Projekt "KN-08": Nordkorea soll weitere Rakete entwickelt haben

Hat Kim Jong Un noch einen Trumpf? Nach dem gescheiterten Start der Unha-3 gibt es Spekulationen über eine zweite Langstreckenrakete Nordkoreas. Unter dem Decknamen "KN-08" sollen bereits Tests erfolgt sein. Die südkoreanische Marine sucht derweil nach Trümmern der abgestürzten Rakete.

Projekt "KN-08": Kim Jong Un und seine Raketen Fotos
AFP/ KCNA/ KNS

Seoul - Kim Jong Un wollte provozieren und Stärke demonstrieren - stattdessen wurde er durch den Fehlstart der Unha-3-Rakete blamiert. Doch möglicherweise hält der nordkoreanische Führer noch einen weiteren Trumpf in petto: Einem südkoreanischen Medienbericht zufolge hat Nordkorea noch an einer anderen Langstreckenrakete gearbeitet.

Auf dem Stützpunkt Musudan Ri an der Nordostküste habe es insgesamt vier Tests zur Entwicklung einer Interkontinentalrakete gegeben, berichtete der Fernsehsender YTN an diesem Samstag unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Bei den Tests über insgesamt 16 Wochen bis Anfang dieses Jahres sei es vor allem um Antriebe und Treibstoff für die Rakete mit dem Decknamen "KN-08" gegangen.

Die Testphase lief dem Bericht zufolge noch, als Nordkorea mit den USA verhandelte und im Februar ein Abkommen über die Lieferung von Nahrungsmitteln vereinbarte. Im Gegenzug hatte sich Pjöngjang unter anderem bereiterklärt, sein Atomprogramm auszusetzen und auf den Start von Langstreckenraketen zu verzichten.

Doch trotz scharfer internationaler Kritik hatte Nordkorea am Freitag seine Unha-3-Rakete gestartet. Allerdings explodierte sie kurz nach dem Start in der Luft und zerbrach in mehrere Teile. Die Trümmer waren 100 bis 150 Kilometer vor der Westküste Südkoreas ins Gelbe Meer gestürzt.

Suche nach Trümmern im Gelben Meer

Einen Tag nach dem missglückten Start hat nun Südkoreas Marine die Suche nach Trümmerteilen fortgesetzt. Südkorea werde von Schiffen der US-Marine unterstützt, hieß es am Samstag aus dem Verteidigungsministerium in Seoul. Die Streitkräfte beider Länder erhoffen sich durch die Analyse von Trümmern näheren Aufschluss über die Gründe für das Scheitern des umstrittenen Raketenstarts sowie den Stand der nordkoreanischen Raketentechnik.

An der Suchaktion beteiligten sich nach Berichten des südkoreanischen Rundfunks unter anderem ein U-Boot, Minenabwehrschiffe sowie Hubschrauber.

Nach Angaben Nordkoreas sollte die Trägerrakete Unha-3 einen Beobachtungssatelliten auf eine Erdumlaufbahn bringen. Mit dem Vorhaben sollte der 100. Geburtstag des als Staatsgründer und "ewigen Präsidenten" verehrten Kim Il Sung an diesem Sonntag gefeiert werden.

Für die nordkoreanische Führung ist der misslungene Start peinlich, denn es war bereits der dritte missglückte Versuch, eine Rakete ins All zu feuern. Trotzdem haben sich im Land Zehntausende Menschen zu Ehren der Machthaberfamilie versammelt. Bei schönstem Frühlingswetter strömten am Samstag Soldaten in Uniformen, Frauen in farbenfrohen Gewändern und Männer in dunklen Anzügen in ein Stadion in Pjöngjang, das nach dem verstorbenen Staatsgründer Kim Il Sung benannt ist.

Sein Enkel, der neue Machthaber Kim Jong Un, saß unter einem riesigen Porträt seines Großvaters, während der nominelle Staatschef Kim Jong Nam in einer Rede die Errungenschaften der Kim-Dynastie würdigte.

Feierlichkeiten trotz Raketen-Pleite

Der im Dezember 2011 gestorbene langjährige Machthaber Kim Jong Il, Kim Jong Uns Vater, habe Nordkorea in ein "stolzes, mit Atomwaffen bewaffnetes Land" verwandelt, sagte Kim Jong Nam. Seine Leistungen würden "für immer bewundert werden". Am Sonntag wird in Nordkorea der 100. Geburtstag Kim Il Sungs gefeiert. Neben einer Massenkundgebung dürfte es auch eine riesige Militärparade geben.

Bereits am Freitag waren in Pjöngjang große Statuen von Kim Il Sung und Kim Jong Il enthüllt worden. Zu den Feierlichkeiten sollte eigentlich auch der Start der Langstreckenrakete Unha-3 zählen.

Am Freitag war der neue Machthaber Kim Jong Un zum "ersten Vorsitzenden" des Verteidigungsausschusses ernannt worden. Mit dem neuen Amt wurde der Prozess der Machtübergabe nach dem Tod Kim Jong Ils abgeschlossen. Kim Jong Un ist damit nicht nur Vorsitzender des höchsten beschlussfassenden Gremiums des kommunistischen Staates, sondern auch oberster Befehlshaber der Streitkräfte und Generalsekretär der Kommunistischen Partei.

Am Samstag ernannte er 70 Offiziere zu Generälen. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap soll mit den Beförderungen die Führungsspitze der Armee verjüngt werden.

cib/AFP/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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abc-xyz 14.04.2012
Ein Abschuss einer Rakete von Musudan-ri erscheint mir zu gewagt, selbst für nordkoreanische Verhältnisse, da die Flugbahn zwangsläufig über Südkorea, Japan oder Russland erfolgen würde. Man stelle sich nur mal vor, die Einzelteile (oder das ganze verdammte Ding) kämen über einer dieser Länder runter. Wie wahrscheinlich das ist, hat uns der letzte Abschuss gezeigt. Ich glaube aber, dass wir schon längst gehört hätten, sollte man von dort aus eine Rakete starten wollen. Die Vorbereitungen dauern Wochen und Monate. Für die Feierlichkeiten dürfte es jedenfalls zu spät sein.
2. Heureka
FreakmasterJ 14.04.2012
Zitat von abc-xyzEin Abschuss einer Rakete von Musudan-ri erscheint mir zu gewagt, selbst für nordkoreanische Verhältnisse, da die Flugbahn zwangsläufig über Südkorea, Japan oder Russland erfolgen würde. Man stelle sich nur mal vor, die Einzelteile (oder das ganze verdammte Ding) kämen über einer dieser Länder runter. Wie wahrscheinlich das ist, hat uns der letzte Abschuss gezeigt. Ich glaube aber, dass wir schon längst gehört hätten, sollte man von dort aus eine Rakete starten wollen. Die Vorbereitungen dauern Wochen und Monate. Für die Feierlichkeiten dürfte es jedenfalls zu spät sein.
Naja, es gäbe da noch nen 'Spalt' zwischen China und Korea, wo man versuchen könnte das Ding rauf zu bringen. Ob die Flugbahn jedoch physikalisch sinnvoll ist, sei mal dahin gestellt. Aber… war das nicht so, dass die USA die Rakete mit elektronischen Mitteln kaputt manipulieren wollte?? (Wir können ja mal Gerüchte und Verschwörungstheorien in die Welt setzten ;-) Ehrlich gesagt, muss man sich schon fragen, warum Nordkorea ausgerechnet einen Wetter- und Wälder- Beobachtungssatelliten rauf bringen möchte. Dieser technologische und finanzielle Aufwand alleine für ein meteorologisches Wald- und Wiesenprojekt??? Theoretisch hätte man den Satelliten den chinesischen Verbündeten zum raufschiessen überlassen können. So wäre man nicht in Konflikt mit den Nachbarn und der USA gekommen und hätte jetzt wenigstens genug zu Futtern. Aber was soll's, ich bin eh dafür, dass sich Herr Kim Yong Un, der übrigens eine hervorragende Ausbildung während seines freien Aufenthalts in der Schweiz genossen haben soll, mal mehr Menschenrechte und Freiheiten in sein Land importiert und die nächste Rakete lieber mit, an Mini-Fallschirmen hängenden 1Kg-Reisbeuteln, bestückt und über sein eigenes Land hochgehen lässt. Damit macht er sich sowohl im In- wie im Ausland bestimmt mehr Freunde… :-)
3.
Altesocke 14.04.2012
Zitat von sysopAFP/ KCNA/ KNSHat Kim Jong Un noch einen Trumpf? Nach dem gescheiterten Start der Unha-3 gibt es Spekulationen über eine zweite Langstreckenrakete Nordkoreas. Unter dem Decknamen KN-08 sollen bereits Tests erfolgt sein. Die südkoreanische Marine sucht derweil nach Trümmern der abgestürzten Rakete. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827525,00.html
Haben? Oder 'wurden'? Das ist hier die Frage!
4.
Parvis 14.04.2012
