Nordkorea Warum Onkel Chang sterben musste

Es ging offenbar um Krabben und Muscheln: Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ließ seinen Onkel vermutlich töten, weil er in manchen Wirtschaftszweigen zu mächtig wurde. Schon Wochen vor der Hinrichtung soll es zu einem Schusswechsel gekommen sein.

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Seoul - Die genauen Hintergründe der Exekution von Chang Song Taek, dem Onkel von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un, gaben Experten Rätsel auf. Doch nun gibt es eine neue, mögliche Erklärung: Laut Ermittlungen von Experten aus Südkorea und den USA soll der Kampf um wirtschaftliche Macht eine zentrale Rolle gespielt haben, wie die "New York Times" berichtet.

Demnach ging es bei dem Konflikt um Kohle, Krabben und Muscheln, drei der wichtigsten Exportgüter des Landes. Chang, der zweitmächtigste Mann des Staates, hatte wertvolle Fanggründe für Meerestiere in seine Gewalt gebracht. Vor allem in China herrscht große Nachfrage nach Krabben und Muscheln aus Nordkorea.

Im Streit um die Kontrolle über das lukrative Meeresfrüchtegeschäft ließ Kim laut dem Zeitungsbericht sogar seine Truppen ausrücken, um die Fanggründe in Besitz zu nehmen. Die schlecht ausgebildeten Soldaten wurden aber von Changs bewaffneten Getreuen zurückgeschlagen, zwei Menschen sollen bei den Schusswechseln ihr Leben verloren haben.

"Das Verhältnis wurde immer angespannter"

Weil Chang und seine Leute zudem kräftig am Export von Kohle nach China verdienten, kam es zu einer Spaltung der Eliten in Nordkoreas - die Unterstützer des Onkels stellten sich gegen die Unterstützer des Neffen. "Das Verhältnis zwischen den Mächtigen wurde immer angespannter, es ging um Privilegien und um den Machtmissbrauch durch Chang Song Taek und seine Verbündeten", sagte Südkoreas Geheimdienstchef Nam Jae Joon.

Laut der südkoreanischen Agentur Yonhap sollen Chang und seine Mitarbeiter ihre Machtbefugnisse überschritten haben und mit anderen nicht näher genannten Dienststellen ins Gehege gekommen sein. Machthaber Kim Jong Un habe den Disput lösen müssen, zitierte Yonhap einen Teilnehmer eines Geheimdienstbriefings. Weil Chang dann eine Anordnung nicht befolgt habe, sei er wegen Missachtung der obersten Führung mit dem Tod bestraft worden.

Am 12. Dezember wurde Chang wegen Hochverrats hingerichtet, nachdem er während einer Sondersitzung verhaftet worden war. Zuvor waren bereits zwei seiner wichtigsten Vertrauten zum Tod verurteilt worden. Die Namen der Getöteten wurden bereits aus zahlreichen öffentlichen Dokumenten getilgt, ihre Gesichter aus Fotos wegretuschiert.

Sie werden wohl nicht die letzten Todesopfer der Machtkämpfe sein: Die südkoreanische Tageszeitung "The Chosunilbo" berichtete, dass die Säuberungen in Nordkorea weitergingen. Demnach soll Kim nun Anhänger von Chang in den Provinzen hinrichten lassen.

sto/dpa

insgesamt 32 Beiträge
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fraumarek 24.12.2013
1. Da merkt man wieder...
...wie gut es uns hier geht ! Und wie dankbar man sein kann, hier geboren zu sein und nicht in Nordkorea.
tarraco 24.12.2013
2.
Kabbeln und Kuscheln oder Krabben und Muscheln ;-) War schön, die Weihnachtsfeier?
curiouscat 24.12.2013
3. Fehlerkorrektur
Zitat von sysopGetty ImagesEs ging offenbar um Krabbeln und Muscheln: Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un ließ seinen Onkel vermutlich töten, weil er in manchen Wirtschaftszweigen zu mächtig wurde. Schon vor Wochen vor der Hinrichtung soll es zu einem Schusswechsel gekommen sein. Nordkorea: Warum Kim Jong-Un seinen Onkel Chang Song Taek töten ließ - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-warum-kim-jong-un-seinen-onkel-chang-song-taek-toeten-liess-a-940784.html)
Das ist so nicht richtig. Es ging vielmehr um Krabbeln und Nuscheln! Kim konnte es einfach nicht ertragen, daß sein Onkel Babys mochte, aber nicht ihn (obwohl er sich so eine Mühe gibt wie ein dickes verzogenes Kind auszusehen!).
rainer_daeschler 24.12.2013
4. Gierige Oberschicht
Eine gierige Oberschicht, eigentlich gegenüber dem gemeinen Volk auf der Sonnenseite des Lebens, die sich untereinander das Leben schwer macht.
groove76 24.12.2013
5.
Wer Absurdistan Nordkorea ein wenig besser verstehen möchte, so weit wir das überhaupt jemals könnten, empfehle ich Das geraubte Leben des Waisen Jun Do von Adam Johnson.
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