Korea-Gipfel Fisch im Hauptgang, Frieden zum Dessert

Die Erwartungen sind groß: Nach mehr als zehn Jahren kommt es zum Gipfel zwischen Nord- und Südkorea. Doch geht es dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un wirklich um eine Einigung?

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Symbolischer kann ein Treffpunkt kaum sein: In Panmunjom kommen am Freitag Kim Jong Un und Moon Jae In, die Staatschefs von Nord- und Südkorea, zu einem Gipfel zusammen. Der Ort liegt in der demilitarisierten Zone, die sich seit dem Ende des Koreakriegs 1953 entlang der Grenze auf der Halbinsel zieht. Panmunjom steht also für die Teilung Koreas - und jetzt für den Versuch, sie 65 Jahre später zu überwinden.

Die Vorbereitungen laufen seit Wochen, auch das kleinste Detail sollte im Vorfeld geklärt sein. Das fing schon bei der Verpflegung an: Als "Hommage an Kims Kindheit" servieren die südkoreanischen Gastgeber im "Friedenshaus", einem modernen Bau aus Glas und Beton, Schweizer Rösti. Der Machthaber des Nordens soll einen Teil seiner Schulzeit in dem Alpenstaat verbracht haben. Auch Moon soll an seine Jugend erinnert werden. Deshalb steht gebackener Petersfisch aus der Hafenstadt Busan auf der Speisekarte beim Willkommensdinner.

Zum Essen werde ein Wein aus Azaleen gereicht, aber auch ein 40-prozentiger Schnaps steht bereit, der ursprünglich aus dem Norden stammt und mittlerweile in Südkorea hergestellt wird. Auf diese Kleinigkeiten konnten sich beide Seiten immerhin verständigen, auch wenn Japan sich über den Nachtisch beschwerte.

Aber gibt es auch Aussicht auf eine Einigung bei den (noch) wichtigeren Themen?

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Südkoreas Präsident Moon widmete sich nach Angaben seines Büros die ganze Woche lang nur dem Gipfeltreffen. Er habe keine Termine außerhalb des Präsidentenpalastes wahrgenommen. Auf seinem Schreibtisch wurde bereits eine direkte Telefonverbindung zu Kim installiert. Bislang gab es nur eine Hotline in der gemeinsamen Sicherheitszone in Panmunjom.

Am Montag stoppte Südkorea außerdem seine Propaganda-Beschallung an der Grenze zum Norden. Ziel sei es, vor dem Gipfeltreffen eine friedliche Atmosphäre zu schaffen, erklärte das Verteidigungsministerium in Seoul. Ob auch der Norden seine Propaganda eingestellt hat, war zunächst unklar.

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Nord- und Südkorea: Gipfel im "Friedenshaus"

Von den Vorbereitungen seines Gegenübers Kim ist kaum etwas bekannt, vom zeitlichen Ablauf des Gipfels schon:

Kim soll am Freitag um 9.30 Uhr (Ortszeit, 2.30 Uhr MESZ) von Südkoreas Präsident Moon Jae In begrüßt werden, kündigte dessen Stabschef Im Jong Seok an. Kim soll den Angaben zufolge die militärische Demarkationslinie in Begleitung von neun hochrangigen Regierungs- und Militärvertretern überqueren. Die südkoreanische Delegation besteht ihrerseits aus sieben Vertretern.

Gipfel live im Fernsehen

Kim und Moon werden von der südkoreanischen Ehrengarde nach Panmunjom geführt, wo zunächst eine Begrüßungszeremonie stattfinden soll. Die erste Gesprächsrunde ist für 3.30 Uhr MESZ geplant, gefolgt von einem getrennten Mittagessen und dann einer Zeremonie, bei der ein Baum gepflanzt werden wird. Die beiden Männer sollen schließlich ein Abkommen unterzeichnen und eine öffentliche Erklärung abgeben.

Das Treffen soll live im südkoreanischen Fernsehen übertragen werden. In Seoul wird vor dem Bürgermeisteramt ein riesiger Bildschirm aufgebaut, in den Schulen wird der Unterricht unterbrochen. "Das ist ein wichtiger Augenblick in unserer Geschichte", sagte der stellvertretende Direktor einer Grundschule in der Stadt Gwangju, Park Sung Il. "Unsere Kinder können etwas über die Wiedervereinigung lernen, wenn sie in Echtzeit sehen, wie die süd- und nordkoreanischen Anführer sich die Hand geben."

Südkorea hofft beim Gipfel auf Zusagen für Frieden und atomare Abrüstung. Beide Staaten werden Formulierungen einer gemeinsamen Erklärung besprechen, die während des Treffens veröffentlicht werden könnte, berichtet Südkoreas Regierungsvertreter Im Jong Seok in Seoul. Der Schwerpunkt werde auf den Themen Frieden und Denuklearisierung liegen sowie auf einer Verbesserung der Beziehungen nicht nur zwischen den Nachbarn, sondern auch zu anderen Ländern wie etwa den USA. Details über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit werde die Erklärung vermutlich nicht enthalten.

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"Kims Worte sind nur Schall und Rauch"

Aber wie ernst meint es Kim beim Gipfel? Immerhin verkündete der Diktator am vergangenen Wochenende, Nordkorea werde seine Atom- und Raketenversuche einstellen und die Nukleartestanlage vorerst schließen. Donald Trump lobte die Entscheidung: Dies seien "sehr gute Nachrichten für Nordkorea und die Welt". Der US-Präsident plant ein eigenes Treffen mit Kim - aber nur, wenn der Koreagipfel ein Erfolg wird. Auf diesem Weg versuchte er, Pjöngjang und Seoul unter Druck zu setzen.

Kims Ankündigung schloss aber auch nicht die Beseitigung der existierenden Atomwaffen ein, die seit Jahrzehnten entwickelt wurden. Da das Regime in Pjöngjang die Atomwaffen und auch Interkontinentalraketen bereits besitzt, ist die angekündigte Beendigung von Tests also auch nicht mehr so wichtig.

"Kims Worte sind nur Schall und Rauch, was zählt, sind seine Handlungen", sagte denn auch der Asienexperte Harry Kazianis auf Fox News, Donald Trumps Haussender. "Er lügt und hat seine Versprechen oft gebrochen."

als/Reuters/AFP/dpa

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