Atomkonflikt mit Nordkorea Tillerson will mit Nordkorea ohne Vorbedingungen reden

US-Außenminister Rex Tillerson geht auf Nordkorea zu, er bietet der atomar bewaffneten Diktatur direkte Gespräche an. Man sei bereit, ohne Vorbedingungen zu verhandeln.

Rex Tillerson
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Im Atomstreit mit Nordkorea stehen die USA nach Aussage von US-Außenminister Rex Tillerson jederzeit für Gespräche mit Pjöngjang zur Verfügung. "Wir sind für ein erstes Treffen ohne Vorbedingungen bereit. Lasst uns einfach zusammenkommen", sagte Tillerson in einer Ansprache bei dem außenpolitischen Forschungsinstitut Atlantic Council.

Dabei spiele das Thema der Gespräche keine Rolle, so der Außenminister. Aus seiner Sicht könne gar über die Form des Tisches geredet werden, solange sich die beiden gegenüber säßen. "Meinetwegen können wir über das Wetter reden und darüber sprechen, ob es ein viereckiger Tisch oder ein runder Tisch sein wird, wenn es das ist, was euch Freude bereitet", sagte Tillerson. Unterhändler könnten dann ihre gemeinsamen Ziele abstecken. Zugleich bekräftigte Tillerson, dass die Vereinigten Staaten weiter auf eine atomare Abrüstung Pjöngjangs abzielten.

Dennoch seien die USA "bereit, das erste Treffen ohne Vorbedingungen abzuhalten," so Tillerson. "Es ist nicht realistisch zu sagen, wir sind nur bereit zu Gesprächen, wenn ihr an den Verhandlungstisch kommt und willens seid, euer Programm aufzugeben."

Die Spannungen mit den USA hatten sich in den vergangenen Monaten deutlich verschärft, nachdem Nordkorea mehrfach Raketen sowie Anfang September eine weitere Atombombe getestet und damit gegen Uno-Resolutionen verstoßen hatte.

Trotz einer Verschärfung der internationalen Sanktionen hatte Nordkorea Ende November erneut eine Interkontinentalrakete getestet. Die Führung erklärte kurze Zeit später, das Land könne jetzt das gesamte US-Festland mit Atomsprengköpfen angreifen. Experten gehen davon aus, dass die Hwasong-15-Rakete das Festland der Vereinigten Staaten erreichen, aber dabei nicht mit Atomsprengköpfen bestückt werden kann.

Trump sieht das anders

US-Präsident Donald Trump hatte den diplomatischen Ansatz seines Außenministers im Atomkonflikt wiederholt öffentlich kritisiert. Tillerson solle sich die "Kraft sparen", mit Nordkorea, Gespräche mit dem Regime von Kim Jong Un seien Zeitverschwendung. Tillerson gilt als angezählt, zuletzt wurde Ende November über seine baldige Ablösung spekuliert. Wahrscheinlicher Nachfolger ist laut einem "New York Times"-Bericht der CIA-Geheimdienstchef Mike Pompeo.

Unterdessen ist der UN-Untergeneralsekretär für politische Angelegenheiten, Jeffrey Feltman, gerade aus Pjöngjang zurückgekehrt. Er informierte am Dienstag den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York über seine Begegnung mit nordkoreanischen Regierungsvertretern. Diese hätten ihm gesagt, dass Nordkorea einen Krieg verhindern wolle - Gesprächsangebote hätten sie nicht gemacht. Feltman traf in Pjöngjang am Wochenende Nordkoreas Außenminister Ri Yong-ho und dessen Stellvertreter Pak Myong-kuk.

Es war der erste Besuch eines ranghohen UN-Vertreters in Nordkorea seit 2011.

cht/jat/dpa/AFP/Reuters

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