Nordkoreas Satellitenstart: USA und Uno verurteilen "hochprovokativen" Raketentest

Nordkorea provoziert den Westen mit seinem Raketentest - und erntet harsche Kritik. Washington geißelt den Start als "hochprovokativen Akt" und kündigt "geeignete Maßnahmen" an. Auch die Uno protestiert. Russland und China mahnen dagegen zur Ruhe.

Pjöngjang - Nordkorea hat alle internationalen Mahnungen ignoriert und eine neue Langstreckenrakete gezündet. Entsprechend negativ sind die Reaktionen auf den Start des Flugkörpers um 9.51 Uhr Ortszeit am Mittwochmorgen. Besonders scharf fallen die Urteile der USA und der Vereinten Nationen aus.

Der Abschuss sei ein "hochprovokativer Akt" und verstoße gegen Uno-Resolutionen, teilte das US-Präsidialamt mit und kündigte an, mit internationalen Partnern "geeignete Maßnahmen" zu suchen. "Die internationale Gemeinschaft muss zusammenarbeiten und an Nordkorea eine klare Botschaft senden, dass diese Verstöße gegen Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats Konsequenzen haben", sagte ein Sprecher. Darüber werde man in den kommenden Stunden und Tagen beraten.

Eine entsprechende Uno-Resolution untersagt Nordkorea die Nutzung von Waffentechnologie in der Raumfahrt.

Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem provokativen Akt, der nicht zu billigen sei. Der Uno-Chef sei besorgt um die Sicherheit in der gesamten Region, teilte Bans Sprecher mit.

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Raketenstart: Jubel in Pjöngjang, Entsetzen bei den Nachbarn
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle sagte: "Ich verurteile den heute Nacht erfolgten erneuten Start einer Rakete durch Nordkorea auf das Schärfste. Nordkorea verstößt mit dieser gezielten Provokation in unverantwortlicher Weise gegen seine internationalen Verpflichtungen und verschärft die Spannungen in der Region." Es müsse nun eine deutliche Antwort des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen geben, so der Minister.

Zurückhaltender reagierte Russland. Man bedauere den Raketenstart zutiefst, erklärte auch das Außenministerium in Moskau. Das Land habe gegen eine Resolution der Uno verstoßen. Andere Nationen müssten nun Ruhe bewahren, um eine weitere Eskalation des Dauerkonflikts zu verhindern.

Ähnlich äußerte sich Nordkoreas Verbündeter China. Die Volksrepublik rief die Regierung in Pjöngjang dazu auf, die Richtlinien der Vereinten Nationen zu befolgen. Bei einer Reaktion der Uno müsse stets die Sicherheitslage in der instabilen Region beachtet werden.

"Perfekter Erfolg" für Pjöngjang?

Trotz der harschen Botschaften aus aller Welt feiert Pjöngjang den Start als Erfolg. Ein Wettersatellit habe die geplante Erdumlaufbahn erreicht, meldete das staatliche Fernsehen. Dazu spielte der Sender ein Lied mit dem Titel "Korea hält, was es verspricht".

Auch laut dem Nordamerikanischen Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando (Norad) deuten "erste Anzeichen darauf hin, dass die Rakete einen Flugkörper abgesetzt hat, der die Umlaufbahn erreicht haben könnte". Der US-Raumfahrtexperte Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik sprach sogar von einem "perfekten Erfolg" für das international isolierte Land.

Unterdessen werden immer mehr Details zum Ablauf des Starts bekannt. Die japanische Regierung teilte mit, die Rakete sei von der Westküste aus in südlicher Richtung abgefeuert worden und habe die Insel Okinawa überflogen. Kurz nach dem Abheben der Rakete berichtete der japanische Fernsehsender NHK, ihre zweite Stufe sei rund 300 Kilometer vor der Ost-Küste der Philippinen ins Meer gestürzt. Ein weiteres Teil landete westlich der koreanischen Halbinsel im Wasser.

Auch die japanische Regierung hatte umgehend gegen den Raketenstart protestiert. Japan und Südkorea beriefen Dringlichkeitssitzungen ihrer Sicherheitskabinette ein. Laut japanischen Medien will Tokio den Uno-Sicherheitsrat anrufen. Dieser könne noch am Mittwoch zusammentreten, hieß es.

Zweifel an der friedlichen Nutzung der Technologie

Nach früheren nordkoreanischen Angaben soll die Rakete einen Satelliten ins All befördern, der lediglich friedlichen Zwecken dient. Trotzdem werfen viele Länder Nordkorea vor, nach Langstreckenraketen zu streben, die Atomsprengköpfe transportieren können. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea Interkontinentalraketen entwickelt, die eine Reichweite von mehr als 6700 Kilometern haben und die USA treffen könnten.

