Nordkoreas Militär Kims Sohn steigt auf

Der Machtwechsel in Nordkorea steht offenbar kurz bevor: Kim Jong Un, jüngster Sohn des Diktators Kim Jong Il, wurde laut staatlicher Nachrichtenagentur KCNA zum General ernannt. Es war das erste Mal, dass der Kim-Spross von einem Medium in dem abgeschotteten Land namentlich erwähnt wurde.

AFP

Seoul - An diesem Dienstag könnte sich in Nordkorea der Machtwechsel vollziehen - Anzeichen dafür gibt es inzwischen jede Menge. Zum Beispiel, dass der als "Kronprinz" gehandelte jüngste Sohn des nordkoreanischen Staats- und Parteichefs Kim Jong Il zum General befördert worden ist. Das meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA zum Auftakt einer Parteikonferenz der Kommunisten am Dienstag.

Damit verdichten sich Hinweise, dass der vermutlich 26 Jahre alte Kim Jong Un als Nachfolger seines Vaters aufgebaut werden soll. Sollte er dessen Amt übernehmen, wäre er der dritte Herrscher in Folge aus der Dynastie des Staatsgründers Kim Il Sung, der das verarmte und international isolierte Land regiert. Außerdem wurde Kim Jong Uns Name in der Meldung erstmals gegenüber der nordkoreanischen Öffentlichkeit genannt - bisher wurde er offiziell nie erwähnt.

In dem KCNA-Bericht über den Auftakt der Parteikonferenz hieß es weiter, dass auch Kim Jong Ils Schwester Kyong Hui in den Generalsrang erhoben wurde. Sie spielte in den bisherigen Personalspekulationen um die Nachfolge des 68-jährigen Kim kaum eine Rolle.

Auf der Parteikonferenz soll die Führung der regierenden Kommunisten neu bestimmt werden. Es ist das erste große Treffen der KP seit dem Parteitag von 1980, auf dem Kim zum Nachfolger seines Vaters nominiert worden war. Kim Jong Il soll 2008 einen Schlaganfall erlitten haben und gilt als gesundheitlich angeschlagen.

Zuvor hatte es reichlich Spekulationen um den bevorstehenden Aufstieg Kim Jong Uns gegeben, die weder von der nordkoreanischen Führung noch von staatlichen Medien bisher bestätigt worden waren. Kim Jong Un sei vom Militär als Delegierter für das Treffen der herrschenden Arbeiterpartei nominiert worden, berichtete die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" am Montag. Das Zentralkomitee habe dann in einer internen Proklamation Kim Jong Un zum alleinigen Nachfolger des Staatschefs ausgerufen, meldete die Zeitung unter Berufung auf nicht näher genannte nordkoreanische Kreise.

Ein schüchterner Actionfan auf dem Weg zur Macht

Beobachter vermuten, dass Diktator Kim seinem Sohn wichtige Ämter übertragen will, um ihn auf die Machtübernahme vorzubereiten. Kim Jong Un ist angeblich in der Schweiz zur Schule gegangen und spricht Englisch, Französisch und Deutsch - sicher ist aber auch all das nicht, denn Informationen aus dem Privatleben der Kim-Sippe werden nie von der Staatsführung in Nordkorea bestätigt. Meist werden sie von südkoreanischen Medien verbreitet.

Die Familienverhältnisse der Kims gelten in dem kommunistischen Land als Tabuthema. Ein öffentliches Foto des erwachsenen Kim Jong Un gibt es nicht. In einem Buch schreibt der frühere Koch von Kim Jong Il, Kenji Fujimori, dass der dritte von drei bekannten Söhnen seinem Vater am meisten gleiche - sowohl körperlich als auch hinsichtlich des Charakters. Kim Jong Un soll früh einen Sinn für Autorität und Macht entwickelt haben, schrieb die südkoreanische Zeitung "The Korea Herald". Wie sein Vater leidet er angeblich an Diabetes.

