Nordkorea US-Präsident glaubt an diplomatische Lösung

Erstmals seit Tagen hat US-Präsident Bush auf die beunruhigende Atompolitik Nordkoreas reagiert. "Die Situation in Nordkorea kann meines Erachtens friedlich - durch Diplomatie - gelöst werden", sagte Bush im heimischen Crawford.


Die nordkoreanische Nuklear-Anlage Yongbyon in einer Satellitenaufnahme
REUTERS/ DigitalGlobe

Die nordkoreanische Nuklear-Anlage Yongbyon in einer Satellitenaufnahme

Washington - "Ich denke, dies ist keine militärische Kraftprobe, und wir werden das friedlich beilegen können. Und das beabsichtigen wir auch." Bush fügte hinzu, er habe mit der politischen Führung in China und Südkorea über die Beziehungen zum kommunistischen Nordkorea und über Pjöngjangs jüngste Ankündigung der Wiederaufnahme seines Atomprogramms gesprochen. Mit seinen Partnern in der Region wollten die USA das Regime in Nordkorea davon überzeugen, sein Atomprogramm einzustellen.

Am Dienstag hatten die beiden letzten UN-Atominspekteure Nordkorea verlassen. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, gehörten sie zu einem dreiköpfigen Team der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien. Sie sollten überwachen, dass Pjöngjang seinen Reaktor in Yongbyon nicht zur Produktion von waffentauglichem Plutonium nutzt. Die IAEO kontrollierte seit acht Jahren die nordkoreanischen Atomanlagen.

Am Freitag hatte Nordkorea mit der Ausweisung der Inspekteure den Konflikt um sein Atomprogramm weiter verschärft. Nach südkoreanischen Angaben wurden inzwischen 1000 Atombrennstäbe in ein Lager des Reaktors in Yongbyon transportiert. Beobachter befürchten, dass Nordkorea in dem Reaktor waffentaugliches Plutonium gewinnen und dies zum Bau von Atombomben nutzen könnte.

Die Ausweisung der beiden letzten UN-Inspekteure ist nach Ansicht von IAEO-Sprecherin Melissa Fleming ein Verstoß gegen den Atomsperrvertrag. Die gegenwärtige Krise könne nur entschärft werden, wenn die Inspekteure wieder ins Land gelassen würden, sagte Fleming im "DeutschlandRadio Berlin". Über das weitere Vorgehen will der Aufsichtsrat der IAEO nach den Worten von Fleming bei einer Sondersitzung am kommenden Montag entscheiden.

Einig mit Südkorea?

Die USA haben sich unterdessen gegen den Eindruck gewandt, dass es mit Südkorea Meinungsverschiedenheiten im Nordkorea-Konflikt gebe. Es seien die Nordkoreaner selber, die sich in die Gefahr einer Isolierung gebracht hätten, betonten Sprecher des Weißen Hauses und des Außenministeriums in Washington. Der südkoreanische Präsident Kim Dae-Jung lehne das Nuklearprogramm Nordkoreas eindeutig ab und befürworte wie die USA eine friedliche Lösung. Kim hatte erklärt, mit Isolierung und einer Politik der Stärke sei das Problem nicht zu lösen.

Der Nachfolger Kims, Roh Moo Hyun, gab ebenfalls einem Dialog mit Nordkorea zum Abbau der Spannungen um die Atompolitik den Vorzug. Roh wird das Amt im Februar übernehmen. Er forderte die USA in einem Interview am Dienstag auf, keine einseitigen Schritte im Konflikt mit Nordkorea zu unternehmen, sondern vorher Seoul zu konsultieren. Er sei skeptisch, dass der Versuch der USA, Nordkorea mit wirtschaftlichem Druck zur Kapitulation zu zwingen, erfolgreich sein



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