Auswertung von Satellitenbildern IAEA befürchtet Neustart von Atomreaktor in Nordkorea

Nordkorea will den abgeschalteten Kernreaktor in Yongbyon offenbar wieder in Betrieb nehmen. Darauf deuten Satellitenaufnahmen hin, berichtet die Internationale Atomenergiebehörde. Die Anlage kann Plutonium für Atombomben produzieren.

Atomreaktor in Yongbyon (Archivbild von der Zerstörung des Kühlturms 2008): Wiederinbetriebnahme wahrscheinlich
REUTERS/ Kyodo

Atomreaktor in Yongbyon (Archivbild von der Zerstörung des Kühlturms 2008): Wiederinbetriebnahme wahrscheinlich


Wien - Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde hegt einen schweren Verdacht gegen Nordkorea. Auf Satellitenaufnahmen der Atomanlage in Yongbyon seien Aktivitäten zu erkennen, "die dem Bemühen um Wiederinbetriebnahme entsprechen", sagte Yukiya Amano. Deswegen befürchten die Uno-Atominspektoren, dass Nordkorea den stillgelegten Nuklearreaktor wieder in Betrieb nehmen will. Das erklärte Amano am Donnerstag in seiner Eröffnungsrede zur Sitzung des IAEA-Gouverneursrats, der zwei Tage lang hinter verschlossenen Türen tagen wollte.

Die Experten stützen sich vor allem auf die Auswertung von Bildern, direkten Zugang zu der Anlage hat die IAEA nicht. So sei es letztlich "unmöglich festzustellen, ob der Reaktor wieder hochgefahren" worden sei. Im April hatte Nordkorea gedroht, den Forschungsreaktor zu reaktivieren, um seine Atomstreitmacht "qualitativ und quantitativ zu stärken". Experten zufolge ist die Anlage in der Lage, Plutonium für Atombomben zu produzieren.

Bereits Anfang Oktober hieß es, der Fünf-Megawatt-Reaktor in der Atomanlage Yongbyon sei wieder hochgefahren worden. Abgeordnete in Seoul hatten Medienberichten zufolge gesagt, der südkoreanische Geheimdienst habe den zuständigen Parlamentsausschuss darüber informiert. Kurz zuvor hatte das US-Korea-Institut an der Johns-Hopkins-Universität berichtet, Satellitenbilder vom 19. September zeigten, dass bei dem Reaktor aus einem Abfluss des Kühlsystems heißes Wasser in einen Fluss fließe.

Denuklearisierung gefordert

Der Reaktor Yongbyon ist seit Jahren außer Betrieb. 2008 zerstörte die Regierung den Kühlturm des Reaktors - ein Zeichen des guten Willens für die damals laufenden Atomgespräche. Im Juli dieses Jahres erklärte die Führung in Pjöngjang, sie werde erst auf eine nukleare Abschreckung verzichten, wenn die USA ihre feindselige Politik dem Land gegenüber einstellten. Das international weitgehend isolierte Land hat wiederholt Forderungen ignoriert, auf den Bau von Atomwaffen und Langstreckenraketen zu verzichten.

Noch am vergangenen Wochenende hatte Südkorea gefordert, dass das kommunistische Nachbarland sein Atomprogramm aufgeben solle. "Der Fortschritt im Atomstreit mit Iran ist auch für Nordkorea von Bedeutung, da Druck auf das kommunistische Land ausgeübt werden könnte, das weiterhin die Atomoption wählt", sagten Vertreter des Außenministeriums in Seoul. Der US-Sonderbeauftragte für die Nordkorea-Politik, Glyn Davies, hatte ebenso bekräftigt, Pjöngjang müsse zunächst Schritte in Richtung Denuklearisierung unternehmen, damit die sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche wiederaufgenommen werden könnten.

vek/AFP/Reuters

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Seite 1
pg18 28.11.2013
1. amerika...
warum hat Amerika in dieser dauer-Diskussion denn bitte eine Sonderstellung? alle müssen Abrüsten und wenn nich sind sie unverantwortlich , eine Gefahr für den Weltfrieden ect...nur die lieben usa dürfen fröhlich weiter aufrüsten und vorhandene Atombomben verbessern
Stewie.119 28.11.2013
2.
Zitat von pg18warum hat Amerika in dieser dauer-Diskussion denn bitte eine Sonderstellung? alle müssen Abrüsten und wenn nich sind sie unverantwortlich , eine Gefahr für den Weltfrieden ect...nur die lieben usa dürfen fröhlich weiter aufrüsten und vorhandene Atombomben verbessern
Keiner hat eine "Sonderstellung". Jede Nation die den Atomwaffensperrrvertrag unterschrieben hat muss sich an diesen halten und tut es auch. Aufrüsten tut da keiner...oder welche Nation rüstet auf indem sie neue Atomwaffen baut? Ob eine Verbesserung des Arsenals ein Verstoß gegen den Vertrag darstellt muss anscheinend noch geprüft werden, aber anscheinend wissen Sie besser Bescheid als die Leute von der IAEA... Aber nochmal ein Tipp: Aufrüsten ist etwas anderes als verbessern...
KingTut 28.11.2013
3. Neue Atommächte verhindern
Zitat von pg18warum hat Amerika in dieser dauer-Diskussion denn bitte eine Sonderstellung? alle müssen Abrüsten und wenn nich sind sie unverantwortlich , eine Gefahr für den Weltfrieden ect...nur die lieben usa dürfen fröhlich weiter aufrüsten und vorhandene Atombomben verbessern
Ich stimme Ihnen in der Zielsetzung, dass Atomwaffen gänzlich von der Erde verschwinden sollten, zu. Wenn man dieses Ziel ernst nimmt, dann muss man erst mal dafür sorgen, dass keine neuen Atommächte hinzukommen. Ich hoffe, Sie stimmen darin mit mir überein. Wenn diese potentiell neuen Atommächte zudem noch von anrüchigen Regimes (Iran, Nord-Korea) regiert werden, dann sollten bei allen Menschen die Alarmglocken klingen. Insofern gestehe ich den USA das Recht zu, auf solche Situationen adäquat zu reagieren. Dies entbindet die USA natürlich nicht von der Pflicht, die eigene atomare Abrüstung, die nach dem Zusammenbruch des Ostblocks einsetzte, fortzusetzen. Sie wissen sicherlich auch, dass es diesbezüglich Gespräche mit Russland gibt, und Obama war meines Wissens der erste US-Präsident, der eine vollständige Beseitigung aller Atomwaffen propagierte. Dies mag ein langer Weg sein, aber er muss konsequent fortgesetzt werden.
nix- 28.11.2013
4. Wiederinbetriebnahme
ein politischer Unfug. Ausbaden wird das die geschundene Bevoelkerung, wenn die Sanktionen folgen.
alek 28.11.2013
5. optional
Wenn die USA weiter Länder bombardieren und ihren willen aufzwingen wollen, würde mich nicht wundern wenn andere Länder im geheimen eine A-Bombe bauen
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