Frühwarnsystem in Japan: USA planen Radar gegen nordkoreanische Raketen

Nach dem jüngsten Atomtest wächst die Furcht, dass Nordkorea bald in der Lage ist, nukleare Sprengköpfe herzustellen. Jetzt reagieren die USA: Sie wollen nach Angaben zweier Nachrichtenagenturen zur Abwehr von Raketen ein Frühwarnradar an der japanischen Küste stationieren.

US-Soldat auf der "USS George Washington" (Archivbild): Furcht vor Atomraketen Zur Großansicht
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US-Soldat auf der "USS George Washington" (Archivbild): Furcht vor Atomraketen

Tokio/Washington/Pjöngjang - Die USA wollen eine leistungsstarke Radaranlage in Japan zum Schutz vor einem nordkoreanischen Raketenangriff errichten. Das berichten übereinstimmend die japanischen Nachrichtenagenturen Kyodo News und Jiji Press am Sonntag. Das X-Band-Radar gebe dank seiner Früherkennungsfähigkeiten den US-Streitkräften genügend Zeit zum Einsatz von Abfangraketen.

Demnach einigten sich US-Präsident Barack Obama und der japanische Regierungschef Shinzo Abe am Freitag in Washington, das System auf einer Luftwaffenbasis in Kyotango nordwestlich von Kyoto zu installieren. Im Falle eines nordkoreanischen Luftangriffs auf die USA würden Langstreckenraketen laut Kyodo News den Westen oder das Zentrum Japans überfliegen. Beide Agenturen nennen jedoch keine genauen Quellen für ihre Berichte. Ein US-Radar steht bereits im Norden Japans.

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Nordkorea: Kim Jong Un inspiziert Militäranlagen
Nordkorea hatte Mitte Februar einen unterirdischen Nuklearwaffentest unternommen - es war bisher der größte Atomtest. Dieser sorgte weltweit für Sorge. Es bestehen die Befürchtungen, dass Pjöngjang die Produktion von Atomsprengköpfen vorbereitet, die auf Raketen montiert werden können.

Die Atomexplosion hatte nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA eine deutlich größere Sprengkraft als die beiden vorherigen Tests in den Jahren 2006 und 2009. Unabhängige Experten bestätigten dies und schätzten die Wirkung auf ein Drittel der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. International wurde das Vorgehen des isolierten Regimes scharf kritisiert.

Wissenschaftler wie Helden empfangen

KCNA berichtete am Samstag, dass an dem Atomtest 11.592 Wissenschaftler und Techniker beteiligt gewesen seien. Sie seien in der vergangenen Woche in Pjöngjang wie Helden empfangen und mit Orden ausgezeichnet worden.

Der Ton gegenüber den USA und Südkorea wird derweil immer schärfer. Nordkorea unterstellte beiden Ländern am Samstag, einen "Aggressionskrieg" vom Zaun brechen zu wollen. Die USA und ihre Verbündeten wollten Nordkorea wegen seines jüngsten Atomtests "isolieren und unterdrücken". Die zwei Staaten hatten angekündigt, ihr zweimonatiges Militärmanöver "Foal Eagle" am 1. März zu beginnen. In der Zeit vom 11. bis 21. März soll zudem die gemeinsame Kommandoschulung "Key Resolve" stattfinden.

Nach dem Atomtest hatten südkoreanische Streitkräfte mit Unterstützung der USA bereits eine Reihe von kurzfristig angesetzten Manövern zu Wasser, Luft und Land durchgeführt, um militärische Stärke zu demonstrieren. Die USA haben derzeit 28.500 Soldaten in Südkorea zur Abschreckung Nordkoreas stationiert.

Das Regime wirft beiden Ländern regelmäßig vor, mit den Manövern einen Angriff vorzubereiten. Das wird von Seoul und Washington bestritten.

Geheimtreffen in Nordkorea

Wie die "Los Angeles Times" berichtet, hatten sich die USA noch im vergangenen Jahr um entspanntere Beziehungen mit dem neuen nordkoreanischen Machthaber bemüht. Bei zwei Geheimbesuchen im April und August habe eine Delegation versucht, Kim Jong Un zu einer gemäßigteren Außenpolitik zu bewegen, berichtete die Zeitung. Sie berief sich auf nicht näher benannte US-Vertreter, die mit dem Vorgang vertraut seien.

Die Delegation im April wurde vom früheren US-Gesandten für die Sechs-Parteien-Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm, Joseph DeTrani, geführt. Dieser wollte sich zu dem Bericht nicht äußern, sagte aber, nach dem Tod Kim Jong Ils sei es durchaus sinnvoll gewesen, mit dessen Nachfolger in Kontakt zu treten.

Damals hätten einige erste Entscheidungen Kim Jong Uns in Washington Hoffnungen auf einen gemäßigteren Kurs geweckt.

heb/AFP/Reuters

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insgesamt 22 Beiträge
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1. wer Atomkriegswind säht,
bigroyaleddi 24.02.2013
darf sich über einen scharfen Raketenabwehrsturm nicht wundern.
2. Guten Morgen
hubertrudnick1 24.02.2013
Zitat von sysopNach dem jüngsten Atomtest wächst die Furcht, dass Nordkorea bald in der Lage ist, nukleare Sprengköpfe herzustellen. Jetzt reagieren die USA: Sie wollen nach Angaben zweier Nachrichtenagenturen zur Abwehr von Raketen ein Frühwarnradar an der japanischen Küste stationieren. Nordkoreas Raketen: USA planen Frühwarnradar in Japan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkoreas-raketen-usa-planen-fruehwarnradar-in-japan-a-885241.html)
Kann man dazu sagen, endlich aufgewacht, oder gibt es das denn nicht schon längst, die USA haben doch über ihre Augen und Ohren auf, oder sollte das nicht mehr so sein? Imgrunde ist das nur wieder Stimmungsmacherei, denn beide brauchen sich mit ihrer Kriegstechnik zu verstecken, wobei die Nordkoreaner erst noch am Anbeginn stehen. HR
3. Überfällig
abc-xyz 24.02.2013
Man kann eigentlich über Nordkorea nur den Kopf schütteln, aber das die Chinesen ihren Kettenhund hier nicht zur Ruhe bringen konnten, ist das eigentliche Problem. Der Abwehrschirm ist das nur die logische Konsequenz. Nordkorea ist und bleibt unberechenbar.
4.
GeckoSamui 24.02.2013
Dann geht's ja hoffentlich bald richtig ab! Der Koreaner freut sich bestimmt schon über diese Entscheidung und schüttelt sicherlich bald den nächsten Test aus dem Ärmel! Was machen den die Halter des Kettenhundes?
5. Die Ami´s
zweistein59 24.02.2013
sagen Nordkorea und meinen China. China als kommende Supermacht versaut mit der Achse Russland/Iran der usA die geplante "Einkreisung" Europas und Asiens und der damit verbundenen eigenen Weltvormachtsstellung. Das hilflose Geschrei der "Abendländer" und der dilletantische Versuch, wenigstens in Afrika etwas "reißen" zu können, zeigt, wie verzweifelt sich die atlantisch Verbündeten bemühen ihre Doktrien aufrecht zu erhalten. Da China und Russland als ehemals alliierte Sieger Sitz im UN-Sicherheitsrat haben, können sie auch aus dieser Position noch so einigen "Ärger" bereiten, Es wird spannend! ;o)
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
REUTERS
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
AP
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)