Vorwürfe gegen Nordkoreas Regime "Ausrottung, Versklavung, Folter, Vergewaltigung"

Eine Kommission der Vereinten Nationen wirft dem Regime in Nordkorea Gräueltaten gegen das eigene Volk vor. Die Uno-Ermittler wollen die Verantwortlichen vor ein Tribunal stellen - vor allem Diktator Kim Jong Un.


Pjöngjang/Genf - Nordkoreas Regime gehört nach Einschätzung einer Uno-Untersuchungskommission wegen schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf die Anklagebank: In nie dagewesener Deutlichkeit hat das vom Uno-Menschenrechtsrat eingesetzte Gremium der Staatsführung in Pjöngjang am Montag vorgeworfen, seit Jahrzehnten schwere Verbrechen zu begehen. In Erinnerung an die Nazi-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg mahnte Kommissionschef Michael Kirby, fortan werde niemand mehr sagen können: "Wir wussten das nicht."

"Die Menschenrechtsverletzungen sind von einer Schwere, einem Ausmaß und einer Art, die in der heutigen Welt keinen Vergleich kennt", heißt es in dem 372-Seiten-Bericht. Aufgezählt werden "Ausrottung, Mord, Versklavung, Folter, Haft, Vergewaltigung, erzwungene Abtreibungen" sowie zahlreiche weitere Verbrechen, etwa Zwangsumsiedlungen und das Aushungern von Regimegegnern.

Vertreter der Führung in Pjöngjang müssten wegen der Verbrechen vor den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag gebracht werden, forderte das Expertenteam, das im Auftrag des Uno-Menschenrechtsrates den Bericht erstellte. Nordkorea begehe "systematische und weitreichende" Menschenrechtsverletzungen, von denen viele Verbrechen gegen die Menschlichkeit seien. Das Gremium kritisierte auch die Verweigerung grundlegender Menschenrechte, wie die der Meinungs- und Religionsfreiheit, sowie die Entführung von Bürgern aus Südkorea und Japan.

Fotostrecke

8  Bilder
Nordkorea: Diktatur in Pjöngjang

Die Kommission war im Mai 2013 durch den Uno-Menschenrechtsrat in Genf eingesetzt worden. Sie warf dem Regime in Pjöngjang vor, derzeit in vier großen Lagern zwischen 80.000 und 120.000 politische Gefangene zu internieren. Nordkorea hat rund 24 Millionen Einwohner.

Fotostrecke

9  Bilder
Nordkorea: Kim auf der Anklagebank?
Für die Verbrechen in Nordkorea könnten nach Einschätzung der Kommission mehrere hundert Menschen verantwortlich sein. Kirby verwies nicht ausschließlich auf Staatsführer Kim Jong Un, sagte aber, diesem falle "ein Großteil der Verantwortung zu". Im nordkoreanischen Machtgefüge laufe alles beim Obersten Führer zusammen.

Peking unterstützt Pjöngjang

Kim Jong Un ist der dritte Machthaber der Kim-Dynastie - er steht seit Ende 2011 an der Spitze der Machtpyramide, nachdem sein Vater, Kim Jong Il, gestorben war. Dessen Vater, Kim Il Sung, wird als Staatsgründer verehrt und begründete den streng hierarchischen Machtapparat und den damit verbundenen Personenkult.

In dem Bericht ist ein Schreiben Kirbys an Kim Jong Un vom 20. Januar wiedergegeben, in dem der Uno-Experte den nordkoreanischen Führer darauf hinweist, dass er auch persönlich für die Verbrechen verantwortlich gemacht werden könne. Jeder Vertreter des Machtapparats müsse auf Anklagen nach dem Völkerrecht gefasst sein. Der Bericht empfiehlt, entweder solle der Uno-Sicherheitsrat den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) einschalten oder ein Sondertribunal einsetzen.

Die USA erklärten, der Uno-Bericht belege "klar und unwiderruflich" die brutale Realität der Menschenrechtsverstöße in Nordkorea. Washington unterstütze den Bericht und dränge Pjöngjang, "konkrete Schritte" zur Verbesserung der Lage zu unternehmen, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums in Washington.

Schon vor der Veröffentlichung des Uno-Berichts über Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea gab China dem Verbündeten Rückendeckung. Die "einschlägige Position" Pekings bei Menschenrechtsfragen sei "glasklar", sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying in Peking. Solche Fragen müssten "durch konstruktiven Dialog auf Augenhöhe" geklärt werden. Die chinesische Führung stellte damit klar, dass sie sich gegen eine Anklage des nordkoreanischen Regimes vor dem ICC stellen würde.

syd/AFP/AP



insgesamt 47 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frequenz11 17.02.2014
1. Eine Schande der freien Welt,
es zuzulassen, dass ein Diktator wie dieser teuflische und fette Milchbubi seine Gräueltaten gegen das eigene Volk fortsetzt. - Wo sind die hierzu geeigneten Drohnen? Wo ist der politische Wille der freien Welt, um auch im eigenen Interesse zukünftig noch Schlimmeres zu verhindern? - So ähnlich hätte man auch Hitlers Taten mit Special Forces spätestens ab September 1939 verhindern können, anstatt den Tod von mehr als 50 Mio. zuzulassen. - So verrückt es klingen mag, wir benötigen "PEACE FORCES", welche in aller Konsequenz jede Führungskraft eines undemokratischen Systems kurzfristig und gnadenlos "erledigt". Besser eine undemokratische, diktatorische Person zu früh erledigt, als mehr als 2 Personen, die unter diesen Systemen umkommen.
killi 17.02.2014
2. Längst überfällig, ändert aber dennoch nichts.
Ach jetzt hat der runde Kim mal wieder was zum toben und drohen. Ansonsten passiert nichts. Peking wird Nordkorea niemals fallen lassen, alleine schon wegen den zu erwartenden Flüchtlingsströmen, welche heute bereits ein Dorn im Auge der Regierung ist. Aber angenommen Nordkoreas Funktionäre würden international gesucht werden, es würde nichts ändern. Die wenigen, welche ausser Landes gehen, besuchen Staaten, welche den Internationalen Strafgerichtshof nicht anerkennen. Da bräuchten sie sich keine Sorgen machen. Es wird alles beim alten bleiben - ausser die Tatsache, dass nun auch Offiziell von der Weltgemeinschaft anerkannt wurde, was für Verbechen in diesem Staat geschehen. Wird aber auch wieder heruntergespielt-von China beispielsweise. Was das eigentlich erschreckende an dem ganzen ist, ist vielmehr die Tatsache, dass die UNO sechs Jahrzehnte benötigte, um die seit 60 Jahren bekannten Verbrechen, als Fakt zu deklarieren...
sr.pablo 17.02.2014
3. Irgendwie..
sollen die Herren Kim & Co. wohl dort sein. Wären die den wirklich Mächtigen ein Dorn im Auge, wären die bereits neutralisiert worden. Die kann eh nur Peking zur Räson bringen. Ohne Rückendeckung der Chinesen, sähe es schlecht für den jungen Diktator aus.
frautina 17.02.2014
4. Interesse
Wer sich interessierte konnte schon lange von den grausamen Zuständen in den Lagern lesen. (Bücher). Also ist die Situation schon Jahre bekannt. Den Menschen zur Zeit in den Lagern wird das plötzliche Weltinteresse nicht das Leben retten. Die Frisur vom Chef ist ja Mode geworden.
doubletrouble2 17.02.2014
5. Nero mit Atomwaffen.
Er löscht Leben aus wie ein römischer Gottkaiser und später wird man fragen: " Warum haben wie China nicht besetzt, als noch Zeit dazu war ? " Denn nur durch Beijings Protektion kann er sein Land zu einem Testgelände für chinesische Vernichtungslager machen. Dabei besitzen die U.S.A. klar und unwiderruflich sehr leistungsfähige Drohnen und Kim ist weniger wert als jeder Taliban.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.