Atomtest Uno-Sicherheitsrat kündigt Strafen gegen Nordkorea an

Nordkoreas Atomtest stößt auf scharfen internationalen Protest. Der Uno-Sicherheitsrat spricht von einer "klaren Bedrohung für Frieden und Sicherheit" - und kündigt neue Sanktionen an.

Japans Uno-Botschafter Motohide Yoshikawa: Autorität und Glaubwürdigkeit des Sicherheitsrats müsse gewahrt werden
AFP

Japans Uno-Botschafter Motohide Yoshikawa: Autorität und Glaubwürdigkeit des Sicherheitsrats müsse gewahrt werden


Der Uno-Sicherheitsrat hat Nordkoreas Atomtest einstimmig verurteilt und rasche Schritte gegen das autoritär regierte Land angekündigt. Der mittlerweile vierte Atomtest sei "ein klarer Verstoß gegen die Resolutionen des Sicherheitsrats", sagte der amtierende Vorsitzende des Gremiums, Uruguays Uno-Botschafter Elbio Rosselli, am Mittwoch nach einer Dringlichkeitssitzung.

Die 15 Mitgliedstaaten des mächtigsten Uno-Gremiums einigten sich darauf, "zusätzliche Maßnahmen" zu ergreifen. Die Arbeiten an einer entsprechenden Resolution sollen demnach umgehend beginnen. Der Sicherheitsrat verurteilte den Atomtest als "klare Bedrohung für Frieden und Sicherheit" in der Welt. Auch die Veto-Macht China, die mit Nordkorea verbündet ist, trug den Beschluss mit.

Rosselli ließ offen, ob es sich bei den angedrohten Maßnahmen um Sanktionen handeln werde. Aus Diplomatenkreisen hieß es aber, dass eine Ausweitung der Sanktionsliste für nordkoreanische Vertreter erwogen werde.

Wenn nun keine weiteren Schritte gegen das Regime in Pjöngjang unternommen würden, stelle das die Autorität und Glaubwürdigkeit des Sicherheitsrats infrage, sagte Japans Uno-Botschafter Motohide Yoshikawa. Das Land ist seit diesem Jahr als nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat vertreten.

USA: Es war keine Wasserstoffbombe

Nordkorea hatte am Mittwoch behauptet, eine Wasserstoffbombe getestet zu haben. Damit gehöre das Land ab sofort zum Kreis der Länder mit fortgeschrittener Kernwaffentechnik, verkündete ein Nachrichtensprecher im staatlichen Fernsehen.

Allerdings wurde umgehend bezweifelt, dass das Land tatsächlich eine Wasserstoffbombe getestet hat. Die Explosionssignale ähnelten vielmehr denen früherer Atomtests. Auch ein Sprecher des Weißen Hauses sagte am Dienstagabend, die US-Erkenntnisse würden sich nicht mit den Angaben aus Pjöngjang decken. "Nichts, was in den vergangenen 24 Stunden passiert ist, hat die Vereinigten Staaten dazu bewogen, unsere Einschätzung der technischen und militärischen Fähigkeiten Nordkoreas zu ändern", sagte der Sprecher Josh Earnest.

Das international weitgehend isolierte Nordkorea hatte bereits in den Jahren 2006, 2009 und 2013 Atomwaffen getestet und damit jedes Mal internationale Empörung ausgelöst. Der Uno-Sicherheitsrat verschärfte nach jedem Test die Sanktionen gegen das Land.

