Pjöngjang - Nordkorea hat alle internationalen Mahnungen ignoriert und eine neue Langstreckenrakete gezündet. Entsprechend negativ sind die Reaktionen auf den Start des Flugkörpers um 9.51 Uhr Ortszeit am Mittwochmorgen. Besonders scharf fallen die Urteile der USA und der Vereinten Nationen aus.
Der Abschuss sei ein "hochprovokativer Akt" und verstoße gegen Uno-Resolutionen, teilte das US-Präsidialamt mit und kündigte an, mit internationalen Partnern "geeignete Maßnahmen" zu suchen. "Die internationale Gemeinschaft muss zusammenarbeiten und an Nordkorea eine klare Botschaft senden, dass diese Verstöße gegen Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats Konsequenzen haben", sagte ein Sprecher. Darüber werde man in den kommenden Stunden und Tagen beraten.
Eine entsprechende Uno-Resolution untersagt Nordkorea die Nutzung von Waffentechnologie in der Raumfahrt.
Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem provokativen Akt, der nicht zu billigen sei. Der Uno-Chef sei besorgt um die Sicherheit in der gesamten Region, teilte Bans Sprecher mit.
Zurückhaltender reagierte Russland. Man bedauere den Raketenstart zutiefst, erklärte auch das Außenministerium in Moskau. Das Land habe gegen eine Resolution der Uno verstoßen. Andere Nationen müssten nun Ruhe bewahren, um eine weitere Eskalation des Dauerkonflikts zu verhindern.
Ähnlich äußerte sich Nordkoreas Verbündeter China. Die Volksrepublik rief die Regierung in Pjöngjang dazu auf, die Richtlinien der Vereinten Nationen zu befolgen. Bei einer Reaktion der Uno müsse stets die Sicherheitslage in der instabilen Region beachtet werden.
"Perfekter Erfolg" für Pjöngjang?
Trotz der harschen Botschaften aus aller Welt feiert Pjöngjang den Start als Erfolg. Ein Wettersatellit habe die geplante Erdumlaufbahn erreicht, meldete das staatliche Fernsehen. Dazu spielte der Sender ein Lied mit dem Titel "Korea hält, was es verspricht".
Auch laut dem Nordamerikanischen Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando (Norad) deuten "erste Anzeichen darauf hin, dass die Rakete einen Flugkörper abgesetzt hat, der die Umlaufbahn erreicht haben könnte". Der US-Raumfahrtexperte Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik sprach sogar von einem "perfekten Erfolg" für das international isolierte Land.
Unterdessen werden immer mehr Details zum Ablauf des Starts bekannt. Die japanische Regierung teilte mit, die Rakete sei von der Westküste aus in südlicher Richtung abgefeuert worden und habe die Insel Okinawa überflogen. Kurz nach dem Abheben der Rakete berichtete der japanische Fernsehsender NHK, ihre zweite Stufe sei rund 300 Kilometer vor der Ost-Küste der Philippinen ins Meer gestürzt. Ein weiteres Teil landete westlich der koreanischen Halbinsel im Wasser.
Auch die japanische Regierung hatte umgehend gegen den Raketenstart protestiert. Japan und Südkorea beriefen Dringlichkeitssitzungen ihrer Sicherheitskabinette ein. Laut japanischen Medien will Tokio den Uno-Sicherheitsrat anrufen. Dieser könne noch am Mittwoch zusammentreten, hieß es.
Zweifel an der friedlichen Nutzung der Technologie
Nach früheren nordkoreanischen Angaben soll die Rakete einen Satelliten ins All befördern, der lediglich friedlichen Zwecken dient. Trotzdem werfen viele Länder Nordkorea vor, nach Langstreckenraketen zu streben, die Atomsprengköpfe transportieren können. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea Interkontinentalraketen entwickelt, die eine Reichweite von mehr als 6700 Kilometern haben und die USA treffen könnten.
Der Start am Mittwoch erfolgte überraschend - in den vergangenen Tagen war über mögliche Pannen und Verzögerungen berichtet worden. Zudem hatte das staatliche Komitee für Raumfahrttechnologie mitgeteilt, der mögliche Zeitraum für den Start sei aufgrund eines Fehlers um eine Woche bis zum 29. Dezember verlängert worden.
Im April war eine Unha-3-Rakete kurz nach dem Start explodiert. Der Uno-Sicherheitsrat hatte den Test aufs Schärfste kritisiert.
jok/Reuters/dpa/AFP/AP
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