SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

24. Februar 2013, 12:26 Uhr

Frühwarnsystem in Japan

USA planen Radar gegen nordkoreanische Raketen

Nach dem jüngsten Atomtest wächst die Furcht, dass Nordkorea bald in der Lage ist, nukleare Sprengköpfe herzustellen. Jetzt reagieren die USA: Sie wollen nach Angaben zweier Nachrichtenagenturen zur Abwehr von Raketen ein Frühwarnradar an der japanischen Küste stationieren.

Tokio/Washington/Pjöngjang - Die USA wollen eine leistungsstarke Radaranlage in Japan zum Schutz vor einem nordkoreanischen Raketenangriff errichten. Das berichten übereinstimmend die japanischen Nachrichtenagenturen Kyodo News und Jiji Press am Sonntag. Das X-Band-Radar gebe dank seiner Früherkennungsfähigkeiten den US-Streitkräften genügend Zeit zum Einsatz von Abfangraketen.

Demnach einigten sich US-Präsident Barack Obama und der japanische Regierungschef Shinzo Abe am Freitag in Washington, das System auf einer Luftwaffenbasis in Kyotango nordwestlich von Kyoto zu installieren. Im Falle eines nordkoreanischen Luftangriffs auf die USA würden Langstreckenraketen laut Kyodo News den Westen oder das Zentrum Japans überfliegen. Beide Agenturen nennen jedoch keine genauen Quellen für ihre Berichte. Ein US-Radar steht bereits im Norden Japans.

Nordkorea hatte Mitte Februar einen unterirdischen Nuklearwaffentest unternommen - es war bisher der größte Atomtest. Dieser sorgte weltweit für Sorge. Es bestehen die Befürchtungen, dass Pjöngjang die Produktion von Atomsprengköpfen vorbereitet, die auf Raketen montiert werden können.

Die Atomexplosion hatte nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA eine deutlich größere Sprengkraft als die beiden vorherigen Tests in den Jahren 2006 und 2009. Unabhängige Experten bestätigten dies und schätzten die Wirkung auf ein Drittel der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. International wurde das Vorgehen des isolierten Regimes scharf kritisiert.

Wissenschaftler wie Helden empfangen

KCNA berichtete am Samstag, dass an dem Atomtest 11.592 Wissenschaftler und Techniker beteiligt gewesen seien. Sie seien in der vergangenen Woche in Pjöngjang wie Helden empfangen und mit Orden ausgezeichnet worden.

Der Ton gegenüber den USA und Südkorea wird derweil immer schärfer. Nordkorea unterstellte beiden Ländern am Samstag, einen "Aggressionskrieg" vom Zaun brechen zu wollen. Die USA und ihre Verbündeten wollten Nordkorea wegen seines jüngsten Atomtests "isolieren und unterdrücken". Die zwei Staaten hatten angekündigt, ihr zweimonatiges Militärmanöver "Foal Eagle" am 1. März zu beginnen. In der Zeit vom 11. bis 21. März soll zudem die gemeinsame Kommandoschulung "Key Resolve" stattfinden.

Nach dem Atomtest hatten südkoreanische Streitkräfte mit Unterstützung der USA bereits eine Reihe von kurzfristig angesetzten Manövern zu Wasser, Luft und Land durchgeführt, um militärische Stärke zu demonstrieren. Die USA haben derzeit 28.500 Soldaten in Südkorea zur Abschreckung Nordkoreas stationiert.

Das Regime wirft beiden Ländern regelmäßig vor, mit den Manövern einen Angriff vorzubereiten. Das wird von Seoul und Washington bestritten.

Geheimtreffen in Nordkorea

Wie die "Los Angeles Times" berichtet, hatten sich die USA noch im vergangenen Jahr um entspanntere Beziehungen mit dem neuen nordkoreanischen Machthaber bemüht. Bei zwei Geheimbesuchen im April und August habe eine Delegation versucht, Kim Jong Un zu einer gemäßigteren Außenpolitik zu bewegen, berichtete die Zeitung. Sie berief sich auf nicht näher benannte US-Vertreter, die mit dem Vorgang vertraut seien.

Die Delegation im April wurde vom früheren US-Gesandten für die Sechs-Parteien-Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm, Joseph DeTrani, geführt. Dieser wollte sich zu dem Bericht nicht äußern, sagte aber, nach dem Tod Kim Jong Ils sei es durchaus sinnvoll gewesen, mit dessen Nachfolger in Kontakt zu treten.

Damals hätten einige erste Entscheidungen Kim Jong Uns in Washington Hoffnungen auf einen gemäßigteren Kurs geweckt.

heb/AFP/Reuters

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH