Konflikt mit Nordkorea Vier Optionen für Trump

Donald Trump und Kim Jong Un überbieten sich mit wütenden Drohungen. Kommt es zum Krieg mit Nordkorea? Welche Alternativen gibt es? Was der US-Präsident jetzt tun kann.

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Es waren wüste Worte, die wohl selbst in Donald Trumps Team manche zusammenzucken ließen. Der US-Präsident drohte Nordkorea mit "Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat" - um später festzustellen: "Vielleicht war die Aussage nicht hart genug." Pjöngjang solle sich zusammenreißen, andernfalls gäbe es Schwierigkeiten, von denen niemand gedacht habe, dass sie möglich seien.

Keine Frage, auf sprachlicher Ebene ist der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea längst eskaliert. Hintergrund sind die fortdauernden Atom- und Raketentests des kommunistischen Landes und die nicht minder drastischen Warnungen des Kim-Regimes.

Doch noch bleibt es beim Säbelrasseln. Einen Krieg scheuen beide Seiten. Die Folgen wären kaum vorhersehbar. Für die Regierung in Pjöngjang würde er wohl zwangsläufig das Ende bedeuten. Womöglich müssten davor aber Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen Menschen sterben, unter anderem in Südkorea, dem Verbündeten der Amerikaner.

Doch Washington muss es nicht darauf ankommen lassen. Tatsächlich hat Trump vier Optionen:

1. Verhandeln

Es wäre der sichere Weg, um eine Katastrophe zu vermeiden: Washington und Pjöngjang setzen sich an den Verhandlungstisch. Klar ist: Ohne Zugeständnisse ginge es dabei nicht - auf beiden Seiten. "Freeze for Freeze" ist eine Variante, die immer wieder ins Spiel gebracht wird: Nordkorea stoppt seine Atomtests, im Gegenzug verzichten die Amerikaner und Südkorea auf ihre Militärübungen in der Region. Auch könnten sie eine Lockerung der Sanktionen gegen Pjöngjang anbieten.

Trump sagte, die USA würden Verhandlungen jederzeit in Erwägung ziehen - ein Signal, dass die Tür noch nicht zu ist. Allerdings: Für viele Hardliner in Washington wäre das kein leichter Schritt. Sie müssten vorerst ein zentrales Ziel der Vereinigten Staaten aufgeben: das Ende des Kim-Regimes. Und sie müssten den Status quo akzeptieren, dass Nordkorea Atommacht bleibt. Unklar ist auch, ob sich Pjöngjang auf einen solchen Deal einließe. Denn die Regierung sieht offensichtlich in der Weiterentwicklung ihres Nuklearprogramms eine Lebensversicherung.

2. Schweigen

Trumps Vorgänger Barack Obama hat lange auf diese Strategie gesetzt: Er ignorierte Pjöngjang einfach. Kaum Hilfen mehr mit Nahrungsmitteln, aber auch keine großen Verbalattacken. Trump hat in den ersten Monaten seiner Amtszeit gezeigt, dass er auf einen anderen Kurs setzt. Der Republikaner schießt mit voller Härte gegen Nordkorea.

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Dabei hätte die Schweigetaktik für Washington zumindest den Vorteil, dass die Amerikaner keine Kompromisse eingehen müssten, ohne einen militärischen Konflikt zu provozieren. Voraussetzung wäre aber, dass auch Kim stillhält. Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass der Diktator etwa in Südkorea einmarschieren will - das Risiko wäre einfach zu groß. Doch was er tatsächlich vorhat, weiß im Westen niemand.

3. Diplomatischer Druck

Erst kürzlich hat der Uno-Sicherheitsrat weitere Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen. Dem isolierten Land ist fortan unter anderem der Export von Kohle, Eisen und Blei untersagt. Denkbar wäre, dass die Amerikaner und die Vereinten Nationen versuchen, durch weitere Strafmaßnahmen den Druck auf Pjöngjang zu erhöhen.

Trump allerdings hat klargemacht, dass er an der Wirkung der Sanktionen zweifelt. Er hofft nun auf eine andere Macht: China. Die Volksrepublik ist noch immer Nordkoreas wichtigster Partner. Trump versucht Peking deshalb dazu zu bewegen, Einfluss auf Kim zu nehmen.

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Streit mit Nordkorea: Ein Konflikt - viele mischen mit

Die dortige Führung hält sich bislang jedoch zurück. Für China ist Nordkorea ein Puffer zu den US-Soldaten im Süden der Halbinsel. Außerdem will die Volksrepublik vermeiden, dass im Falle eines Krieges Hunderttausende Flüchtlinge in ihr Land kommen. Doch Trump sagt: "Ich denke, China kann sehr viel mehr tun."

