Dissidenten-Warnung Nordkorea will Atomarsenal massiv ausbauen

"2017 ist die Hauptzeit für die nukleare Entwicklung": Ein geflohener Top-Diplomat aus Nordkorea berichtet über neue Atompläne des Regimes. Ein Anlass ist demnach der Machtwechsel in den USA.

Dissident Thae Yong Ho
DPA

Dissident Thae Yong Ho


Im August war der nordkoreanische Vize-Botschafter in London, Thae Yong, nach Südkorea geflohen, nun hat er bei seiner ersten Pressekonferenz nach der Flucht über Pläne des nordkoreanischen Regimes berichtet.

Demnach will Pjöngjang das Zeitfenster der bevorstehenden Machtwechsel in den USA und in Südkorea nutzen, um einen entscheidenden Vorstoß zum Ausbau seines Atomwaffenprogramms zu machen. Staatschef Kim Jong Un habe beim Parteitag im Mai die Anweisung gegeben, die nukleare Entwicklung des Landes bis zum Ende des Jahres 2017 zu "vollenden".

"Angesichts der Präsidentschaftswahlen in Südkorea und der Übergangsphase der Regierung in den USA sieht der Norden 2017 als Hauptzeit für die nukleare Entwicklung", sagte Thae. Die nordkoreanische Regierung rechne damit, dass die mit innenpolitischen Umbrüchen beschäftigten USA und Südkorea dann nicht zu militärischen Maßnahmen in der Lage seien.

Diktator Kim Jong Un
REUTERS

Diktator Kim Jong Un

Nach Einschätzung Thaes wird Kim keinesfalls das Atomwaffenarsenal seines Landes aufgeben. Kein finanzielles Angebot könne hoch genug sein, um den nordkoreanischen Machthaber dazu zu bringen. Kim wolle mit den USA aus der Position des Führers eines Atomwaffenstaates verhandeln. Washington hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, es nicht hinzunehmen, dass Nordkorea zu einem Atomwaffenstaat wird.

Das international isolierte Nordkorea hatte unter Missachtung von Uno-Resolutionen in diesem Jahr seine Tests mit Atomwaffen und ballistischen Raketen intensiviert. Anfang des Jahres gab das Land seinen insgesamt vierten Atomwaffentest bekannt, im September folgte dann der fünfte und bislang massivste. Außerdem gab es in diesem Jahr rund 20 Tests mit ballistischen Raketen.

Nach US-Angaben ist das Land inzwischen in der Lage, Mittelstreckenraketen mit atomaren Sprengköpfen zu bestücken und abzufeuern. Allerdings schafften es die Nordkoreaner noch nicht, die Raketen in die Erdatmosphäre zurückkehren zu lassen und auf ein Ziel zu lenken.

anr/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.