Entspannung in Korea Schritt für Schritt zum "Friedenshaus"

Der CIA-Chef heimlich bei Kim, ein "heißer Draht" zwischen Seoul und Pjöngjang: Signale für Frieden in Korea. US-Präsident Trump gibt dazu seinen "Segen" - äußert sich aber auch gewohnt unberechenbar.

Soldaten vor dem "Friedenshaus" in Panmunjom
REUTERS

Soldaten vor dem "Friedenshaus" in Panmunjom


In Panmunjom wird am 27. April womöglich Geschichte geschrieben. Denn an jenem Freitag soll es in dem Grenzort zu einem Gipfeltreffen kommen: Im "Friedenshaus" in der entmilitarisierten Zone ist ein Zusammentreffen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit Südkoreas Präsident Moon Jae In geplant.

Die Nachrichtenagentur Yonhap meldete am Mittwoch unter Berufung auf das südkoreanische Präsidialamt, Teile der Gespräche sollten live übertragen werden. Werden dort 65 Jahre nach Kriegsende die Voraussetzungen für einen Friedensvertrag zwischen Pjöngjang und Seoul geschaffen? Fährt Kim im Konflikt mit den USA dann auch sein Atomprogramm zurück?

Eine Einigung in Panmunjom wäre eine politische Sensation, aber es gibt in diesen Tagen immer mehr Signale für eine Chance zur Aussöhnung zwischen den beiden Nachbarstaaten auf der Halbinsel und ein Ende der Konfrontation zwischen dem Regime in Pjöngjang und US-Präsident Donald Trump:

"Heißer Draht" zwischen Seoul und Pjöngjang

Bis Freitag könnte der "heiße Draht" zwischen Kim und Moon in Betrieb genommen werden, hieß es aus der südkoreanischen Regierung. Wann die beiden Präsidenten den telefonischen Gesprächskanal aber tatsächlich zuerst nutzen werden, steht noch nicht fest.

Derzeit besprächen beide Staaten Formulierungen einer gemeinsamen Erklärung, die auf dem Treffen am 27. April veröffentlicht werden könne, sagte Südkoreas Regierungsvertreter Im Jong Seok am Dienstag vor Journalisten in Seoul. Der Schwerpunkt werde wahrscheinlich auf den Themen Frieden und Denuklearisierung liegen sowie auf einer Verbesserung der Beziehungen nicht nur zwischen den Nachbarn, sondern auch zu anderen Ländern wie etwa den USA. Details über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit werde die Erklärung vermutlich nicht enthalten.

Pompeo war bereits bei Kim

CIA-Chef Mike Pompeo
AP

CIA-Chef Mike Pompeo

CIA-Direktor Mike Pompeo hat sich bereits in Nordkorea mit Kim Jong Un getroffen. Das berichtete zuerst die "Washington Post". Trump persönlich bestätigte das Treffen per Twitter, das "sehr reibungslos verlaufen" sei. Allerdings fand es nach seinen Angaben erst vergangene Woche statt, während die "Washington Post" zuvor von einem Gespräch über Ostern berichtet hatte. Pompeo ist als US-Außenminister nominiert, aber noch nicht vom Senat bestätigt worden. Die Details eines Gipfeltreffens zwischen Kim und Trump würden zurzeit ausgearbeitet, hieß es weiter. Als Termin für ein solches direktes Gespräch war bislang Anfang Juni im Gespräch gewesen.

Meeting mit Japans Abe

Bei einem Treffen mit Japans Regierungschef Shinzo Abe in seinem Domizil in Mar-a-Lago (Florida) beruhigte Trump seinen Gast: Japan und die USA stünden in der Nordkorea-Frage zusammen. Aus Tokio hatte es zuletzt Kritik daran gegeben, dass Japan als Alliierter und Anrainer von einem möglichen Gespräch Trumps mit Kim überrascht wurde.

Lunch in Mar-Lago: Trump und Abe mit ihren Ehefrauen Melania und Akie.
AFP

Lunch in Mar-Lago: Trump und Abe mit ihren Ehefrauen Melania und Akie.

China: "Ein guter Anfang ist der halbe Erfolg"

China begrüßte die Annäherung zwischen Nordkorea und den USA. "Wir befürworten direkte Kontakte und Dialog", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunying. "Ein guter Anfang ist der halbe Erfolg", zitierte sie eine Redensart. Peking hoffe, dass die Parteien gegenseitig Vertrauen und Verständnis aufbauten und "Schritt für Schritt" auf eine koreanische Halbinsel ohne eine Atombedrohung hinarbeiteten.

Nord- und Südkorea befinden sich formell nach wie vor im Kriegszustand. Eine Hürde beim Gipfel in Panmunjom: Bislang hat Nordkorea erklärt, es werde einen Friedensvertrag nur mit den USA schließen. Südkorea gehört nicht zu den Unterzeichnern des Waffenstillstandes von 1953. Dieser wurde von Nordkorea, den US-geführten Uno-Streitkräften und chinesischen Militärs geschlossen. Experten weisen darauf hin, dass die Regierung in Seoul daher nur begrenzt Schritte unternehmen könne. Südkorea vermeidet den Begriff "Friedensvertrag" häufig und spricht von einem "Zustand des Friedens" oder einem "Abkommen zur Einstellung feindlicher Handlungen".

Trump gibt seinen "Segen"

Trump selber gab den Verhandlungen auch bereits seinen "Segen" - unter der Bedingung, dass es ein Abkommen gebe. "Den Menschen ist nicht klar, dass der Koreakrieg nicht zu Ende ist", sagte er während eines Besuchs von Abe. Vor den Journalisten in seinem Anwesen in Florida, kündigte er an, Kim "Anfang Juni oder davor" zu treffen, "falls die Dinge gut laufen".

Offiziellen Angaben zufolge wurde noch keine Entscheidung zum Ort für den möglichen Gipfel getroffen. China, Nordkorea, Südkorea und auch wieder Panmunjom in der demilitarisierten Zone gelten aber als denkbar.

"Es gibt eine große Chance, ein Weltproblem zu lösen", sagte Trump mit Blick auf den Atom- und Raketenstreit Pjöngjangs mit dem Westen.

Dann aber gab der Präsident sich wieder einmal unberechenbar: Es sei auch möglich, "dass die Dinge nicht gut laufen und wir die Treffen nicht haben werden und einfach diesen harten Weg weitergehen, den wir eingeschlagen haben".

als/dpa/Reuters/AFP

zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.