Nordkorea-Konflikt US-Raketenabwehrsystem in Südkorea soll einsatzbereit sein

Die USA bauen in Südkorea ihr Abwehrsystem auf: Es soll im Ernstfall nordkoreanische Raketen abfangen. Ab sofort ist es einsatzbereit - aber offenbar noch mit beschränkter Leistungsfähigkeit.

THAAD-System bei einem Test (Archivbild)
DPA/ Department Of Defense

THAAD-System bei einem Test (Archivbild)


Hunderte Anwohner hatten protestiert, China und Russland übten Kritik, und Nordkorea war ohnehin gegen den Aufbau eines US-Raketenabwehrsystems in Südkorea. Dennoch war in der vergangenen Woche mit der Stationierung begonnen worden. Nun ist das System laut den US-Streitkräften Korea (USFK) einsatzbereit. Offenbar aber zunächst nur beschränkt.

"Es wird noch einige Monate dauern, bevor das gesamte System vollständig genutzt werden kann", sagte ein Beamter des US-Verteidigungsministeriums der Militärzeitung "Stars and Stripes". Laut einem USFK-Sprecher habe es aber bereits die Leistungsfähigkeit, nordkoreanische Raketen abzufangen und Südkorea zu verteidigen.

Durch die in der östlichen Provinz Nord-Gyeongsang installierte THAAD-Batterie (Terminal High Altitude Area Defense) sollen Südkorea und die in dem Land stationierten US-Truppen besser gegen die wachsende Bedrohung durch Nordkorea geschützt werden. Die THAAD-Raketen sollen feindliche Kurz- und Mittelstreckenraketen abfangen. Sie tragen keinen Sprengkopf, sondern zerstören die Rakete durch direkten Aufprall. Dies kann innerhalb wie oberhalb der Erdatmosphäre bis in 150 Kilometer Höhe geschehen.

China und Russland fühlen sich bedroht

Die Aufstellung geht auf eine Einigung Seouls und Washingtons vom vergangenen Sommer zurück. US-Präsident Donald Trump hatte allerdings Südkorea kürzlich mit der Aussage überrascht, der Verbündete solle für die THAAD-Batterie eine Milliarde Dollar zahlen. Die Regierung in Seoul erwiderte daraufhin, das sei nicht Teil der Einigung gewesen. Südkoreas Verteidigungsministerium wies neue Verhandlungen über die Stationierungskosten zurück. Demnach muss das Land nur den Standort zur Verfügung stellen.

China und Russland sehen ihre Sicherheitsinteressen durch das amerikanische THAAD-Abwehrsystem bedroht. Darüber hinaus hatten Hunderte von Anwohnern und Mitglieder von Bürgergruppen gegen das System protestiert. Südkoreas Verteidigungsministerium hatte erklärt, THAAD solle bis Ende des Jahres vollständig einsatzbereit sein.

Nach zwei Atomversuchen und zahlreichen Raketentests durch Nordkorea seit dem vergangenen Jahr ist die Lage in der Region sehr angespannt. Trump hatte mit Alleingängen im Konflikt mit Nordkorea gedroht, setzt aber auf eine Zusammenarbeit mit Peking, um den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zum Einlenken zu bewegen.

Für Aufsehen sorgte am Montag eine Äußerung Trumps. Er sei bereit, sich mit Diktator Kim zu treffen, sagte der US-Präsident. Mehr noch: Er würde sich "geehrt" fühlen. Trumps Sprecher Sean Spicer ruderte später zurück - ein Treffen werde es auf absehbare Zeit nicht geben.

