Konzert für Nordkoreas Funktionäre Samjiyon-Orchester spielt verbotene Lieder aus dem Süden

Parteifunktionäre kamen in Pjöngjang zu einem seltenen Genuss: Das gerade von den Winterspielen zurückgekehrte Samjiyon-Orchester spielte Songs aus Südkorea. K-Pop war im Norden bislang verboten.

Nordkoreanisches Samjiyon-Orchester (beim Konzert in Seoul)
REUTERS/ KCNA

Nordkoreanisches Samjiyon-Orchester (beim Konzert in Seoul)


In Nordkorea sind zum ersten Mal seit Jahren südkoreanische Lieder öffentlich aufgeführt worden. Ein nordkoreanisches Ensemble habe am Freitag bei einem Konzert vor Parteifunktionären und Künstlern in Pjöngjang "mehrere südkoreanische Lieder" gespielt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Das Samjiyon-Orchester war zuvor von zwei Konzerten in Südkorea zurückgekehrt. Anlässlich der Olympischen Winterspiele war es in Gangneung bei Pyeongchang und in der Hauptstadt Seoul aufgetreten.

In Nordkorea ist der südkoreanischer K-Pop normalerweise verboten. Das Samjiyon-Orchester hatte bei den Auftritten in Südkorea alte koreanische Volkslieder und südkoreanische Popmusik gespielt. Das Interesse an den Konzerten war riesig: Für das Konzert in Seoul gab es tausend Eintrittskarten - und fast 120.000 Interessenten.

Kim Yo Jong und Südkoreas Präsident Moon Jae In beim
AP

Kim Yo Jong und Südkoreas Präsident Moon Jae In beim

Nord- und Südkorea bemühen sich seit Jahresbeginn um eine Annäherung. Die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang gilt als wichtiges Zeichen der Entspannung.

Die kommunistische Regierung in Pjöngjang hatte neben Sportlern und einer Cheerleader-Truppe auch Künstler und eine hochrangige Delegation nach Südkorea geschickt. Die Delegation war von der Schwester von Machthaber Kim Jong Un und dem protokollarischen Statsoberhaupt Kim Yong Nam angeführt worden. Kims Schwester Kim Yo Jong überreichte dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In eine Einladung ihres Bruders. (Eine ausführliche Analyse der diplomatischen Offensive aus Pjöngjang lesen Sie hier.)

Kim Jong Un setzt seinen Annäherungskurs zum Nachbarland Südkorea fort. Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldet, der Machthaber habe Südkorea nach der Rückkehr seiner Schwester und anderer ranghoher Regierungsvertreter von den Olympischen Winterspielen seinen "Dank ausgedrückt".

Kim habe den Bericht der Heimkehrer zufrieden zur Kenntnis genommen und gesagt, dass "der Süden, der Nordkoreas Delegation einen besonderen Empfang bereitet hat, sehr beeindruckend war". Er wolle die Annäherung weiter ausbauen. Ihm sei an "weiteren guten Ergebnissen" gelegen, da es für ihn wichtig sei, "das gute Klima der Versöhnung und des Dialogs weiter zu beleben".

In den Monaten zuvor hatte sich der Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm verschärft. Die Führung in Pjöngjang verstieß mit Raketen- und Atomtests wiederholt gegen Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats, dieser reagierte mit neuen Sanktionen.

Offiziell befinden sich Nord- und Südkorea weiterhin im Kriegszustand. Kim Yo Jong war das erste Mitglied der Kim-Dynastie, das Südkorea seit dem Waffenstillstand von 1953 besuchte.

oka/AFP

insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
AndreasKurtz 17.02.2018
1. Liberaler als der Süden,
denn in Südkorea ist Musik aus dem Norden, sind Bücher aus dem Norden, ist alles aus dem Norden verboten. Ein weiteres kleines Zeichen dafür, dass es der Norden ernst meint mit Korea, aber sich nichts von den USA diktieren lassen will. Mal sehen, wie weit der Süden es sich zutraut, da mitzugehen bevor er von den USA zurückgepfiffen wird.
mwroer 17.02.2018
2.
Zitat von AndreasKurtzdenn in Südkorea ist Musik aus dem Norden, sind Bücher aus dem Norden, ist alles aus dem Norden verboten. Ein weiteres kleines Zeichen dafür, dass es der Norden ernst meint mit Korea, aber sich nichts von den USA diktieren lassen will. Mal sehen, wie weit der Süden es sich zutraut, da mitzugehen bevor er von den USA zurückgepfiffen wird.
Wie kommen Sie auf die Idee? Es sind einige Werke in Süd-Korea verboten aber das bezieht sich explizit auf einzelne Künstler und, soweit ich richtig informiert bin, auch nur für einige die den Süden in Richtung Norden verlassen haben. Irgendwann 1948 oder so ... Ob dieses Verbot überhaupt noch gilt weiß ich nicht mal sicher, nur dass es bestanden hat. Dass das Angebot an Kultur aus Nord-Korea sehr überschaubar ist, dürfte eher an den Exportbestimmungen liegen.
fx33 17.02.2018
3. Auf jeden Fall...
Auf jeden Fall spielt Kim Yong Un verdammt gut auf der diplomatischen Klaviatur. Mit seiner Charmeoffensive kommt er dem Wunsch Südkoreas nach Annäherung und Frieden auf der Halbinsel entgegen. Gleichzeitig provoziert er die USA zu immer neuen Sanktionen, die die Südkoreaner aber irgendwann nicht mehr mittragen werden wollen, um den Annäherungsprozess nicht zu gefährden. Das ist ein intelligentes Spiel, das Kim Yong Un da spielt. Dabei ist es völlig egal, ob irgendwelche künstlerischen Werke aus dem Norden im Süden verboten sind.
rainer_daeschler 17.02.2018
4. Exklusive Veranstaltung
Die Lieder aus dem Süden werden vor einem Publikum gespielt, das sie größtenteils auch kennen dürfte. Was die Oberschicht darf, ist dem gemeinen Volk noch lange nicht erlaubt. Eine positive Geste ist die Nachricht allemal. Sie ist an Südkorea gerichtet, nicht an die eigene Bevölkerung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.