Der Start am Mittwoch erfolgte überraschend - in den vergangenen Tagen war über mögliche Pannen und Verzögerungen berichtet worden. Zudem hatte das staatliche Komitee für Raumfahrttechnologie mitgeteilt, der mögliche Zeitraum für den Start sei aufgrund eines Fehlers um eine Woche bis zum 29. Dezember verlängert worden.

Im April war eine Unha-3-Rakete kurz nach dem Start explodiert. Der Uno-Sicherheitsrat hatte den Test aufs Schärfste kritisiert.

jok/Reuters/dpa/AFP/AP

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1.
hellknight 12.12.2012
Zitat von sysopAFPNordkorea provoziert den Westen mit seinem Raketentest - und erntet harsche Kritik. Washington geißelt den Start als "hochprovokanten Akt" und kündigt "geeignete Maßnahmen" an. Auch die Uno protestiert. Russland und China mahnen dagegen zur Ruhe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkoreas-raketentest-usa-und-uno-verurteilen-start-a-872386.html
Mal ganz im Ernst, die sog. "westliche" Ziviliationen (neuerdings gehört China dazu an?) übertreiben's einfach. So wie die Medien es verkaufen, ist Kim Jong Un eigentlich nur ein extrem egozentrischer, abscheulicher Kleinkind, der den "Glück" hat, dass sein Großvater irgendwie sich den Nordkorea gekrallt hat. Dieser Verhalten kennt man auch hier sehr gut als "Macho-Gehabe". Ich glaube nie und nimmer, dass Nordkorea überhaupt eine Bedrohung für die Welt darstellt. Mit Amerikaner doer EU anzulegen, das würde selbst Kim Jong Un als ein Selbstmordkommando sehen und da war Kim Jong Il weitaus gefährlicher. Er spielt daher nur und nutzt sein Macht aus, sich selbst zu befriedigen, mehr nicht. Geht es um militante Hamas-Gruppen, die tatsächlich aus tiefer Hass und Glauben Israel beschießen, DA würde ich Sorgen machen.
2.
ewspapst 12.12.2012
Zitat von sysopAFPNordkorea provoziert den Westen mit seinem Raketentest - und erntet harsche Kritik. Washington geißelt den Start als "hochprovokanten Akt" und kündigt "geeignete Maßnahmen" an. Auch die Uno protestiert. Russland und China mahnen dagegen zur Ruhe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkoreas-raketentest-usa-und-uno-verurteilen-start-a-872386.html
Eine entsprechende Uno-Resolution untersagt Nordkorea die Nutzung von Waffentechnologie in der Raumfahrt. heisst es im Text. Wenn ich richtig gelesen habe, hat Nordkorea einen Stateliten in den Orbit transportiert und keine Waffen. Solche Transporte finden doch überall in der Welt von den Staaten statt, die so etwas können. Glaubensvorstellungen irgend welcher Staaten haben doch hierbei keine Relevanz.
3. optional
citropeel 12.12.2012
Einerseits ist es ja lobenswert wenn Russland und China zur Ruhe mahnen, aber gleichzeitig verschaffen sie dem Regime in Nordkorea damit auch immer mehr Zeit zur Entwicklung ihres Raketenprogramms. Ich glaube ehrlich gesagt das darin auch der tiefere Sinn liegt und nicht in der Forderung zu besonnenen Handeln.
4. Nordkorea darf nicht ...
JaguarCat 12.12.2012
... was USA, Europa, Russland, China, Indien, Japan und andere dürfen, nämlich Satelliten in eine Umlaufbahn zu schießen. Aber nein, Nordkorea sind ja die bösen und die anderen die guten, ich vergaß. Mittelfristig wird man übrigens mit Nordkorea wieder vernünftiger reden und verhandeln. Jetzt, wo sie nachweislich im Club der Atommächte sind, kann man mit denen nämlich nicht mehr nach Belieben umspringen. Jag
5. Tragödie eines lächerlichen Landes...
expendable 12.12.2012
...das absurdeste daran ist die Tatsache, das die Kim-Verbrecherdynastie ihr albernes Affentheater nur noch deshalb mit immer neuen Zugaben verlängern kann, weil sich im Westen immer wieder Dödel und seltsame Gutmenschen finden, die jeder neuen Kasperlvorstellung Aufmerksamkeit schenken und Hilfslieferungen schicken, damit´s weitergehen kann...Die einzig richtige Weise, mit diesem Regime umzugehen stammt vom großen Philosophen Karl Valentin: "Noch net amol ignoriern."
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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