Menschenrechte Uno-Ermittler will Nordkorea vor Strafgerichtshof anklagen

"Die Menschen essen Gras, während das Regime Jagdbomber kauft": Ein Uno-Sonderausschuss will Nordkorea wegen Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft ziehen. Der Vorwurf lautet auf Mord am eigenen Volk.

Nordkoreanischer Führer Kim Jong Un: Uno-Ermittler sprechen von "Verbrechen, die das Gewissen der Menschheit erschüttern"
REUTERS/ KCNA

Nordkoreanischer Führer Kim Jong Un: Uno-Ermittler sprechen von "Verbrechen, die das Gewissen der Menschheit erschüttern"


New York/Pjöngjang - Ein Uno-Untersuchungsausschuss will die nordkoreanische Führung wegen "beispielloser Menschenrechtsverletzungen" zur Rechenschaft ziehen. "80.000 bis 120.000 Menschen sitzen in Lagern für politische Häftlinge, Millionen Menschen leiden. Der Hunger ist unvorstellbar", sagte der Vorsitzende der Kommission, Michael Donald Kirby, am Donnerstagabend nach einer Anhörung des Uno-Sicherheitsrats in New York.

Kirby ist Chef einer Expertenkommission, die Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea untersucht hatte. Sie wirft Pjöngjang vor, in vier großen Lagern Tausende politische Gefangene zu internieren. "Die Menschen essen Gras und kleine Nagetiere, während das Regime die viertgrößte Armee der Welt unterhält und moderne Jagdflugzeuge kauft", sagte Kirby.

Der Rat solle die Verantwortlichen für die "Verbrechen, die das Gewissen der Menschheit erschüttern" mit Sanktionen belegen und den Internationalen Strafgerichtshof einschalten, forderte der Uno-Sonderermittler.

Unterernährte Babys

Im Februar hatte die Expertenkommission von Kirby einen Bericht zu den Gräueln in Nordkorea vorgelegt, der "Ausrottung, Mord, Versklavung, Folter, Haft, Vergewaltigung, erzwungene Abtreibungen" sowie zahlreiche weitere Verbrechen auflistet. Darunter sind etwa Zwangsumsiedlungen und das Aushungern von Bevölkerungsgruppen.

Ein ehemaliger Häftling berichtet unter anderem, wie er die Leichen von Verhungerten verbrennen und ihre Asche als Dünger verteilen musste. Andere waren gezwungen, ihre unterernährten Babys mit Mäusen und Schlangen zu füttern. Der Report stützt sich auf Aussagen von mehr als 80 Nordkoreanern, denen die Flucht gelang. Das Regime in Pjöngjang kooperierte nicht mit der Uno, weshalb Untersuchungen vor Ort nicht möglich waren.

"Alle Drähte laufen bei Kim Jong Un zusammen"

Für die Verbrechen könnten nach Einschätzung der Kommission "mehrere hundert" Menschen verantwortlich sein. Der Bericht sei auch Machthaber Kim Jong Un zugeschickt worden. "Denn er ist der Hauptverantwortliche, alle Drähte laufen bei ihm zusammen. Deshalb wäre er auch der erste Adressat einer Anklage", sagte Kirby.

Russland und China waren als einzige Mitglieder der Sitzung des Uno-Sicherheitsrats ferngeblieben. Kirby sagte, dass er dennoch mit breiter Unterstützung für die Forderung seiner Expertengruppe rechne. "Auch China muss besorgt sein, ein Land vor der Tür zu haben, das Atomwaffen und Trägersysteme hat und dabei noch so instabil ist." Es sei eine Ironie, dass die USA Nordkorea aus humanitären Gründen mit Nahrung versorgten und das Regime in Pjöngjang seinem Volk die Lebensmittel als Reparationen verkaufe, die die USA zahlen müssten.

heb/dpa/AFP

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