sun/Reuters/AFP/dpa

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insgesamt 40 Beiträge
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chjuma 06.01.2016
1. ich staune ja
dass die Chinesen dem durchgeknallten Atomzwerg diese Nummer so einfach durchgehen lassen. Abgesehen davon, wie lange braucht man eigentlich um zu begreifen dass Sanktionen nur dann was bringen wenn man was zum sanktionieren hat?? Nordkorea ist doch schon vom Rest der Welt eigeninitiativlich zu 100 Prozent abgeschottet. Fragt sich nur wo die immer das ganze Hightechgerümpel herkriegen aus dem die dann ihre Megaböller zusammen schrauben. Den Hahn sollte man dem Irren zudrehen, sonst verletzt sich am Ende noch einer.
hugahuga 06.01.2016
2. Erinnert sich noch jemand
der Sanktionen, welche die US Regierung vor dem Irak Krieg gegen dieses Land verhängt hatte? Tausende Kinder starben, weil die nötigen Medikamente und medizinischen Istrumente nicht ins Land gelassen wurden. Es trifft immer die armen Menschen - nie die Führung. Zumindest weiß diese die Sanktionen zu umgehen oder abzumildern. Von daher ist das eine Schaufenster-Politik, die nichts bewirken wird. Noch immer herrscht in Nordkorea die mMn berechtigte Erkenntnis vor: Wer über die Bombe verfügt kann nicht so leicht erpresst werden. Und "Erpressung" um politischen Einfluss zu gewinnen oder eines strategischen oder geopolitischen Vorteils willen, steht bekanntlich bei gewissen Nationen hoch im Kurs.
mulli3105 06.01.2016
3. Warum
gibt man diesem Diktator soviel Bühne weltweit, anstatt ihn vollkommen zu ignorieren und die Sanktionen noch massiver zu schnüren? NK ist nur von innen heraus zu demokratisieren, das Volk muss aufstehen. Diese "Regierung" wird nur so fallen, man darf ihr kein Angriffsziel bieten, auf das dieser Irre mit Säbelrasseln reagieren könnte. Wenn er erst die Unterstützung Chinas verliert, ist er ohnehin am Ende seiner "Stärke" angelangt. An eine Wiedervereinigung mit SK ist kaum zu denken
tweet4fun 06.01.2016
4. Der letzte kommunistische Brandstifter
Ganz abgesehen von den abgedroschenen UNO-Phrasen von „Frieden und Sicherheit“ ist dieser Kernwaffentest doch schon allein eine lokale „Meisterleistung“ der völligen Dummheit der nordkoreanischen Diktatur. Man stelle sich das einmal in geographischen Verhältnissen vor! Nordkorea ist 120.500 qkm groß. Das ist ungefähr nur ein Drittel der Größe des heutigen Deutschlands oder nur unwesentlich größer als die ehemalige DDR. In Deutschland wird schon Alarm geschlagen, wenn es um eine Endlagerung von nuklearen Abfallprodukten in alten Salzstöcken geht – und zwar mit Recht! Nordkorea spielt aber mit nuklearen Bombentests – und das auf einer Fläche, die zusammengenommen etwa so groß ist wie Bayern, Baden-Württemberg und dem Saarland. Die nukleare Strahlung gefährdet somit zumindest das halbe Land – mit seinen Bewohnern. Zumindest! Das allein zeigt, wie es um die Intelligenz des "Dicken" und seiner Militärstrategen bestellt ist. Gerüchte sagen immerhin, daß der "Dicke" ein Fan von alten Disney-Zeichentrickfilmen ist, und somit auch an den „Freund, unser Atom“ glaubt.
hugahuga 06.01.2016
5. Das kann sich Herr Ban
sparen, denn es ist sinnlos. Niemand in NK wird auch nur im Traum daran denken, den einzigen Trumpf - die Bombe - aus der Hand zu geben. Man sieht sich in der Welt an, wie mit Ländern verfahren wird, die dieses Instrument nicht besitzen und dann vergleicht man das Ergebnis mit den Besitzern der Bombe. Das Endergebnis liegt auf der Hand. Da haben sicher andere Besitzer, lange vor NK, die gleichen Überlegungen angestellt und sind zu gleichem Ergebnis gekommen. Aber - wie wir alle wissen - "double standards" sind es, die die Ungleichgewichtigkeit zu zementieren suchen.
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