Korea-Gipfel Kim Jong Un spricht von "Zeitalter des Friedens"

Als erster nordkoreanischer Machthaber seit dem Ende des Korea-Krieges vor 65 Jahren hat Kim Jong Un die Grenze nach Südkorea überquert. Er hoffe auf "eine bedeutende Vereinbarung" bei dem historischen Treffen.

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In Panmunjom hat das mit Spannung erwartete Treffen von Kim Jong Un und Moon Jae In begonnen. Um 2.30 Uhr trafen sich die beiden, sie schüttelten sich die Hand und posierten für Fotos. Ein historischer Moment: Als erster nordkoreanischer Machthaber seit dem Ende des Korea-Krieges vor 65 Jahren hat Kim die Grenze nach Südkorea überquert.

"Ich freue mich, Sie zu treffen", sagte Moon. Und: "In dem Moment, in dem der Vorsitzende Kim die militärische Demarkationslinie überschritten hat, wurde Panmunjom zu einem Symbol des Friedens, nicht der Teilung."

Beide Staatschefs begrüßten sich herzlich. Spontan forderte Kim den südkoreanischen Präsidenten auf, seinerseits die Demarkationslinie nach Norden zu überqueren, sie ist durch eine Betonschwelle im Boden gekennzeichnet. Moon folgte der Aufforderung - und betrat damit nordkoreanischen Boden. Der Schritt war nicht angekündigt.

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Treffen von Kim und Moon: Ein Schritt nach vorn

Er sei "erfüllt von Emotionen", sagte Kim an Moon gerichtet, als das Gipfeltreffen begann. Kim will eigenen Angaben zufolge ein "neues Kapitel" in den Beziehungen zu Südkorea aufschlagen. Er sprach von einem "neuen Anfang" und sagte: "Wir können eine bedeutende Vereinbarung erreichen, aber wichtig ist, dass sie umgesetzt wird. Wenn nicht, werden wir unser Volk enttäuschen." In ein Gästebuch schrieb er: "Jetzt beginnt eine neue Ära, ein Zeitalter des Friedens."

Sein Amtskollege aus Seoul begrüßte die "mutige Entscheidung" Kims, zu dem ersten Gipfel in Südkorea zu kommen. Er forderte ihn auf, bei dem Treffen gemeinsam "kühne" Entscheidungen zu treffen.

Nach Angaben eines Sprechers von Moon sagte Kim kurz vor Beginn der Gespräche, er sei bereit, Moon in Seoul zu besuchen. Moon hatte demnach zuvor mit Blick auf den Präsidentensitz gesagt, er könne Kim "weitaus bessere Szenen als diese bieten, wenn Sie ins Blaue Haus kommen". Kim antwortete demnach: "Wirklich? Ich werde jederzeit ins Blaue Haus kommen, wenn Sie mich einladen."

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Nach der Begrüßungszeremonie fand eine erste Gesprächsrunde statt. Die wurde inzwischen für ein getrenntes Mittagessen unterbrochen - dafür reiste Kim wieder in den Norden. In wenigen Stunden soll dann in Panmunjom eine Zeremonie folgen, bei der ein Baum gepflanzt werden soll. Die beiden Männer werden schließlich ein Abkommen unterzeichnen und eine öffentliche Erklärung abgeben.

Dabei soll der Schwerpunkt auf den Themen Frieden und Denuklearisierung liegen sowie auf einer Verbesserung der Beziehungen nicht nur zwischen den Nachbarn, sondern auch zu anderen Ländern wie etwa den USA. Details über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit wird die Erklärung vermutlich nicht enthalten.

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Die Vorbereitungen für das historische Gipfeltreffen liefen schon seit Wochen, auch das kleinste Detail sollte im Vorfeld geklärt sein. Der Ort Panmunjom liegt in der demilitarisierten Zone, die sich seit dem Ende des Koreakriegs 1953 entlang der Grenze auf der Halbinsel zieht. Panmunjom steht also für die Teilung Koreas - und jetzt für den Versuch, sie 65 Jahre später zu überwinden.

Es ist nach 2000 und 2007 in Pjöngjang der dritte innerkoreanische Gipfel, aber der erste in Südkorea und der erste zwischen Kim und Moon. Er wird auch das geplante Treffen zwischen Nordkoreas Machthaber und US-Präsident Donald Trump vorbereiten.

Die USA setzen große Erwartungen in den Korea-Gipfel. "Wir sind hoffnungsvoll, dass die Gespräche Fortschritte in Richtung einer Zukunft von Frieden und Wohlstand für die gesamte koreanische Halbinsel erzielen", teilte das Weiße Haus in der Nacht zu Freitag mit.

aar/dpa/AFP

insgesamt 56 Beiträge
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WSL 27.04.2018
1. WOW. Einfach wow.
Vor wenigen Monaten war von Krieg die Rede. Nun so etwas. Dieses Ereignis ist ziemlich das positivste, was die Welt in den letzten Jahren geopolitisch erlebt hat. Ich hoffe, es ist ein Weg zum Frieden!
dunnhaupt 27.04.2018
2. Beide brauchen diese Entwicklung
Nach 65 Jahren vergeblicher Versuche ihrer vielen Vorgänger ist ihnen etwas gelungen, das ihnen einen Platz in den Geschichtsbüchern beider Staaten sichert, womöglich sogar den Friedensnobelpreis.
Beijinger 27.04.2018
3. Ich glaube
daß die durch das Erdbeben bedingte Zerstörung des nordkoreanischen Nukleartestgeländes Kim Jong-in dazu zwingt, diesem Treffen zuzustimmen. Und wer glaubt, er würde einer Zerstörung, bzw Reduzierung seines vorhandenen Nuklearwaffenpotentials zustimmen, glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten. Wenn sich die beiden koreanischen Führer auf einen kleinen gemeinsamen Nenner einigen können, ok. Der wird aber wieder Geschichte sein, wenn sich Trump einmischen wird, ohne Vorbereitung, nur seinem erratischen Gefühlen folgend. Was dann folgen könnte, ist nicht absehbar. Wenn sich Trump von Kim nicht ernst genommen fühlt, könnten unkontrollierte Reaktionen folgen, zumal er sich mit Falken, wie John Bolton und Mike Pompeo umgeben hat, die nicht von einem nuklearen Erstschlag zurückschrecken würden. Aber es gibt eine andere Hoffnung, daß DT sehr bald sein Amt niederlegen muß, da sich die Ermittlungen gegen Michael Cohen zuspitzen und Trump im gestrigen Fox News Interview Cohen in den Rücken gefallen ist. Alles zusätzliches Futter für den Special Council Mueller, dessen Bericht dann das endgültige Ende für Trump bringen wird. Dann wäre die Zeit des unerträglichen Reality TV Präsidentendarstellers endlich vorbei und das wäre gut so.
majonga 27.04.2018
4. na Bravo
erst schaffen es beide Länder sich wie Brüder (die sie es ja auch sind) zusammenzusetzen und eine anständige Lösung zu finden, dann aber wird dass TRUMPeltier kommen und alles zerstören. Schade, ich dachte dass das Licht am Ende des Tunnels die aufgehende Sonne über Korea scheinen würde, war aber leider nur das grellende Inferno eines lichterloh brennendes Feuers eines TRUMPeltier...
demokroete 27.04.2018
5. Na, also
So ein Schwachmat, wie uns die Medien immer erzählen, scheint dieser Kim Jong Un gar nicht zu sein. Er hat wahrscheinlich gelernt, dass man aus einer Position der Stärke besser verhandelt kann, als als zahnloser Kläffer.
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