Zitat von FreakmasterJNaja, es gäbe da noch nen 'Spalt' zwischen China und Korea, wo man versuchen könnte das Ding rauf zu bringen. Ob die Flugbahn jedoch physikalisch sinnvoll ist, sei mal dahin gestellt. Aber… war das nicht so, dass die USA die Rakete mit elektronischen Mitteln kaputt manipulieren wollte?? (Wir können ja mal Gerüchte und Verschwörungstheorien in die Welt setzten ;-) Ehrlich gesagt, muss man sich schon fragen, warum Nordkorea ausgerechnet einen Wetter- und Wälder- Beobachtungssatelliten rauf bringen möchte. Dieser technologische und finanzielle Aufwand alleine für ein meteorologisches Wald- und Wiesenprojekt??? Theoretisch hätte man den Satelliten den chinesischen Verbündeten zum raufschiessen überlassen können. So wäre man nicht in Konflikt mit den Nachbarn und der USA gekommen und hätte jetzt wenigstens genug zu Futtern. Aber was soll's, ich bin eh dafür, dass sich Herr Kim Yong Un, der übrigens eine hervorragende Ausbildung während seines freien Aufenthalts in der Schweiz genossen haben soll, mal mehr Menschenrechte und Freiheiten in sein Land importiert und die nächste Rakete lieber mit, an Mini-Fallschirmen hängenden 1Kg-Reisbeuteln, bestückt und über sein eigenes Land hochgehen lässt. Damit macht er sich sowohl im In- wie im Ausland bestimmt mehr Freunde… :-)
Dass die Unha-3 eine geosynchrone Umlaufbahn erreichen kann, wage ich mal an zu zweifeln. Auch einen Satelliten, der dann von sich aus auf diese Bahn manövrieren kann, wäre wohl zu schwer. Was das Beobachtungsprogramm der Wälder angeht, ein großer Teil der militärischen Fahrzeuge werden mit Holzvergaser (tatsächlich!) betrieben. Insofern wäre es schon ratsam, die Wälder zu beobachten.
5. Sagt mal...
Layer_8 14.04.2012
Zitat von sysopAFP/ KCNA/ KNSHat Kim Jong Un noch einen Trumpf? Nach dem gescheiterten Start der Unha-3 gibt es Spekulationen über eine zweite Langstreckenrakete Nordkoreas. Unter dem Decknamen KN-08 sollen bereits Tests erfolgt sein. Die südkoreanische Marine sucht derweil nach Trümmern der abgestürzten Rakete. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827525,00.html
...dieses lächerliche Regime. LOL. Rakete: Impulssatz nach Newton. Und für praktische Raketentechnik ist Deutschland verantwortlich. Und jetzt muss ich auch noch an U-Boote denken
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Nordkoreas Atomprogramm
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Nordkoreas Atomprogramm
Nordkoreas Atomprogramm sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden Langstreckenraketen ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer" Kim Jong Il offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug Plutonium für sechs Atombomben zu besitzen.

Nordkorea hatte sich zwar bei Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) . Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.

Anfänge
Das Atomprogramm Nordkoreas hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder" Sowjetunion dem kommunistischen Nordkorea ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor Yongbyon baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des Atomwaffensperrvertrags , die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.

Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur Abdul Qadir Khan lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.

Genfer Rahmenabkommen 1994
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident Bill Clinton 1994 mit Pjöngjang das Genfer Rahmenabkommen , das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen Atombombe verhindern sollte. Darin garantierte Nordkorea die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in Yongbyon , aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die Plutoniumproduktion , jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem Uran Kernwaffen herzustellen.
Sechs-Parteien-Gespräche ab 2003
2003 begannen Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms . An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben Nordkorea China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.

Im Februar 2005 gab Kim Jong Il offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.

2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.

Atombomben- und Raketentests
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ Taepodong-1 weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1718 , in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.

Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die Sechs-Parteien-Gespräche erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Atomzentrums Yongbyon an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945 Hiroshima zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.


Fotostrecke
Nordkorea: Alltag in einem abgeschottetem Land
Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.