Nach Nordkorea-Gipfel Was Trumps Treffen mit Kim gebracht hat

US-Präsident Trump feiert seine Treffen mit Diktatoren und Autokraten. Aber sind sie mehr als großes Medienspektakel? Knapp sechs Wochen nach dem Gipfel mit Kim Jong Un ist die Bilanz ernüchternd.

Kim und Trump in Singapur
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Kim und Trump in Singapur

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Für die Pressekonferenz mit Wladimir Putin hatte sich Donald Trump einen besonderen Satz überlegt: "Ich nehme lieber ein politisches Risiko auf mich, um Frieden zu schaffen, als den Frieden für die Politik zu riskieren." Später am Tag des umstrittenen Treffens mit Russlands Staatschef in Helsinki wiederholte Trump das Zitat noch einmal bei Twitter - so gut gefiel es ihm. Er offenbart damit: Als selbstloser Friedensstifter möchte er gesehen werden, nicht als Diktatorenfreund.

Zwar ist es grundsätzlich immer gut, miteinander zu sprechen. Doch Trump ist bereit, dafür Autokraten und Despoten weit entgegenzukommen. Das war in Helsinki so - aber auch beim Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un Mitte Juni. Alles reine Medienspektakel ohne politischen Ertrag?

Die Begegnung mit Putin, das scheint jetzt schon klar, kann Trump kaum als Fortschritt deklarieren - stattdessen bemüht er sich seit Tagen um Schadensbegrenzung. Noch besser aber lässt sich mit dem Abstand von knapp sechs Wochen der Gipfel in Singapur beurteilen. Was haben die Gespräche mit Kim bisher gebracht?

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Trump und Kim in Singapur: Ein bisschen Frieden

In dem Abkommen, das Kim und Trump unterzeichneten, bekennt sich der Nordkoreaner zu einer kompletten nuklearen Abrüstung. Allerdings: Das Gleiche hatte er schon Monate zuvor zugesagt. Trump brüstete sich trotzdem mit der Erklärung: Es gehe keine nukleare Bedrohung von Nordkorea mehr aus, twitterte er noch auf dem Heimweg.

Hält sich Nordkorea an seine Zusagen? Auf den ersten Blick läuft alles nach Plan - wenn man bedenkt, dass das Abkommen keine konkreten Schritte oder einen zeitlichen Rahmen vorsieht. Es werden aber wie vereinbart Verhandlungen auf Arbeitsebene geführt. Dabei müsse Nordkorea allerdings noch den Beweis erbringen, dass es die Gipfel-Zusagen ernst meine, heißt es laut Medienberichten in Geheimdienstkreisen.

Das Gipfeltreffen in Singapur sei voller mächtiger Symbole gewesen, sagt Bernhard Selinger, Nordkorea-Experte der Hanns-Seidel-Stiftung in Seoul. Konkrete Fortschritte bei der Denuklearisierung habe es aber nicht gegeben. "Dennoch sollte die Ankündigung 'vieler weiterer Treffen' durch Trump damals nicht einfach belächelt werden", sagt er. Letztlich sei genau das von der Öffentlichkeit immer gefordert worden: "Denuklearisierung als langer, mühsamer Prozess."

Ein Prozess, der schon in den ersten Wochen nach dem Gipfel Rückschläge erlitt. Den Experten der Website "38 North" zufolge ist auf Satellitenbildern zu sehen, dass das nordkoreanische Regime die Infrastruktur um den Atomreaktor Yongbyon weiter ausbaut. So soll etwa an dem Kühlsystem eines Reaktors gearbeitet worden sein, der früher Plutonium herstellte. Zwar sei mit den Arbeiten schon vor dem Gipfel mit dem US-Präsidenten begonnen worden, die nordkoreanische Führung gab danach aber auch nicht den Befehl, diese einzustellen. Die Website "38 North" wird von ehemaligen Mitarbeitern des US-Außenministeriums betrieben.

Satellitenbilder von Yongbyon (30. Juni 2018)
DigitalGlobe/ Getty Images

Satellitenbilder von Yongbyon (30. Juni 2018)

Trump, der auf eine sofortige Umsetzung der Vereinbarung bestanden hatte, verkündete bei seiner Pressekonferenz in Singapur, dass die Nordkoreaner schon begonnen hätten, Anlagen einzureißen. Worauf er sich dabei konkret bezog, blieb lange unklar. Beobachter gehen davon aus, dass er den Raketen-Motor-Teststand in Sohae gemeint hatte. Dort seien aber bis heute keine Abrissarbeiten zu beobachten gewesen, heißt es bei "38 North". Zudem berichtete der TV-Sender NBC News, das Regime in Pjöngjang habe neben der bekannten Aufbereitungsanlage Yongbyon mehrere geheime Atomstandorte und könnte versuchen, dies zu vertuschen.

"Business as usual"

Ein Problem sei nun, dass nach den Gesprächen mit Trump der Sanktionsdruck auf Nordkorea nachgelassen habe, sagt Koreaexperte Seliger. Vor allem China, der engste Verbündete Nordkoreas, der sich zuletzt den Uno-Sanktionen angeschlossen hatte, habe die Beschränkungen schon wieder gelockert. "In vielen Bereichen - Öllieferungen, Kohleverkauf, Grenzhandel - herrscht zwischen Nordkorea und China wieder business as usual", sagt Seliger. "Und mit jeder weiteren Woche, die sich das Abwarten hinzieht, wird es unwahrscheinlicher, dass doch noch ein Durchbruch erfolgt."

Auch Martin Hinrichs von der Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican, die vergangenes Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, sieht noch keine konkreten Veränderungen: "Bisher ist also davon auszugehen, dass die Nuklearaktivitäten unvermindert weitergehen", sagt er. "Für Fortschritte wären vertrauensbildende Maßnahmen von beiden Seiten nötig, Zugeständnisse der USA auch beim Thema Friedensverhandlungen und mehr Transparenz Nordkoreas über die eigenen nuklearen Einrichtungen."

Nordkorea nach Pompeo-Besuch empört

Doch auch die Gespräche dazu laufen offenbar nicht, wie sie sollten. Ein Besuch des US-amerikanischen Außenministers Mike Pompeo vor knapp zwei Wochen geriet zum Desaster. Kim weigerte sich, den hohen Besuch in Pjöngjang zu treffen - er soll stattdessen eine Kartoffelfarm besichtigt haben. Pompeo sprach mehrere Stunden lang mit Kim Yong Chol, mit dem er auch das Gipfeltreffen eingefädelt hatte. Beide betonten, sie hätten "etwas klarzustellen". Details nannten sie nicht.

Das nordkoreanische Regime bezeichnete das Treffen hinterher als "besorgniserregend" und warf der US-Seite vor, sie habe kriminelle (im Original: "gangster-like") Ansprüche an die Denuklearisierung Nordkoreas. "Wir dachten, die US-Amerikaner würden mit den guten Absichten des Gipfels hierher kommen", heißt es in der Erklärung, die hinterher von der nordkoreanischen Staatspresse verbreitet wurde. "Aber unsere Hoffnungen waren naiv und leichtgläubig." Gleichzeitig behalte man aber den "guten Glauben an Präsident Trump".

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Kater Bolle 22.07.2018
1. Außer Spesen nichts gewesen..........
da haben sich in Singapur zwei Egos getroffen und beweihräuchert. Alle ohne Substanz. Der eine wollte von Anfang an nicht und der andere träumte vom großen Deal. Heute sind beide wieder bei Null. War jedoch im Vorfeld schon abzusehen.
panzerknacker 51 22.07.2018
2. Naja
Willy Brandt ist seinerzeit auch für seine Aktivitäten in Bezug auf die DDR massiv angefeindet worden ("Wandel durch Annäherung").Miteinander reden ist allemal besser als aufeinander zu schießen, auch wenn Erfolge zunächst ausbleiben. Das sollte man auch einem Herrn Trump zubilligen.
ollydk 22.07.2018
3. Überraschung?
Nein, keineswegs. Warum auch? Jeder mit ein wenig Menschenverstand sollte erkennen können, dass bei Trump ein ordentlicher Hang zur Selbstdarstellung und Dampfplauderei vorhanden zu sein scheint. Was hat er denn bis jetzt wirklich Sinnvolles oder - um bei seinem begrenzten Wortschatz zu bleiben - Großartiges geleistet? Außer einen Scherbenhaufen nach dem nächsten zu hinterlassen, ist da bis jetzt ja leider nicht viel.
iasi 22.07.2018
4. Wie üblich, wenn´s um Trump geht: einseitig
Würde man nur diejenigen zitieren, die gegen das Atomabkommen mit dem Iran sind, dann würde nicht anderes klingen, als dieser Artikel. Nach 6 Wochen - muss Nordkorea nun also atomwaffenfrei sein, um das Treffen als Erfolg zu werten? Die Medien sind ganz offensichtlich Teil des Systems, das in den USA abgewählt wurde. Dadurch kommt die ausgewogene Information leider vollkommen unter die Räder. Die Medien verlieren dadurch an Glaubwürdigkeit und letztlich beziehen mehr und mehr Menschen ihre Informationen aus anderen - leider oft auch dubiosen - Quellen. Wem spielt dies wohl letztlich in die Hände?
KingTut 22.07.2018
5. Vorhersehbar
Auch die Washington Post widmet sich heute in einem ausführlichen Artikel diesem Thema, indem sie titelt: "In private, Trump vents frustration over lack of progress on North Korea". Er macht jetzt die gleiche Erfahrung wie mehrere US-Präsidenten vor ihm . Nord-Korea hat sein Ziel erreicht, nämlich eine internationale Aufwertung, die Lockerung der Sanktionen durch China, der einstweilige Verzicht auf Militärmanöver in Süd-Korea - während keine substantiellen Fortschritte bei der Denuklearisierung durch NK erkennbar sind. Ich stimme zu, dass es immer gut ist, miteinander zu reden, aber wenn der Narzisst Trump die Welt Glauben macht nur er alleine könne das Problem lösen, ohne dass greifbare Ergebnisse vorliegen, dann ist der Misserfolg schon vorprogrammiert und der Hohn gerecht. Angesichts dieser Erkenntnis kann einem Angst und Bange werden, wenn Trump mit Putin verhandelt und auf Kosten der Europäer Zugeständnisse macht, die unser aller Sicherheit und Wohlergehen betrifft.
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