Nordkoreas Atomprogramm
sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden
Langstreckenraketen
ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer"
Kim Jong Il
offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug
Plutonium
für sechs
Atombomben
zu besitzen.
Nordkorea
hatte sich zwar bei Unterzeichnung des
Atomwaffensperrvertrags
1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
. Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.
Das
Atomprogramm Nordkoreas
hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder"
Sowjetunion
dem kommunistischen
Nordkorea
ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor
Yongbyon
baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des
Atomwaffensperrvertrags
, die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.
Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur
Abdul Qadir Khan
lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident
Bill Clinton
1994 mit Pjöngjang das
Genfer Rahmenabkommen
, das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen
Atombombe
verhindern sollte. Darin garantierte
Nordkorea
die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in
Yongbyon
, aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die
Plutoniumproduktion
, jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem
Uran
Kernwaffen herzustellen.
2003 begannen
Verhandlungen
über ein Ende des
nordkoreanischen Atomwaffenprogramms
. An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben
Nordkorea
China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.
Im Februar 2005 gab
Kim Jong Il
offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.
2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ
Taepodong-1
weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die
Resolution 1718
, in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.
Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ
Taepodong-2
mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die
Sechs-Parteien-Gespräche
erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten
Atomzentrums Yongbyon
an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945
Hiroshima
zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.