USA zum Atomstreit Tillerson schließt Gespräche mit Nordkorea aus

Die USA halten einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel für möglich und spannen über Südkorea einen Raketenschirm. Außenminister Tillerson erklärt, Nordkoreas Fehlverhalten dürfe nicht mit Gesprächen belohnt werden.

Südkoreanischer Armeehubschrauber beim Aufbau des aus den USA gelieferten Raketenabwehrsystems
REUTERS

Südkoreanischer Armeehubschrauber beim Aufbau des aus den USA gelieferten Raketenabwehrsystems


Die USA setzen im Umgang mit der Atommacht Nordkorea auf Isolation und Abschreckung und auf verstärkten Schutz für das verbündete Südkorea.

"Ein Versagen, bei dieser dringendsten globalen Sicherheitsangelegenheit jetzt zu handeln, könnte katastrophale Konsequenzen haben", sagte US-Außenminister Rex Tillerson bei einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrats. Der Rat müsse "handeln, bevor Nordkorea es tut".

Die USA befürchten, dass Nordkorea bei seinem Atom- und Raketenprogramm größere Fortschritte gemacht hat als bislang angenommen und nordkoreanische Atomraketen eines Tages amerikanisches Festland oder Japan erreichen könnten. Die "Gefahr eines nordkoreanischen Atomangriffs auf Seoul oder Tokio" sei real, so Tillerson. Zuvor hatte bereits US-Präsident Donald Trump die Gefahr eines "großen, großen Konflikts mit Nordkorea" betont. Pjöngjang unterstellt den USA hingegen, durch gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was beide Länder bestreiten.

Diktator Kim inspiziert ein nordkoreanisches U-Boot
AFP/ KCNA/ KNS

Diktator Kim inspiziert ein nordkoreanisches U-Boot

Tillerson forderte eine härtere Gangart, um Nordkorea dazu zu bringen, sein Nuklearprogramm aufzugeben. Zunächst solle das kommunistische Land noch stärker wirtschaftlich und diplomatisch isoliert werden. Alle Uno-Staaten müssten ab sofort bestehende Sanktionen besser umsetzen, das Land weiter finanziell isolieren und alle diplomatischen Beziehungen aussetzen oder herunterstufen. Wer das nicht tue, dem drohten die USA ihrerseits mit Sanktionen. Tillerson betonte zwar, er ziehe eine diplomatische Lösung vor, aber alle Optionen müssten verfügbar bleiben.

China brachte erneut die Wiederaufnahme von diplomatischen Gesprächen ins Spiel. Außenminister Wang Yi betonte, im Atomstreit sei eine "hohe Alarmstufe" erreicht. Sein Land habe zwar eine besondere Rolle, aber der Schlüssel liege nicht in China.

China hatte die USA wiederholt aufgefordert, direkte Gespräche mit Nordkorea zu suchen - doch die schließt US-Außenminister Tillerson derzeit aus. Er sei nicht geneigt, "das Verhalten Nordkoreas mit Gesprächen zu belohnen". Die USA gehen davon aus, dass Peking großen Einfluss auf Nordkorea hat, auch weil rund 80 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels über China laufen.

USA bauen eilig Raketenschirm für Südkorea

Russlands Vizeaußenminister Gennadi Gatilow warnte, Sanktionen könnten zu einer Verschlechterung der humanitären Lage in dem ohnehin isolierten Land führen. Sanktionen dürften kein Selbstzweck sein, "sondern ein Instrument, um das Land für konstruktive Verhandlungen zu gewinnen", sagte Gatilow. Nur mit Strafmaßnahmen sei der Konflikt nicht zu lösen. Nordkorea werde von seinem Atomprogramm nicht lassen, solange es sich bedroht fühle.

Uno-Generalsekretär António Guterres hatte das Verhalten Nordkoreas zuvor auf das Schärfste verurteilt. Er sei sehr besorgt über das Risiko einer militärischen Eskalation des Streits - "auch durch Fehlkalkulation oder Missverständnis".

Lieferung des Raketenabwehrsystems THAAD auf dem Flughafen von Seoul
AFP

Lieferung des Raketenabwehrsystems THAAD auf dem Flughafen von Seoul

Bereits am Mittwoch hatte das US-Militär mit dem Aufbau eines umstrittenen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen, gegen das sich auch Friedensaktivisten in dem asiatischen Land engagieren. Ein Sprecher des Pentagon sagte, das Abwehrsystem werde sehr bald in einer ersten Stufe einsatzfähig sein. Außerdem haben die USA zuletzt einen Flugzeugträger auf den Weg in die Region geschickt und ein Raketen-U-Boot in den südkoreanischen Hafen Busan entsandt.

Die Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (Asean) ermahnte Nordkorea bei einem Treffen in Manila am Freitag zur Einhaltung von Völkerrecht und Uno-Resolutionen. Das Auswärtige Amt rät derzeit von allen nicht erforderlichen Reisen in das kommunistische Land dringend ab.

cht/dpa/Reuters

insgesamt 54 Beiträge
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tailspin 28.04.2017
1. Es wird nicht verhandelt. Es wird zurueckgeschossen.
So, er will nicht mal reden, um einen Krieg abzuwenden, der Tillerson. Lieber draufhauen. Volles Risiko. Wie ist dieser Windbeutel eigentlich zuvor Chef von Exxon geworden?
realist114 28.04.2017
2. Wie bitte?
"Nicht mit Gesprächen belohnen..." Bin ich der Einzige, der das unsäglich albern findet? Da fällt mir nichts mehr zu ein.
zeichenkette 28.04.2017
3. Diplomatie ist die Vorbereitung des Krieges mit anderen Mitteln?
Gesprächsverweigerung ist ja wirklich eine tolle Idee. Die nordkoreanische Führung ist offensichtlich paranoid, wobei man das fast verstehen kann. Und ein Krieg in Korea ist bei der enormen konventionellen Bewaffnung Nordkoreas auch ohne Atomwaffen katastrophal genug, Seoul liegt satt in der Reichweite Nordkoreas und würde bei einem Krieg sehr schnell völlig zerstört sein. Säbelrasseln ist da völlig fehl am Platz. Aber man hat das Gefühl, als sei Trump überhaupt nicht abgeneigt, durch einen Krieg von seinem innenpolitischen Versagen abzulenken. Korea an sich ist ihm da völlig egal.
grand-poobah 28.04.2017
4. Es war noch nie gut
übereinander zu reden, anstatt miteinander. Wollen die USA den Konflikt nur am Leben erhalten, um einen Raketenschirm in Korea zu installieren, der eigentlich chinesische Raketen abwehren soll?
sachsenbirne 28.04.2017
5. 2003
Diese Drohgebärden und ständigen Behauptungen von der unmittelbaren Gefahr erinnern mich sehr an die Zeit kurz vor der Invasion durch die "Koalition der Willigen". Werden wieder alle tatenlos zusehen wie die USA einen völkerrechtwidrigen Angriffskrieg vor laufender Kamera führt?
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