Kim Jong Un wurde um das Jahr 1983 geboren, genauer ist das Datum nicht bekannt. Seine Mutter war die die dritte Frau Kim Jong Ils, die Tänzerin Ko Yong Hi. Ko starb Medienberichten zufolge vor gut fünf Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Ihr Sohn soll bis 1998 unter anderem Namen in der Schweiz die International School of Berne besucht haben. Das Schweizer Wochenmagazin "L'Hebdo" berichtete im März dieses Jahres, Kim junior habe die Schule im Alter von 15 Jahren ohne Abschluss verlassen. Seine Mitschüler hätten ihn als schüchtern und introvertiert beschrieben. Er sei gerne Ski gefahren und habe sich für Basketball interessiert. Zudem galt er als großer Bewunderer des US-Basketballstars Michael Jordan und des Actionfilm-Schauspielers Jean-Claude Van Damme.

Mitarbeiter des südkoreanischen Geheimdienstes gehen davon aus, dass das Regime bereits eine Propaganda-Aktion gestartet hat, um Kim Jong Un im Volk bekannt zu machen. Dazu sollen Lieder und Gedichte gehören, in denen der junge Kim gepriesen wird. Nordkoreanische Soldaten und Arbeiter sollen dem Sohn an seinem Geburtstag im Januar ihre Loyalität geschworen haben. Der mögliche Machtwechsel wurde jedoch stets geheim gehalten.

Die südkoreanischen Behörden wussten bis zum letzten Jahr nicht einmal, wie der Name des Sohnes überhaupt geschrieben wird.

ffr/Reuters/dpa/dapd



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
pietro-del-cesare 27.09.2010
1. ....
Zitat von sysopDer Machtwechsel in Nordkorea steht offenbar kurz bevor: Kim Jong Un, jüngster Sohn des Diktators Kim Jong Il, wurde laut staatlicher Nachrichtenagentur KCNA zum General ernannt. Es war das erste Mal, dass der Kim-Spross von einem Medium in dem abgeschotteten Land namentlich erwähnt wurde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,719913,00.html
Und der hat nicht so eine Vollklatsche wie sein Vater?
irobot 27.09.2010
2. Hier könnte Ihre Werbung stehen!
Zitat von pietro-del-cesareUnd der hat nicht so eine Vollklatsche wie sein Vater?
Mit Sicherheit doch. Scheint offensichtlich in der Familie zu liegen. Wahrscheinlich eine Erbkrankheit. Oder anerzogen. Wie heißt es so schön "Wie der Vater, so der Sohn". Ändern wird der auch nichst.
Rainer Daeschler, 27.09.2010
3. Weniger geheimnisvoll
---Zitat von SpOn--- Die südkoreanischen Behörden wussten bis zum letzten Jahr nicht einmal, wie der Name des Sohnes überhaupt geschrieben wird. ---Zitatende--- Wussten die schon, nur nicht welches chinesische Zeichen für "un" steht, da es dort mehrere zur Auswahl gibt und in Nordkorea im täglichen Gebrauch nur noch das koreanische Alphabet "Hangul" Verwendung findet.
SG1-RL 27.09.2010
4. Die East asia soap
laeuft ungebremst mit Staffel 2 weiter. Diesaml kommt ein neuer Protagonist hinzu, Kim Jong il's Sohn. Freuen Sie sich also auf unendliche Fortsetzungen, dieser im Stile der Schwarzwaldklinik aufgefuehrten, Schmierenkomoedie. Dieses ganze hick hack mit Nordkorea nervt einfach nur noch. Jeden Tag eine neue Drohung vom peinlichsten Diktator / Grosspornofilmbesitzer gegen die westliche Welt. Ich schlage vor Klappe zu, Affe tot.
autocrator 27.09.2010
5.
"die macht kommt aus den gewehrläufen". Es ist schon interessant, dass Un anscheinend rein über die militär-schiene auf den schild gehoben werden soll. diese veraltete, stalinistische form der herstellung einer machtbasis lässt tief blicken. - Und wirft fragen auf: Wer hat da welches interesse, einen jungen prinzen aus er herrscherdynastie zu stützen? Aufgrund des alters von Un ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass er wirklich eine eigene seilschaft besitzt und bedeutend mehr ist, als ein austauschbares aushängeschild. (Worauf auch die erhebung der schwester in den generalsrang hindeuten könnte). Und was heisst das für die internationale diplomatie? Interessant wird der machtübergang sein. Welche ämter behält Il vorerst, wie lange wird er noch leben?
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