Innerkoreanische Grenze Nordkoreanischer Soldat flieht in den Süden

Ein Soldat aus Nordkorea ist erfolgreich nach Südkorea geflohen: In dichtem Nebel überquerte er die streng bewachte Grenze. Kurz darauf fielen offenbar Schüsse.

Nordkoreanische Soldaten an der DMZ (November 2017)
AFP

Nordkoreanische Soldaten an der DMZ (November 2017)


Ein nordkoreanischer Soldat ist über die streng bewachte innerkoreanische Grenze nach Südkorea geflohen. Der Mann durchquerte am Donnerstag das Sperrgebiet zwischen beiden Staaten in den Süden, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul mitteilte. Der Soldat sei nach der Flucht durch die demilitarisierte Zone (DMZ) vor südkoreanischen Grenzposten aufgetaucht. Zum Zeitpunkt der Flucht am Morgen herrschte dichter Nebel.

Laut dem Sprecher fielen keine Schüsse. Es sei auf nordkoreanischer Seite auch keine ungewöhnliche Truppenbewegung festgestellt worden. Die Agentur Yonhap berichtete hingegen, Soldaten auf beiden Seiten hätten Schüsse abgegeben. Südkoreas Soldaten feuerten demnach zur Warnung, als sich nordkoreanische Soldaten der Grenze näherten, sie waren dabei den Angaben zufolge offenbar auf der Suche nach dem Deserteur. Etwa 40 Minuten später seien auf nordkoreanischer Seite Schüsse gehört worden, sie seien aber wohl nicht über die Grenze hinweg abgefeuert worden. Details dazu sind laut Yonhap nicht bekannt.

Das vier Kilometer breite Grenzgebiet ist mit Minenfeldern und Stacheldraht abgesichert. Die Durchquerung ist extrem gefährlich.

Erst vor einem Monat hatte die Flucht eines anderen Soldaten aus Nordkorea über den Grenzort Panmunjom für Aufsehen gesorgt: Er wurde von nordkoreanischen Grenzsoldaten angeschossen und von südkoreanischen schließlich auf die südliche Seite der Grenze gezogen. Er kam in ein Krankenhaus und überlebte. Im Darm des Mannes entdeckten Ärzte während einer Operation Dutzende Würmer. Einer der Parasiten war 27 Zentimeter lang.

Video zu dem Wurm-Befall: "Bisher nur in Lehrbüchern gesehen"

REUTERS/ Hong Ki-won/ Yonhap

Zahlreiche Nordkoreaner flüchten jedes Jahr aus Hunger oder Unzufriedenheit mit der autokratischen Führung aus ihrer weithin abgeschotteten Heimat. Die meisten flüchten dabei über die Grenze nach China, oft fallen dabei auch Schüsse von Grenzsoldaten. Über Drittländer gelangen viele später nach Südkorea.

Eine Flucht über die innerkoreanische Landesgrenze ist eher selten. In diesem Jahr ist es vier nordkoreanischen Soldaten erfolgreich gelungen, in den Süden zu fliehen.