max/dpa

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meister_proper 02.05.2017
1. Ich bin wahrlich kein Freund von Aufrüstung,
aber wie man ein rein auf Verteidigung ausgelegtes ("Die THAAD-Raketen ... tragen keinen Sprengkopf, sondern zerstören die Rakete durch direkten Aufprall") System als Bedrohung der eigenen Sicherheitsinteressen bewerten kann entzieht sich meinem Verständnis. Diese Sicherheitsinteressen Chinas und Russlands müssen dann ja wohl einen Angriffskrieg auf Südkorea beinhalten, der durch dieses System erschwert würde.
vulcan 02.05.2017
2.
Mir auch rätselhaft, wie man ein solches System als 'Bedrohung' empfinden kann - außer natürlich, man verspricht sich irgendetwas von einem möglichen Angriff Nordkoreas auf Südkorea....was auch immer. Dann wäre das natürlich eine Art 'Bedrohung'. Denn das Südkorea den Norden unter dem Schutz eines solchen Systems angreift, glaubt ja wohl niemand ernsthaft.
mimas101 02.05.2017
3. Na Ja
Eigentlich sollte keiner was gegen eine reine Defensivwaffe haben die auch nur für einen engbegrenzten Zweck in Frage kommen können. Aber eigene Sicherheitsinteressen (gemeint ist mit Sicherheit die Innenpolitik der Anrainerstaaten und der Status Quo auf der koreanischen Halbinsel mit dem man seit Jahrzehnten auskömmlich lebt) über das Selbstbestimmungsrecht Koreas (Nord- und Süd) zu stellen ist auch nicht gerade gut. Dabei darf man auch nicht vergessen das es in Korea lediglich eine Art heißer Waffenstilstand gibt. Vergessen darf man allerdings auch nicht das diverse US-Amerikaner das Säbelrasseln gut finden (SPON-Doku: Ein älterer Herr ist der Meinung die USA würden dadurch weltweit Frieden und Wohlstand bringen) und dadurch die innenpolitischen Groß- und Kleinkatastrophen in den USA mit übertüncht werden.
lm_1909 02.05.2017
4. Radar
Da sich anscheinend einige hier wundern, dass sich China und Russland durch das Defensivsystem bedroht fühlen - ich glaube einmal gelesen zu haben, dass das für das System nötige, sehr leistungsstarke Radar weite Bereiche des chinesischen Luftraums überwachen kann. Ich bin kein Experte für militärische Systeme, aber wen es interessiert könnte sich ja mal in diese Richtung weiter informieren.
mwroer 02.05.2017
5.
Zitat von meister_properaber wie man ein rein auf Verteidigung ausgelegtes ("Die THAAD-Raketen ... tragen keinen Sprengkopf, sondern zerstören die Rakete durch direkten Aufprall") System als Bedrohung der eigenen Sicherheitsinteressen bewerten kann entzieht sich meinem Verständnis. Diese Sicherheitsinteressen Chinas und Russlands müssen dann ja wohl einen Angriffskrieg auf Südkorea beinhalten, der durch dieses System erschwert würde.
Nein das 'Problem' ist dass dieses Abwehrsystem eben auch gegen Objekte jenseits der süd-koreanischen Grenzen eingesetzt werden könnte. Das THAAD kann problemlos auf eine Reichweite von knapp 2000 km erweitert werden (FBR). Weder China noch Russland haben ein Interesse an Süd-Korea nur sehen Sie ... ein Raketenabwehrsystem dass so weit in den eigenen Luftraum bzw. die Flugrouten der eigenen Raketen reicht - und wir reden hier einfach nur über Raketen, nicht mal explizit militärische, ist in der Tat nichts was man unbedingt toll finden muss. Jetzt kann man den USA vertrauen oder nicht. Das sei jedem selbst überlassen. China tut dies nicht. Russland auch nur sehr begrenzt. Allerdings kann man beiden Ländern dies kaum übel nehmen - die USA haben nun mal den Hang ihre Sicherheitsinteressen extrem weit zu fassen und dies weltweit. Um so mehr unter Trump. Zudem ist eine solche Raketenabwehr AUCH die Grundvoraussetzung für einen Angriff seitens der USA und SK auf Nord-Korea. Sollte man nicht ganz vergessen.
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