Geheimbericht zu Nuklearraketen: Südkorea zweifelt an Kims Atommacht

AP/ KCNA

Seit Wochen provoziert Diktator Kim Jong Un die Regierungen in Seoul und Washington mit Kriegsdrohungen. Ein amerikanischer Geheimdienst sieht jetzt Fortschritte bei der Atomwaffenfähigkeit Pjöngjangs. Doch Südkorea geht davon aus, dass das Regime bei seiner Nuklearmacht blufft.

Washington/Seoul - Wie gefährlich ist Nordkorea? Der US-Militärgeheimdienst sieht Fortschritte beim Atomwaffenprogramm des Regimes in Pjöngjang. Die Defense Intelligence Agency (DIA) gehe mit ziemlicher Sicherheit davon aus, dass Nordkorea "derzeit über Nuklearwaffen verfügt, die von ballistischen Raketen getragen werden können", heißt es in einem Bericht der "New York Times". Die Zeitung hatte nach eigenen Angaben Einsicht in den vertraulichen Bericht.

Der junge Staatschef Kim Jong Un hält die internationale Welt seit Wochen mit seinen Drohungen in Atem. Am Donnerstag warnte Barack Obama Nordkorea: Niemand wolle einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel, es sei an der Zeit, die Temperatur herunterzufahren. Er werde aber "alle nötigen Schritte" unternehmen, um die USA und ihre Verbündeten zu schützen, sagte der US-Präsident.

Doch Südkorea will sich von den Drohgebärden des kommunistischen Nachbarn im Norden offenbar nicht provozieren lassen. Das Verteidigungsministerium in Seoul äußerte in einer Mitteilung am Freitag Zweifel am Bericht des US-Geheimdienstes. Pjöngjang sei noch nicht in der Lage, Nuklearraketen zu bestücken, teilte Ministeriumssprecher Kim Min-Seok mit.

Auch in den USA ist der Bericht der DIA umstritten. Pentagonsprecher George Little sagte, er könne sich nicht zu allen Details des Reports, der insgesamt geheim sei, äußern. Es sei jedoch nicht korrekt, anzudeuten, dass das nordkoreanische Regime die in der Passage zitierten nuklearen Kapazitäten "vollständig getestet, entwickelt und bewiesen" habe.

China lehnt eine Stellungsnahme zu dem US-Geheimdienstbericht ab. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums wiederholte am Freitag lediglich die Haltung der Regierung in Peking, der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel müsse durch einen Dialog beigelegt werden.

Nächste Provokation zum Geburtstag von Kim Il Sung?

Mit einer weiteren Provokation Nordkoreas wird rund um den 101. Geburtstag des verstorbenen Staatschefs und als Republikgründer verehrten Kim Il Sung am 15. April gerechnet. In Südkorea wird erwartet, dass Nordkorea eine oder zwei "Musudan"-Raketen mit Reichweiten von schätzungsweise 3000 bis 4000 Kilometern testen will, um im Konflikt um sein Atomprogramm Stärke zu demonstrieren.

Neben Feierlichkeiten gebe es auch Anzeichen für eine große Militärparade in Pjöngjang, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Nordkoreas Streitkräfte bewegten entlang der Ostküste mehrere mobile Startrampen, berichteten südkoreanische Medien unter Berufung auf Militärkreise. Es könnten auch Scud-Raketen mit Reichweiten von 300 bis 500 Kilometern und "Nodong"-Raketen abgefeuert werden, die über 1300 Kilometer weit fliegen.

Südkorea, die USA und Japan brachten Zerstörer, Radar- und Raketenabwehrsysteme in Stellung, um anfliegende Raketen abzufangen, falls sie eine Gefahr für die Länder darstellen. Die Raketenabwehrsysteme "Patriot" seien in der Lage, jede nordkoreanische Rakete in Schussweite abzufangen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul.

China dementierte am Freitag Meldungen, es verstärke seine Truppen an der Grenze zu Nordkorea. "Diese Bericht sind nicht wahr", meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua und berief sich dabei auf das Verteidigungsministerium. China beobachte die Lage auf der koreanischen Halbinsel aufmerksam und habe sich immer für Frieden und Stabilität in der Region eingesetzt, hieß es weiter.

Wie Obama forderte auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte von Kim in einer direkten Botschaft ein Ende der Provokationen. "Als Uno-Generalsekretär und Bürger Koreas bitte ich Sie eindringlich, die provokativen Handlungen der jüngsten Zeit zu beenden und zum Dialog zurückzukehren", sagte er in einem CNN-Interview. Auf der koreanischen Halbinsel müsse wieder Frieden hergestellt werden.

Kim solle sich außerdem dafür einsetzen, den Lebensstandard der Menschen in seinem Land zu verbessern. "Ich habe durchweg deutlich gemacht, dass ich bereit bin, Nordkorea zu besuchen, sofern mein Besuch hilft und in enger Kooperation mit den betroffenen Parteien, insbesondere der Republik Korea (Südkorea) und den USA stattfindet", sagte der gebürtige Südkoreaner dem Sender nach einem Treffen mit Obama im Weißen Haus.

Er und Obama seien der gleichen Auffassung, sagte Ban. Er sei sicher, dass die Reaktion Obamas auf die momentane Krise "sehr entschieden, aber wohlüberlegt" ausfallen würden. Er habe Obama um eine enge Zusammenarbeit der USA mit Südkorea und China gebeten.

US-Außenminister John Kerry traf unterdessen zu Gesprächen in Südkorea ein. Ein US-Vertreter aus Kerrys Delegation sagte zuvor, China müsse dazu beitragen, Nordkorea vom Weg der "destabilisierenden" Handlungen abzubringen. Nordkoreas Streben nach dem Besitz von atomwaffenfähigen Raketen sei "der Feind der Stabilität", sagte der US-Vertreter.

als/Reuters/dpa/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 74 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nk
wolle56 12.04.2013
Hunde die Bellen beißen nicht.NK würde sein eigenes Grab schaufeln.
2. Eine Frage der Zeit
Knacker54 12.04.2013
"Doch Südkorea will sich von den Drohgebärden des kommunistischen Nachbarn im Norden offenbar nicht provozieren lassen. Das Verteidigungsministerium in Seoul äußerte in einer Mitteilung am Freitag Zweifel am Bericht des US-Geheimdienstes. Pjöngjang sei noch nicht in der Lage, Nuklearraketen zu bestücken, teilte Ministeriumssprecher Kim Min-Seok mit." Somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis NK dazu in der Lage ist, seine Drohungen wahr zu machen - und was dann?
3. Der Kleine Kaiser hat genug
iffel1 12.04.2013
und seine 199 verdrehten Kumpels gleich mit. Ein Großteil davon kann er ohnehin in einem Pflegeheim abgeben und gut ist. Die Welt braucht keine täglichen Schlagzeilen mehr von Kim Jong Dumm. Es muss nur noch ein Exil gefunden werden, wie wäre es mit dem Mars ? Wäre der Kriegsgottplanet nicht passend ?
4. einsatz von a-waffen
lebenslang 12.04.2013
wie auch immer, entscheidend für die jetzige krise ist ob nordkorea einen ersten schritt wagt militärisch vorzugehen, ob konventionell oder mit a-waffen, die schnelligkeit der eskalation wird von nordkorea vorgegeben. allerdings glaube ich nicht, dass die amerikaner a-waffen einsetzen werden, man wird versuchen nordkorea konventionell in die knie zu zwingen. meiner meinung nach werden a-waffen, wenn überhaupt, nur von nordkorea eingesetzt werden, denn militärisch macht ein einsatz von a-waffen keinen sinn, a-waffen eignen sich nur zur vernichtung oder demoralisierung eines volkes.
5. Sei mal dahingestellt
donald_rumsfeld 12.04.2013
ob NK das Potenzial hat diese Art Technologie zu entwickeln, aber merkwürdig finde ich schon die Diskrepanz zwischen den Ansichten der USA und Südkorea.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Atomkonflikt mit Nordkorea
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 74 Kommentare

Fläche: 99.646 km²

Bevölkerung: 48,184 Mio.

Hauptstadt: Seoul

Staatsoberhaupt:
Park Geun Hye

Regierungschef: Chung Hong Won

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Südkorea-Reiseseite


Karte

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon