Nordzypern Nationalist Eroglu gewinnt Präsidentenwahlen

Bei den Präsidentenwahlen im türkischen Nordzypern hat sich der nationalistische Hardliner Eroglu gegen Amtsinhaber Talat durchgesetzt. Mit dem Sieg Eroglus schwinden die Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung Zyperns - die Beziehungen der Türkei zur EU werden belastet.

Nationalist Eroglu: Besteht auf der Souveränität Nordzyperns
dpa

Nationalist Eroglu: Besteht auf der Souveränität Nordzyperns


Nikosia - Der nationalistische Politiker Dervis Eroglu hat die Präsidentenwahl im türkischen Teil Zyperns gewonnen. Mit 50,4 Prozent der Stimmen besiegte der Hardliner den als gemäßigt geltenden Amtsinhaber Mehmet Ali Talat bereits in der ersten Runde. Talat kam dem am Sonntagabend veröffentlichten vorläufigen Endergebnis zufolge auf 42,9 Prozent.

Nach dem Sieg Eroglus ist eine Wiedervereinigung Zyperns fraglicher denn je. Talat hat sich für die Vereinigung des türkischen Nordens mit dem griechischen Süden der Insel eingesetzt und in den Gesprächen Bereitschaft zu Zugeständnissen geäußert. Viele befürchten nun, dass mit Eroglus Sieg der ohnehin nur schleppend verlaufende Friedensprozess zum Scheitern verurteilt ist. Dies wiederum würde das Streben der Türkei nach einer Mitgliedschaft in der EU torpedieren.

Griechische Politiker erklärten in der Nacht zum Montag, die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung steuerten nun auf eine Sackgasse zu. Der zyprische Regierungssprecher Stefanos Stefanou sagte: "Die Wahl Eroglus ist zweifellos eine negative Entwicklung." Jetzt müsse man auch auf der neuen Basis nach Lösungen suchen. Andros Averof Neofytou, Vizepräsident der konservativen, zweitgrößten Partei DISY sagte: "Wenn wir mit Talat schon keine Ergebnisse hatten, wie kann man jetzt hoffen, dass es mit Eroglu weitergeht."

In einer Rede vor jubelnden Anhängern versprach Eroglu am Sonntagabend zwar eine Fortsetzung der Verhandlungen mit der Regierung des griechischen Teils. Allerdings besteht er auf einer Souveränität von Nordzypern, was die griechischen Zyprer ablehnen. Der geschlagene Amtsinhaber Talat versicherte, er wolle sich weiter für eine Wiedervereinigung engagieren. "Mein Traum von einer Lösung des Zypern-Problems bleibt bestehen", sagte er vor Journalisten.

Zypern ist seit 1974 geteilt. Damals marschierten türkische Truppen auf der Insel ein. Die Türkei reagierte damit auf einen Putschversuch von Anhängern einer Union mit Griechenland. Das in Nordzypern ausgerufene Staatswesen wird international nur von der Türkei anerkannt.

Zypern gehört seit dem 1. Mai 2004 zur Europäischen Union. Das EU-Recht gilt aber vorerst nur im griechisch-zyprischen Süden der Mittelmeerinsel. Der Streit um Zypern erschwert auch der Türkei eine weitere Annäherung an die EU.

anr/apn/dpa



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