Vor geplantem Gipfeltreffen Nordkorea warnt USA vor Prahlerei

Nordkorea reagiert gereizt auf markige Worte aus Washington. Das Land warnte die USA davor, die jüngste diplomatische Annäherung als Erfolg von Präsident Trumps Politik und als Schwäche Pjöngjangs auszulegen.

Kim Jong Un
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Kim Jong Un


In wenigen Wochen soll ein historisches Gipfeltreffen zwischen dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump stattfinden. Doch nun gibt es warnende Worte aus Pjöngjang. Denn die dortige Führung will sich nicht als Unterlegener im Machtkampf mit den USA darstellen lassen. Nordkorea warnte die US-Regierung davor, die jüngsten diplomatischen Gespräche allein auf den Druck aus Washington zurückzuführen.

Die USA würden die "friedensliebende Absicht der Volksrepublik als Zeichen der Schwäche" auslegen, erklärte das Außenministerium in Pjöngjang. Dies sei "nicht förderlich" für Gespräche und könne "die Situation wieder ganz an den Anfang bringen". Auch setzten die USA ihren "Druck und militärische Bedrohungen" fort und wollten die aktuelle "Dialog-Atmosphäre" untergraben. Es wäre förderlich, wenn die USA das Problem angehen würden, wurde ein Sprecher von den Staatsmedien zitiert.

Pjöngjang warf Washington vor, die öffentliche Meinung in die Irre zu führen, indem die USA die Absicht Nordkoreas zur atomaren Abrüstung als Resultat von "sogenannten Sanktionen und Druck" bezeichne.

US-Präsident Trump hatte Ende April bei einer Kundgebung vor Anhängern gesagt, durch seine Politik der Stärke gegenüber Nordkorea habe er die USA vor einem "Atomkrieg" bewahrt. Sein "maximaler Druck" mit harter Rhetorik und scharfen Sanktionen habe zu einem Durchbruch im Konflikt mit Pjöngjang geführt.

Nachdem die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea im vergangenen Jahr zugenommen hatten, kam im Februar diplomatische Bewegung in den Konflikt. Ende April kamen Kim und der südkoreanische Staatschef Moon Jae In zu einem historischen Gipfeltreffen im Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea zusammen. Dabei bekannten sie sich zum Ziel eines dauerhaften und stabilen Friedens und einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel.

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Treffen von Kim und Moon: Ein Schritt nach vorn

Ende Mai oder Anfang Juni soll es ein Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Trump geben. Der Sprecher der nordkoreanischen Führung ging nicht ausdrücklich auf das geplante Treffen ein. Eine offizielle Ankündigung der Begegnung durch Pjöngjang steht noch aus. Trump hatte erklärt, Ort und Zeit für das in wenigen Wochen geplante Treffen stünden fest. Demnach will er sich am 22. Mai mit seinem südkoreanischen Kollegen Moon Jae In treffen, um die Begegnung mit dem nordkoreanischen Diktator Kim vorzubereiten.

Das historische amerikanisch-nordkoreanische Gipfeltreffen soll den Weg für eine dauerhafte Entspannung auf der koreanischen Halbinsel ebnen, die seit dem Koreakrieg (1950 - 1953) keine Friedenslösung gefunden hat. Ein wesentliches Hindernis ist die atomare Aufrüstung Nordkoreas, die Pjöngjang gegen den Widerstand des Uno-Sicherheitsrates und der darin vertretenen Atommächte vorangetrieben hat.

Nun geht es um den "Denuklearisierung" genannten Abbau der Kernwaffenarsenale, wobei auch die Bewaffnung der US-Streitkräfte in der Region zur Sprache kommen dürfte. Der Streit um das nordkoreanische Atomprogramm gilt als einer der gefährlichsten Konflikte in der Weltpolitik. Bisher hatte Nordkorea jedem Druck widerstanden und auf militärische Drohgebärden gesetzt. Anfang des Jahres war Kim allerdings auf einen Entspannungskurs umgeschwenkt. Er hatte dabei eine Position der Stärke propagiert, weil seine Atomwaffen dank neuer Raketen nun das Kernland der USA erreichen könnten.

mmq/AFP/dpa

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rainer_daeschler 06.05.2018
1. Fingerspitzengefühl?
Verhandlungen sind nur durchführbar, wenn der Kim Jong-un nicht als "der in die Knie Gezwungene" vorgeführt wird. Das wäre innenpolitisch sein Ende. Doch wie kann man das Trump beibringen?
Ekatus Atimoss 06.05.2018
2. Den gleichen Gedanken hatte ich auch...
Zitat von rainer_daeschlerVerhandlungen sind nur durchführbar, wenn der Kim Jong-un nicht als "der in die Knie Gezwungene" vorgeführt wird. Das wäre innenpolitisch sein Ende. Doch wie kann man das Trump beibringen?
...natürlich glaube ich nicht, dass Brudermörder Kim so ohne weiteres vom Saulus zum Paulus mutiert ist. Trump in seiner Selbstverliebtheit könnte es aber durchaus schaffen, dass sich Nordkorea gedemütigt fühlt und alles was bisher geschehen ist zunichte machen. Trumps Prahlerei wird auch in China nicht gut ankommen. Auf der anderen Seite ist Trumps Geltungssucht eine Schwäche, die Kim womöglich gut auszunutzen weiss.
xpingus 06.05.2018
3.
Zitat von rainer_daeschlerVerhandlungen sind nur durchführbar, wenn der Kim Jong-un nicht als "der in die Knie Gezwungene" vorgeführt wird. Das wäre innenpolitisch sein Ende. Doch wie kann man das Trump beibringen?
Das kann doch nicht gewollt sein. Denn dann würden die USA auch irgendwann ihre Einflusssphäre in dieser Region zurückfahren (müssen). Und das wird garantiert nicht passieren. Hier geht es allein schon darum, China und Russland zurückzudrängen. Wer ist Nordkorea? Ein kleiner Störfaktor.
Beijinger 06.05.2018
4. Ich wiederhole mich,
wenn Trump glaubt, er kann bei den bevorstehenden Gesprächen mit Kim etwas erreichen, glaubt er auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten. Seine Angeberei ist bei Asiaten nicht willkommen und die lassen ihn in einer Ihnen eigenen subtilen Weise komplett auflaufen. Und das gilt für seinen hastig zusammengewürfelten Stab, wie die beiden Scharfmacher Mike Pompeo und John Bolton in gleicher Weise. They will simply screw it up.
Atheist_Crusader 06.05.2018
5.
Zitat von Ekatus Atimoss...natürlich glaube ich nicht, dass Brudermörder Kim so ohne weiteres vom Saulus zum Paulus mutiert ist. Trump in seiner Selbstverliebtheit könnte es aber durchaus schaffen, dass sich Nordkorea gedemütigt fühlt und alles was bisher geschehen ist zunichte machen. Trumps Prahlerei wird auch in China nicht gut ankommen. Auf der anderen Seite ist Trumps Geltungssucht eine Schwäche, die Kim womöglich gut auszunutzen weiss.
Das hat er doch schon. Es hat seinen Grund, warum sich US-Präsidenten nicht mit Drittweltdiktatoren treffen: es würde sie legitimieren. Aber Trump hat nur gehört "noch nie passiert" und schon schien es ihm etwas was er tun sollte. Auch sonst haben sich die USA bisher ziemlich an der Nase herumführen lassen. So haben sie sich friewillig an die Seitenlinie der Verhandlungen stellen lassen. Dass Nord und Süd reden ist ja nicht schlecht, aber die USA haben sich freiwillig aussperren lassen. Und man wird den Eindruck nicht los dass das nordkoreanische Argument dazu lautete "Wir mögen euch nicht und ihr mögt uns nicht - aber lasst uns den Wahnsinnigen in Washington mal da raushalten.".
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