmen für die Winterspiele berichtet zu haben. Das sagte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul.

Auch habe Nordkorea an südkoreanischen Berichten über "interne Veranstaltungen" im Norden Anstoß genommen. Um welche Medienberichte es sich handelte, gab Nordkorea in seiner Mitteilung nicht bekannt. Zuletzt gab es in Südkorea allerdings in den Medien kritisch begleitete Hinweise auf eine große Militärparade im Norden am 8. Februar, mit der die kommunistische Führung den 70. Gründungstag der Streitkräfte feiern wolle. Die Parade würde einen Tag vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele durchgeführt.

Beide Länder hatten sich zuletzt nach langer Funkstille wieder angenähert. Als Teil ihrer Vereinbarungen sollten nord- und südkoreanische Athleten bei den Winterspielen unter einer gesamtkoreanischen Flagge ins Stadion einlaufen und auch bei Wettbewerben teilweise gemeinsam antreten - so zum Beispiel mit einer gemischten Frauen-Eishockeymannschaft. Die nordkoreanischen Athletinnen sind für gemeinsame Trainingseinheiten bereits in Südkorea eingetroffen.

Südkorea bedauert die Absage

Neben der Teilnahme nordkoreanischer Sportler gehörte unter anderem auch eine vor-olympische kulturelle Darbietung am 4. Februar im Kumgang-Gebirge an der Ostküste Nordkoreas zu der Vereinbarung.

Die jetzige Absage sei bedauerlich, teilte das Vereinigungsministerium mit. Nordkorea sollte sich an die Abmachung halten. In Südkorea hatte es zuletzt die Befürchtung gegeben, die jüngsten Abmachungen mit Nordkorea könnten dazu führen, dass internationale Sanktionen gegen Pjöngjang, die wegen seines Atomprogramms verhängt wurden, verletzt werden.

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Die Annäherungsversuche der verfeindeten Nationen in diesem Monat folgen einem Jahr, in dem sich die Situation auf der koreanischen Halbinsel weiter verschärft hat. Nordkorea setzte sein Raketenprogramm fort und führte außerdem seinen bisher größten Atomtest durch. Die Uno reagierte wiederholt mit Sanktionen, die verbalen Auseinandersetzungen zwischen Nordkoreas Diktator Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump eskalierten.

Erst in seiner Neujahrsansprache hatte sich Kim versöhnlich gegenüber dem Süden gezeigt und die Teilnahme an den Winterspielen angedeutet. Erstmals seit Jahren kam es wieder zu Treffen zwischen hochrangigen Vertreter beider Nationen - sowohl in Südkorea als auch im Norden. Viele Beobachter befürchten allerdings, dass Nordkorea die verbesserten Beziehungen mit Südkorea dafür nutzen möchte, den von den USA angeführten Druck auf die isolierte Nation abzuschwächen.

aev/dpa

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