aar/AP/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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KingTut 21.12.2017
1. Analogie
Es ist wie seinerzeit bei der DDR, die auch ein großes Gefängnis war. Menschen konnten ihr nur unter Lebensgefahr entrinnen. Den geflüchteten Soldaten, der unverletzt Kim's finsterem Reich entkam, kann man nur beglückwünschen. Wie schlimm es den Menschen dort geht zeigt auch der Gesundheitszustand des zuvor geflüchteten Soldaten. Ich hoffe, dass wir es in nicht allzu ferner Zukunft erleben werden, dass dieses Regime hinweg gefegt und durch eine echte Demokratie ersetzt wird.
Hupert 21.12.2017
2. Das kann man sich tatsächlich nur wünschen...
Zitat von KingTutEs ist wie seinerzeit bei der DDR, die auch ein großes Gefängnis war. Menschen konnten ihr nur unter Lebensgefahr entrinnen. Den geflüchteten Soldaten, der unverletzt Kim's finsterem Reich entkam, kann man nur beglückwünschen. Wie schlimm es den Menschen dort geht zeigt auch der Gesundheitszustand des zuvor geflüchteten Soldaten. Ich hoffe, dass wir es in nicht allzu ferner Zukunft erleben werden, dass dieses Regime hinweg gefegt und durch eine echte Demokratie ersetzt wird.
...doch bleibt die Frage, wer ein eventuell vereinigtes Korea bezahlen soll? Wenn man zum Vergleich die Kosten der deutschen Wiedervereinigung heranzieht wird das ein nahezu nicht realisierbares Unterfangen. Und sie dürfen nicht vergessen, dass die DDR im Vergleich zu Nordkorea ein regelrechtes wirtschaftliches wie fortschrittliches Utopia war. Ich denke eher es wird einen moderaten Wandel unter einer von China eingesetzten Marionettenregierung mit Moskaus Segen geben, aber selbst das erscheint mir aktuell eher unrealistisch.
m.w.r. 21.12.2017
3.
Zitat von KingTutEs ist wie seinerzeit bei der DDR, die auch ein großes Gefängnis war. Menschen konnten ihr nur unter Lebensgefahr entrinnen. Den geflüchteten Soldaten, der unverletzt Kim's finsterem Reich entkam, kann man nur beglückwünschen. Wie schlimm es den Menschen dort geht zeigt auch der Gesundheitszustand des zuvor geflüchteten Soldaten. Ich hoffe, dass wir es in nicht allzu ferner Zukunft erleben werden, dass dieses Regime hinweg gefegt und durch eine echte Demokratie ersetzt wird.
Ich glaube das der Welt klar ist das ein Geteiltes Korea für alle Beteiligten kostengünstiger ist, bzw sich dadurch zumindest im Militärsektor ordentlich Geld verdienen lässt.Und auch China freut sich ein billig produzierendes Land vor der Haustüre zu haben.
agash 21.12.2017
4. Meinung der Südkoreaner
Ich war in den letzten drei Jahren mehrmals in Südkorea und hab bei der Gelegenheit verschiedene Leute gefragt, wie ihre Meinung als Südkoreaner zu Nordkorea ist und ob es evtl. Chance auf Wiedervereinigung gibt. 2015 klang es noch, als gäbe es ein Fünkchen Hoffnung, allen war bewusst, wenn es eine Wiedervereinigung geben sollte, dass es unheimlich teuer wird und weitlänger dauern würde, als bzw. die dt. Wiederverinigung. Und dass die ewigen Provokationen vom Norden lächerlich sind, aber das Verhalten der südkor. Regierung (z.B. Beschallung durch Popmusik an der Grenze) auch ziemlich kindisch und falsch ist. Nun 2017 und einige A-Bömbchen-Versuche von Kim später, klingt das schon ein wenig anders, jetzt heißts eher :"Eine Wiedervereinigung werde ich nicht mehr erleben." von einer etwa 30 Jährigen. Oder "Der Norden weiß er kann keinen Krieg beginnen, denn hier [in Seoul] leben soviele Ausländer, das endet zwangsläufig in einem 3. WK." und "Eine Revolution aus der Bevölkerung wie in Dtl. wird im Norden nicht stattfinden, die sind viel zu unterdrückt und indoktriniert." Und was mir auch aufgefallen ist, dass mittlerweile sehr viel abwertender über den Norden und die nordkoreanische Bevölkerung gesprochen wird. Es ist einem ja bewusst, dass das Land seit über 60 Jahren gespalten ist, aber gefühlt haben sie sich in den letzten drei Jahren noch mal deutlich mehr von einander entfernt.
permissiveactionlink 21.12.2017
5. Die Familienangehörigen
des geflüchteten Soldaten bekommen jetzt Stress ohne Ende. Möglicherweise müssen sie in Sippenhaft in einen der nordkoreanischen Gulags. Sorgen machen mir auch die auf nordkoreanischer Seite gefallenen Schüsse. Ob da Kameraden des geflohenen Soldaten dafür bestraft wurden, dass sie ihn nicht an der Flucht hinderten ? Die Zustände in NK sind so katastrophal retro, dass es schwerfällt, die hier im Forum immer wieder (heute bisher nicht) geposteten euphemistischen Relativierungen und von Appeasement motivierten Erklärungsversuche für dieses Horrorregime zu lesen. Der Kim-Clan muss weg, samt seines ganzen aufgeblasenen operettenhaft-stalinesken Militärapparates aus frustrierten, hungernden und von Parasiten befallenen Rekruten. Der Wahnsinn muss beendet werden, denn die Nordkoreanische Bevölkerung, das sind doch genauso Sapiens wie wir ! Und der überwältigende Anteil von denen hat (trotz gespielter Jubelszenen im nordkoreanischen TV) die Schnauze bis Oberkante Unterlippe gestrichen voll von der Juche-Ideologie. Mit Appeasement lassen wir diese Menschen im Stich !
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