Atomkonflikt Nordkorea will Kommunikationsleitung mit Südkorea wiederherstellen

Die nächste Annäherung Nordkoreas zum Süden: Das isolierte Land will laut Seoul in einem Grenzort eine stillgelegte Hotline wiederherstellen. Eine Garantie für Entspannung ist das aber nicht.

Kim Jong Un
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Nordkorea will offenbar eine Kommunikationsleitung über die Grenze hinaus nach Südkorea einrichten. Das hat Südkorea verkündet. Der Norden habe die Absicht in einer Übertragung des staatlichen Radios bekannt gegeben. Seoul sprach davon, dass Nordkorea plane, den Kommunikationskanal in dem Grenzort Panmunjom im Laufe des Mittwochs wiederherzustellen.

Die beiden Länder hatten infolge zunehmender Spannungen seit 2016 nicht mehr über die Telefonleitung miteinander geredet, sagte eine Sprecherin des südkoreanischen Vereinigungsministeriums. Laut der Behörde machte Ri Son Gwon, Vorsitzender des Komitees für die friedliche Wiedervereinigung des Vaterlandes, die Ankündigung auf Geheiß des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un. Ri habe gesagt, Nordkorea werde versuchen, sich auf "ernsthaftem und vorsichtigem" Weg mit Südkorea einzulassen.

Nordkorea - Die Chronik des Konflikts

Einen Tag zuvor hatte Südkorea einen Termin für ein Treffen mit dem Norden am 9. Januar vorgeschlagen. Damit reagierte Seoul auf eine überraschend diplomatische Neujahrsansprache von Kim Jong Un. Darin richtete der nordkoreanische Diktator freundliche Worte an den Süden, wünschte dem Land Glück für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele im Februar und deutete an, dass er eine nordkoreanische Delegation nach Pyeongchang entsenden könnte.

Bei einem Treffen der beiden Länder könnte nun eine solche Teilnahme an den Winterspielen sowie weitere Maßnahmen besprochen werden, um die Beziehungen der Nationen zu verbessern. Zuletzt hatten Süd- und Nordkorea 2015 Gespräche auf ranghoher Ebene geführt.

Die neueste Entwicklung ist zwar ein positives Zeichen, in der Vergangenheit gab es aber bereits häufiger Versuche der Annäherung, die schnell scheiterten - selbst wenn sich Vertreter der Länder zusammengesetzt hatten. Bisher hat Nordkorea den neuesten Gesprächstermin noch nicht bestätigt.

In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage auf der koreanischen Halbinsel immer weiter angespannt - durch die atomare Aufrüstung Pjöngjangs, den Test einer Wasserstoffbombe im September und immer neue Drohungen und Wortgefechte zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump. Ende November hatte sich Nordkorea mit dem Test einer Interkontinentalrakete gebrüstet und erklärt, das gesamte US-Festland liege nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen. Die USA und die Uno reagierten mit neuen Wirtschaftssanktionen.

Die neuen Töne aus Nordkorea könnten nun dazu führen, dass sich die gefährliche Situation rund um den isolierten Staat etwas beruhigt - auch wenn Beobachter vermuten, dass die neuesten Sanktionen zu der neuen Strategie Nordkoreas geführt haben könnten. Gegenüber den USA blieb Kim außerdem ohnehin weiter hart und sendete in der Neujahrsansprache direkt eine neue Drohung in Richtung Trump.

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aev/AP/AFP/dpa



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