Nordkorea Vertrauter von Machthaber Kim stirbt bei Autounfall

Kim Yang Gon galt als moderate Stimme in Pjöngjang - und als enger Vertrauter von Kim Jong Un. Jetzt ist der mächtige Parteifunktionär tot. Das könnte die Annäherung von Nord- und Südkorea bremsen.

Kim Yang Gon (Mitte): Das Bild zeigt den Berater des Staatschefs mit anderen Parteifunktionären
AP

Kim Yang Gon (Mitte): Das Bild zeigt den Berater des Staatschefs mit anderen Parteifunktionären


Er war ein enger Vertrauter des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un: Parteifunktionär Kim Yang Gon ist nach offiziellen Angaben tödlich verunglückt. Der Berater des Staatschefs sei am Dienstag im Alter von 73 Jahren bei einem Verkehrsunfall gestorben, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Kim Yang Gon gehörte jahrzehntelang zum engsten Machtzirkel in Pjöngjang. Er galt Beobachtern zufolge als moderat.

KCNA kündigte für Donnerstag ein Staatsbegräbnis an. In dem Bericht wurde der Verstorbene als treuer Anhänger von Staatsgründer Kim Il Sung und dessen Sohn und Nachfolger Kim Jong Il gelobt und als der "liebste und zuverlässigste Mitstreiter" des jüngsten Vertreters der nordkoreanischen Herrscherdynastie, Kim Jong Un. Sein Tod sei ein "großer Verlust für die Partei und das Volk", hieß es.

Der Karrierefunktionär war innerhalb der Führung zuständig für die Beziehungen zu Südkorea und die Wiedervereinigung. Als der junge Kim Jong Un nach dem Tod seines Vaters 2011 an die Macht kam, wurde Kim Yang Gon sein wichtigster Berater in internationalen sowie interkoreanischen Fragen. 2007 hatte er maßgeblich dazu beigetragen, dass das Gipfeltreffen zwischen dem damaligen nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il und dem damaligen südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Hyun zustande kam.

"Negative Folgen für die Beziehungen"

Inmitten neuer Spannungen zwischen den Nachbarländern nahm Kim Yang Gon im August an einem bilateralen Treffen teil. Dabei ging es um eine Minenexplosion an der gemeinsamen Grenze, für die Seoul Nordkorea verantwortlich machte. Bei dem Treffen wurde vereinbart, Fortschritte im Bereich der Begegnung von Bürgern beider Länder zu machen. Weitere bilaterale Gespräche endeten diesen Monat jedoch ohne konkrete Ergebnisse.

Beobachtern zufolge könnte Kim Yang Gons Tod den Prozess der Annäherung beider Staaten zurückwerfen. Der Tod werde "negative Folgen für die Beziehungen" zwischen Nord- und Südkorea haben, sagte Yang Moo Jin von der Universität für Nordkorea-Studien. Er sehe niemanden in Nordkorea, der Kim Yang Gon ersetzen könne als denjenigen, der die Unterbreitung von Vorschlägen im Bereich der Versöhnung wagt und dahingehend den Staatschef berät. Kim Yong Hyun von der Dongguk-Universität sagte, der Tod des Funktionärs werde den Dialog bremsen.

Spekulationen über Todesursache

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete von Spekulationen darüber, ob Kim Yang Gon tatsächlich durch einen Unfall starb oder ob er Opfer eines Komplotts wurde. Einige der einflussreichsten nordkoreanischen Parteifunktionäre starben nach offiziellen Angaben durch Verkehrsunfälle, darunter Kim Yang Gons Vorgänger Kim Yong Sun im Jahr 2003 und der mächtige Funktionär Ri Je Gang 2010, der in einen Machtkampf mit Kim Jong Uns Onkel Chang Song Thaek verwickelt gewesen sein soll. Chang überlebte 2006 einen Verkehrsunfall, wurde aber 2013 auf Veranlassung seines Neffen hingerichtet.

Nord- und Südkorea befinden sich seit dem Ende des Koreakriegs 1953 formal im Kriegszustand, es wurde kein Friedensabkommen geschlossen. Immer wieder hat es Versuche einer Annäherung zwischen dem kommunistischen Norden und dem westlich orientierten Süden gegeben. Aber der Streit um das nordkoreanische Atomprogramm und wiederholte Raketentests sorgten für Rückschläge. Während Südkorea dem Norden eine atomare Aufrüstung vorwirft, fühlt sich Nordkorea durch gemeinsame Militärmanöver Südkoreas mit den USA provoziert.

kev/AFP/dpa

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