4. Angreifen

Es kann zum Krieg kommen - das gehört zur Wahrheit, selbst wenn man davon ausgehen kann, dass Trumps Berater dem Präsidenten davon abraten. Beide Führer, Kim und Trump, gelten als impulsiv, am Ende kann eine Kurzschlussreaktion den Ausschlag geben. Wenn Washington sich für Gewalt entscheidet, bleiben mehrere Möglichkeiten: Die USA könnten etwa ein Attentat auf Kim verüben oder gezielt nordkoreanische Waffenlager beschießen.

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US-Atomarsenal: Präsident Trump und die Bombe

Doch wie würde Pjöngjang reagieren? Ebenfalls nur vereinzelt Attacken fahren, zum Beispiel gegen die US-Pazifikinsel Guam, wie bereits angedroht? Oder sofort zum Großangriff blasen?

Die Horrorszenarien gibt es bereits: Eine einzelne Atombombe gegen Südkoreas Hauptstadt Seoul würde etwa 180.000 Menschen das Leben kosten, schreibt die "Washington Post". Zudem gibt es immer wieder Berichte über Tunnel, durch die Nordkoreas Soldaten in den Süden gelangen könnten. Und im Westen geht man davon aus, dass das Kim-Regime über Tonnen von Chemiewaffen verfügt.

Welche Länder am Ende in den Konflikt involviert wären: unklar. Die amerikanische Westküste wäre mit nordkoreanischen Raketen in etwa einer halben Stunde erreichbar. US-Schiffe würden natürlich versuchen, sie mit eigenen Bomben abzufangen. Doch sicher ist: Pjöngjang hat das Potenzial, für Angst und Schrecken zu sorgen.

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petergrimes 11.08.2017
1. Weit weg?
Ist Korea weit weg und muß ich mir deswegen keine Sorgen machen? Vielleicht. Ich habe aber Freunde aus China, aus Südkorea, aus Japan. Spätestens jetzt mache ich mir Sorgen.
micromiller 11.08.2017
2. Uns Barack hatte ja auch den
Friedensnobelpreis ... ohne erkennbare Leistung erhalten.... oder gibt es Leistungen, die uns verborgen blieben? Uns Donald und der kleine Diktator sind beide sehr laute Hähne, der eine wird von einem demokratischen System kontrolliert, der andere kontrolliert sich selbst. Herr Donald hat den undankbaren Istzustand geerbt, den seine eleganten Vorgänger ungebremst wuchern liessen. Natürlich muss gehandelt werden und sicherlich kann Donald laut quarken, die Entscheidungen fällt er mit Sicherheit nicht alleine. DIe Dienste und Militär werden im klar machen wohin die Reise geht und was sinnvoll ist und was nicht... Bellende Hund beissen nicht..
flipbauer 11.08.2017
3. Wir
..haben wenig Möglichkeiten, außer Nordkorea und die USA total zu isolieren. Aber bald.
gandhiforever 11.08.2017
4. Verhandlungen
Auch wenn es die Kriegsfreunde nicht wahr haben wollen, aber Nordkorea fordert seit langem direkte Verhandlungen mit den USA, doch da man in Washington meint, NK muesse erst einmal sein Unterwuerfigkeit beweisen,und Vorbedingungen stellt, ist es bisher eben nicht zu Verhandlungen gekommen. Und, sollte, Washington nun von den Vorbedingungen (Stopp des Atom- und Raketenprogramms) abruecken, waere das in den Augen jener Amerikaner, die Verhandlungen als Zeichen von Schwaeche werten, weil sie nur an Siegen (sprich Krieg) denken koennen, ein Nachgeben, Appeasement. Trump hat sich unnoetigerweise in diese Position gebracht, vielleicht war es aber auch bewusst, um von den juengsten Ermittlungen in derRusslandaffaere abzulenken, denn das FBI hat zu naechtlicher Stunde bei Manafort eine Hausdurchsuchung durchgefuehrt. Fuer so einen Schritt erteilt ein Richter nur dann eine Bewilligung, wenn trifftige Gruende vorliegen.
scratchpatch 11.08.2017
5. Trump alleine entscheidet
Das Schlimme ist ja, dass es keine "checks and balances" in der Frage gibt, dass Trump ganz alleine nur durch einen Satz den Befehl zum militärischen Einsatz erteilen kann und niemand darf sich ihm widersetzen. Anscheinend müsste er dann innerhalb von 48 Stunden dem Kongress Bericht erstatten und innerhalb von 60 Tagen den Einsatz abbrechen, wenn der Kongress das nicht billigt (wobei es wohl auch da Wege gibt, das zu umgehen), aber das wäre natürlich viel zu spät. Nach rationalem Denken würde man meinen, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass Trump ein solches Risiko eingehen sollte, aber Trump handelt nicht rational. Mir scheint es möglich, dass er sich an seiner eigenen Macht berauscht, dass er sich in eine Realität hinein denken und reden kann, in der es als einzige Alternative erscheint, Nordkorea militärisch anzugreifen.
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