Kims Atomprogramm US-Experten melden Abrissarbeiten an Nordkoreas Testgelände

Der Abbau von Nordkoreas Atomtestanlagen hat offenbar begonnen. Das schließen US-Experten aus aktuellen Satellitenaufnahmen.

Satellitenaufnahme der Anlage Punggye-ri vom 12. Mai
AP/ Airbus Defense and Space/ 38 North

Satellitenaufnahme der Anlage Punggye-ri vom 12. Mai


Vor dem Gipfeltreffen mit den USA hat Nordkorea nach Angaben von US-Experten damit begonnen, sein Atomtestgelände abzubauen. Einige wichtige Einrichtungen an den Eingängen des weitläufigen Testgeländes Punggye-ri im Nordosten des Landes seien abgerissen worden.

Zudem seien Gleise zu den Tunneln beseitigt worden, berichteten die Experten der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite "38 North" des US-Korea-Instituts. Bilder kommerzieller Satelliten "lieferten den ersten definitiven Beweis, dass der Abbau des Testgeländes bereits vorangekommen ist".

Nordkorea hatte am Wochenende angekündigt, die Testanlage zwischen dem 23. und dem 25. Mai zu zerstören. Sämtliche Tunnel sollen durch Explosion zum Einsturz gebracht und alle Eingänge blockiert werden. Dazu sollen auch Gäste aus dem Ausland eingeladen werden. Zuvor ist für den 16. Mai ein innerkoreanischer Gipfel geplant.

Die Hoffnung auf eine Ende der nordkoreanischen Atomwaffenambitionen wurde durch die Aussagen von Machthaber Kim Jong Un befeuert, er strebe eine "vollständige" atomare Abrüstung der koreanischen Halbinsel an.

Bei einem Treffen mit seinem südkoreanischen Amtskollegen Moon Jae In versprachen sich die Staatschefs, alle Feindseligkeiten "zu Land, zu Wasser und in der Luft" einzustellen. Allerdings verfolgt Nordkorea seit vielen Jahren das Ziel einer nuklearen Abrüstung, meint damit aber, dass die USA als eigentliche Schutzmacht Japans und Südkoreas ihre atomare Präsenz und Truppen im pazifischen Raum reduzieren.

Mit der Schließung des in einer Bergregion liegenden Komplexes will das abgeschottete Land vor der Welt seine Bereitschaft zum Abbau seines Atomwaffenprogramms demonstrieren. In Punggye-ri hatte Nordkorea seine sechs Atomtests durchgeführt, den bisher letzten im September 2017. Der Uno-Sicherheitsrat hatte daraufhin der Führung in Pjöngjang einen erneuten Verstoß gegen Resolutionen des Gremiums vorgeworfen und die Sanktionen gegen das Land verschärft.

Umstritten ist, ob das Areal überhaupt noch für Waffenversuche eingesetzt werden kann. Nach Einschätzung chinesischer Geologen ist es durch frühere unterirdische Atomtests beschädigt und zurzeit unbrauchbar. Die Experten von "38 North" hatten Ende April hingegen geschrieben, das Gelände sei nach wie vor für Atomtests geeignet.

cht/dpa/AP



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