Atomkonflikt Nordkorea startet Abbau von Raketentest-Anlage

Die ersten Folgen des Trump-Kim-Gipfels? Nordkorea hat begonnen, Einrichtungen für Raketentests zu demontieren. US-Experten sehen eine "Maßnahme zur Vertrauensbildung", ein Spezialist aus Südkorea ist skeptisch.

Südkoreanischer Fernsehbericht zum Abbau der Anlage
AP

Südkoreanischer Fernsehbericht zum Abbau der Anlage


"Es geht keine nukleare Gefahr mehr von Nordkorea aus." Das hatte US-Präsident Donald Trump schon unmittelbar nach seinem Gipfel mit Kim Jong Un verkündet. Wochenlang ergriff Pjöngjang allerdings keine konkreten Maßnahmen, die Denuklearisierung voranzutreiben. Das scheint sich nun zu ändern: Den Experten der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite "38 North" zufolge hat Pjöngjang mit dem Abbau von Einrichtungen auf der Raketen-Startanlage in Sohae an der Westküste des Landes begonnen.

Auch ein Vertreter des südkoreanischen Präsidialamts erklärte, dass Seoul Abbau-Aktivitäten auf der Anlage in Sohae festgestellt habe. Der Sprecher spezifizierte aber nicht, was genau abgebaut worden sei. "38 North" hingegen veröffentlichte Satellitenbilder mit Erklärungen zu den einzelnen Komponenten der Einrichtung. Unter anderem soll ein Raketenmotor-Teststand abgebaut worden sein.

Satellitenbild der Anlage Sohae
AFP

Satellitenbild der Anlage Sohae

Die Experten von "38 North" werten die Entwicklung als Beleg, dass Kim erste Schritte zur Umsetzung des vor sechs Wochen in Singapur erzielten Gipfelabkommens mit den USA eingeleitet habe. Offensichtlich handele es sich um eine "bedeutende Maßnahme zur Vertrauensbildung". Der Vertreter des Präsidialamts sprach von einem möglichen "positiven Effekt".

Ein Experte aus Südkorea zeigt sich allerdings skeptisch. Laut Lee Choon Geun, einem Spezialisten für Raketen am südkoreanischen Institut für Wissenschaft und Technik, gibt Nordkorea nicht viel auf, indem das Land den Testbereich der Anlage abbaue. Denn Pjöngjang sei offenbar ohnehin zufrieden mit den aktuellen Langstreckenraketen. Einen Effekt auf die nuklearen Kapazitäten Nordkoreas hätte also nur eine Demontage der gesamten Anlage. Denn damit würde Pjöngjang seinen besten Standort aufgeben, um Interkontinentalraketen letztlich auch abzufeuern. Hoffnung gebe, dass auch ein schienengebundenes Verarbeitungsgebäude abgebaut worden sei.

Satellitenbild der Anlage Sohae
AFP

Satellitenbild der Anlage Sohae

Lee äußerte auch Verwunderung darüber, warum Nordkorea mit dem Abbau nicht selbst an die Öffentlichkeit gegangen ist, um das mögliche Zeichen der Entspannung selbst zu verkünden: "Wir brauchen weitere Analysen, um herauszufinden, warum der Norden aus dem Abbau keine große Veranstaltung gemacht hat und ob das Land versucht, die Geschwindigkeit des Prozesses auf einem Niveau zu halten, das es sich selbst wünscht", sagte Lee.

Bei seinem ersten Treffen mit US-Präsident Donald Trump am 12. Juni hatte Kim seine Bereitschaft "zur kompletten Denuklearisierung" bekräftigt. Unklar blieb jedoch, wie und bis wann die Abrüstung erfolgen soll. Trump versprach Nordkorea seinerseits unter anderem "Sicherheitsgarantien".

Trump ist "sehr glücklich", Südkorea will Truppen abziehen

Nordkorea hatte in den vergangenen Jahren mehrfach von Sohae aus Weltraumraketen gestartet und behauptet, diese hätten Satelliten ins All gebracht. Die Weltgemeinschaft ging hingegen von verdeckten Tests ballistischer Langstreckenrakete aus, die Atomwaffen tragen könnten.

US-Präsident Donald Trump betonte am Montag, Nordkorea habe seit neun Monaten keine Rakete mehr abgeschossen und auch keine Atomtests mehr durchgeführt. "Japan ist glücklich, ganz Asien ist glücklich", schrieb er auf Twitter. Auch er selbst sei "sehr glücklich".

Gleichzeitig könnte es bald auch in Südkorea Bewegung: Seoul erwägt den Abzug einiger Soldaten aus der demilitarisierten Zone an der Grenze zu Nordkorea. Dies wäre eine vertrauensbildende Maßnahme nach dem Gipfeltreffen zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und Nordkoreas Kim, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Geplant sei zunächst der probeweise Abzug von einigen Soldaten und Ausrüstung von Wachposten innerhalb der demilitarisierten Zone. Zudem werde eine Ausweitung des schrittweisen Abzugs zu einem späteren Zeitpunkt erwogen.

aev/dpa/AP/Reuters



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