SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. November 2003, 13:21 Uhr

Notlandung in Bagdad

Deutscher Frachtjet von Rakete getroffen

Eine Frachtmaschine des deutschen Paketdienstes DHL ist über Bagdad von einer Rakete getroffen worden. Das Flugzeug landete mit einer brennenden Tragfläche. Bei Autobombenanschlägen im Irak starben 16 Menschen.

Bagdad - Nach anfänglicher Unsicherheit bestätigte das US-Militär jetzt, dass es sich um einen Raketenangriff gehandelt hatte. Der Airbus A-300 sei vermutlich mit einer Boden-Luft-Rakete des Typs SAM-7 beschossen worden. Die Maschine war mit einer brennenden Tragfläche wieder auf dem Bagdader Flughafen gelandet. Einem Augenzeugenbericht zufolge fehlte ein Teil der Flügelspitze, das Flugzeug zog eine Rauchfahne hinter sich her.

Nach Angaben von DHL-Sprecherin Patricia Thomson war das Flugzeug auf dem Weg von Bagdad in den Golfstaat Bahrain. Die Maschine sei in der Luft umgekehrt und sei gegen 7.30 Uhr (MEZ) sicher gelandet. Die drei Besatzungsmitglieder seien wohlauf, betonte die Sprecherin. Zur Ursache des Zwischenfalls konnte sie zunächst keine Angaben machen.

US-Armeesprecherin Carrie Clear hatte zuvor gesagt, es sei noch nicht klar, ob ein technischer Defekt die Ursache für den Brand der Tragfläche gewesen sei oder ob das Flugzeug beschossen wurde. In den vergangenen Wochen hatten Aufständische in Irak fünf US-Hubschrauber mit Raketen abgeschossen.

Bei zwei Autobombenanschlägen in Städten nördlich von Bagdad wurden heute 16 Menschen getötet, wie die Behörden mitteilten. Die meisten Opfer waren Polizisten. Der erste Anschlag richtete sich gegen eine Polizeiwache in der Stadt Bakuba, der zweite folgte wenige Minuten später in der Stadt Khan Bani Saad, die an der Straße zwischen Bagdad und Bakuba liegt.

In Bakuba wurden nach Angaben eines Polizeisprechers sechs Polizisten getötet. Die Explosion hinterließ vor dem Eingang des Polizeigebäudes einen großen Krater. Zehn Zivilisten seien verletzt worden. In Khan Bani Saad starben nach Angaben eines US-Militärsprechers sechs Polizisten, drei Zivilisten und der Selbstmordattentäter. Nach irakischen Angaben war unter den Opfern auch ein sechsjähriges Mädchen.

Die 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad gelegene Stadt Bakuba und die 20 Kilometer südlich von Bakuba gelegene Stadt Khan Bani Saad gehören zum so genannten Sunnitischen Dreieck nördlich und westlich der Hauptstadt, wo der Widerstand gegen die Besatzungstruppen besonders heftig ist. In letzter wurden aber auch verstärkt Iraker angegriffen, die mit den USA oder ihren Verbündeten zusammenarbeiten.

In der nordirakischen Stadt Erbil war am gestern Abend vor dem Büro einer britischen Minenräumorganisation ein Tankwagen explodiert. Dabei entstand nach Behördenangaben geringer Sachschaden, verletzt wurde niemand. Ein Vertreter der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) machte Anhänger des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein für die Tat verantwortlich. Es war die zweite Explosion innerhalb von zwei Tagen im kurdischen Norden Iraks. Bei der Explosion einer Bombe kamen am Donnerstag in Kirkuk fünf Menschen ums Leben.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung